Ebensee: Von Kripperln und Glöcklern

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Menschen

Die ‚Kripperlroas’, das von Haus zu Haus Gehen, um Krippen anzusehen, hat in Ebensee in Oberösterreich eine lange Tradition. Da wir dort einen Vortrag über Friauler Krippen halten durften, muss die Gelegenheit genützt werden: Am Tag danach begeben wir uns auf die ‚Krippenreise’. Es darf aber auch ein ausgiebiger Blick auf den Brauch des ‚Glöcklerlaufes’ nicht fehlen. Dank der kundigen Führung von Dr.Franz Gillesberger und seiner Gattin Renate ein unglaublicher Tag voller großartiger Eindrücke!

Privathäuser in Ebensee öffnen bis zum 2.Februar, Maria Lichtmess, den Gästen ihre Pforten, um die raumfüllenden, wunderschönen Landschaftskrippen zu zeigen. Ein Prospekt hilft dem Besucher bei der ‚Kripperlroas’ und Franz Gillesberger ist als Führer durch die Ebenseer Krippenwelt überaus gefragt. Schon die Ebenseer Pfarrkirche wartet mit der ersten außergewöhnlichen Krippe auf. Sie stammt aus der Schnitzschule der berühmten Barock-Bildhauerfamilie Schwanthaler. Deshalb sind die Figuren von besonderer Qualität und wir finden im Zug der Könige gleich unseren Lieblingselefanten.

Jetzt führen uns die Gillesbergers von Haus zu Haus. Zum Beispiel zu Günther Neuhuber, der wegen seiner Liebe zur Krippe extra das Schnitzen lernt. Die Krippe der Familie Scheck hat als Besonderheit nicht nur ungarische Soldaten zu bieten – weil ein Vorfahre dort selbst als Soldat war – sondern der kleine Kohlenmeiler kann auch tatsächlich zum Rauchen gebracht werden.

Die Krippe von Sepp Zehentleitner hat die wohl außergewöhnlichste Szene einer ‚Flucht nach Ägypten’ zu bieten, mit den Räubern Desmas und Gesmas und einer unglaublichen Fülle wilder Tiere. Franz Vogl ist der Spezialist für den Bau von Krippenhäusern, die sich so vielfältig in allen Krippen hier finden. Er bestückt nicht nur seine eigene Krippe mit den liebevoll aus Balsaholz gebauten Häuschen, sondern auch die vieler anderer im Ort.

Rudolf Loidl ist der Vorgänger von Franz Gillesberger als Leiter des Ebenseer Museums. Loidl schnitzt für seine Krippe ebenfalls selbst und fertigt auch die für die Region typischen Masken. Er und seine Gattin Hilda stärken uns mit einen Schnapserl für unsere weitere ‚Kripperlroas’. Derlei Stärkung erfährt Fortsetzung sowohl bei Toni Putz, bei dem wir eine aus Südtirol stammende Schnitzkirche bewundern dürfen, als auch bei Gerhard Preiner. Auch er schnitzt selbst, nicht nur für die eigene Krippe, sondern auch für andere. Aus der Fülle der hübschen Figuren erwerben wir einen schlafenden Hirten und einen kleinen Wolf mit Lamm im Maul.

In Ebensee wird aber nicht nur der Krippen-Brauch liebevoll gepflegt, sondern auch der des Glöcklerlaufes. Deshalb steht bei Max Höllmoser nicht nur eine schöne, alte Krippe, sondern er ist auch ein leidenschaftlicher Glöckler. Beim Glöcklerlauf ziehen immer am 5.Jänner die Glöckler verschiedener Gruppen – Passen genannt – mit ihren meist riesigen, durch Kerzen von innen beleuchteten Kappen durch den Ort, große Kuhglocken tragen die Glöckler an einem Gürtel um die Taille. So sollen – so sagt die Tradition – die bösen Geister vertrieben und die guten geweckt werden. Dieser Brauch hat in Ebensee seinen Ursprung, hat sich von hier aus über das Salzkammergut verbreitet und ist inzwischen sogar UNESCO-Kulturerbe.

Max Höllmoser ist ein Meister des Bauens von Glöcklerkappen. Eine aufwendige Arbeit ist es, die nötigen Holzgestelle zu konstruieren und dann mit buntem Papier die Ornamente und die figuralen Szenen zu kleben. Dutzende solcher Kappen hat Höllmoser in einem großen Raum stehen, von Kindergröße bis zu ganz großen, die schon gut 15 Kilogramm wiegen können, in jeder von denen stecken etwa 600 Arbeitsstunden.

Für heuer ist ja der Ebenseer Glöcklerlauf schon Geschichte, aber im Museum sind die Glöckler das ganze Jahr zu bestaunen. Und bei Höllmoser ist wohl das ganze Jahr Glöcklersaison. Und das weckt in Franz die Lust, auch einmal so einen Kappe zu probieren, fürs Erste eine in Kindergröße. Sieht wirklich toll aus! Und als Erinnerung erwerben wir eine kleine Glöckler-Lampe. Die wird auf jeden Fall dazu beitragen, dass unsere Erinnerung an diesen wundervollen Tag, den wir dank Franz und Renate Gillesberger in Ebensee erleben durften, ganz lebendig bleibt!

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