Die Ribolla-Story

Written by Gisela & Franz. Posted in Friaul-Tagebuch, Wein, Weinempfehlungen aus Friaul

Akazien- und Kastanientöne, feine Säure und Zitrusaromen – all das zeichnet den Ribolla gialla aus. Er zählt – so heißt es allgemein – zu den ältesten autochtonen Weinsorten des Friaul. Jetzt lässt sich eine Menge mehr erfahren: Der friulanische Weinexperte und Autor Enos Costantini (er war auch als Lehrer am Agrarinstitut von Cividale tätig) hat das Buch „Ribolla-Story“ herausgebracht. Wir und viele andere Interessierte wie unsere Winzerfreundin Fabiola Ferrin und der ehemalige Vizebürgermeister von Codroipo Ezio Bozzini waren bei der Präsentation in Corno di Rosazzo in der Villa Nachini Cabassi dabei.

Wenn Enos Costantini sich eines Themas annimmt, dann gründlich. Das haben wir schon erfahren, als er uns als Herausgeber der Zeitschrift ‚Terra Friulana’ davon überzeugte, wir sollten doch eine deutschsprachige Ausgabe dieser Publikation über Friaul Julisch Venetien verfassen. Was wir dann ja auch getan haben.

Enos selbst schreibt regelmäßig Bücher über friulanische Themen, immer sehr genau und detailreich. Diesmal also über den Ribolla gialla, einem Markenzeichen der Weinwelt in Friaul Julisch Venetien. Bei der Präsentation skizziert er, wie er Wissen zusammengetragen hat, in Archiven ebenso wie bei Winzern, in Zusammenarbeit mit der Wissenschafterin Manna Crespan vom Weinbau-Forschungszentrum in Conegliano und seinem nicht minder kenntnisreichen Koautor Carlo Petrussi.

Und so gibt es durch die Vorträge dieser drei bei der Präsentation schon eine Menge zu erfahren. Enos erzählt, dass der Name Ribolla zwar schon im Mittelalter auftaucht, aber ursprünglich einfach eine Bezeichnung für qualitätvollen Wein aus unterschiedlichen Reben war, der quer durch Europa geschätzt wurde. Erst im 18.Jahrhundert hat dann eine Rebsorte den Namen Ribolla bekommen. Und Costantini erzählt zum Beispiel auch, wie früher der gärende Ribolla-Most durch Leinensäcke gefiltert wurde. Die Forscherin Manna Crespan berichtet von ihren Untersuchungen des DNA-Profils des Ribolla gialla, des Ribolla spizade und des Ribolla nera, der ja heute Schioppettino genannt wird. Der Ribolla gialla habe sich als genetisch ähnlich der uralten französischen Sorte Gouais erwiesen. Carlo Petrussi betont, wie aufwändig in den letzten Jahren in alten Weingärten Ribolla-gialla-Reben gesucht und zur Erzeugung von qualitätvollen Klonen verwendet werden. Vielerlei Klonvarianten gibt es inzwischen.

Der Ribolla gialla wird heute (dank der Pionierrolle von Manlio Collavini) von vielen friulanischen Winzern auch zu einem ausgezeichneten Spumante verarbeitet, eine wunderbare Alternative zum Prosecco des Veneto. Etwa 600 Hektar Ribolla gialla werden zur Zeit in Friaul Julisch Venetien angebaut. Tendenz steigend. Kein Wunder! Auch bei der Verkostung nach der Buchpräsentation lösten die Weine und Spumanti bei den Besuchern viel Freude aus.

Das Buch: Enos Costantini: Ribolla Story. Vini e vitigni che hanno sfidato i secoli. Forum 2017.

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