Coderno: Wo der Käse regiert und
Dichter-Pater Turoldo geboren ist

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Küche

‚Il pais dal formadi’ wird Coderno auf friulanisch genannt, der Ort des Käses. Etwas nördlich von Codroipo gelegen, ein typischer, ländlicher Ort der friulanischen Ebene. Aber Coderno ist nicht nur für Käseliebhaber interessant: Hier wurde Padre David Maria Turoldo geboren, der als Priester und Dichter im Friaul gleichermaßen bekannt ist und von manchem ‚der Poet Gottes’ genannt wurde.

Das Geburtshaus Turoldos (*1916, +1992) in der Via Caterina Percoto ist heute ein kleines Museum. Hier wird ein wenig von der Atmosphäre der Einfachheit bewahrt, die Turoldo in vielen Texten beschrieben hat; im Zentrum das ländliche Leben, das er hier als Kind erfahren hat, als jüngstes von neun Kindern. Schon mit 13 Jahren wird er Novize des Servitenordens im Veneto, studiert dann Philosophie, Theologie und Literatur in Venedig, Mailand und Urbino. In Mailand war er in den 1940er Jahren auch aktiv im antifaschistischen Widerstand. Sein Leben als Priester war immer auch ein Leben als Dichter. Das von Spannungen geprägte Verhältnis zwischen Mensch und Gott hat er in Prosatexten und in Gedichten zu analysieren und zu erfühlen gesucht. Seine Predigten – oft übertragen in Radio und Fernsehen – machten ihn in ganz Italien bekannt.

Anfang der 1960er Jahre kehrt er ins Friaul zurück in den Servitenkonvent in Udine. Hier wird ein von ihm lange erträumtes Projekt Wirklichkeit: Gemeinsam mit dem Regisseur Vito Pandolfi arbeitet er an der Verfilmung seiner Erzählung ‚Io non ero fanciullo’ (Ich war kein Kind). Dieser Film mit dem Titel ‚Gli ultimi’ (Die Letzten) wurde auch in Corderno und bei jener Mühle gedreht, die heute das Ristorante Al Molino di Glaunicco ist. Erzählt wird über das Edle des armen, ländlichen Lebens in Turoldos Friaul. Die Öffentlichkeit lehnt den Film damals als zu drastisch ab, erst später wird der Wert der Produktion erkannt. Turoldo, der unbequeme Priester, war auch mit Pier Paolo Pasolini, dem unbequemem Künstler, befreundet. Die beiden verband die Sorge um die Zukunft ihrer gemeinsamen Heimat Friaul, eine Sorge, die beide in ihren literarischen Texten zum Ausdruck brachten, Turoldo geprägt von Religiosität, Pasolini geprägt von politischen Überlegungen.

Bei unserem Besuch im Geburtshaus Turoldos hätten wir uns mehr von diesen Informationen dargestellt gewünscht. Doch die ‚Associazione Culturale’ engagiert sich vorrangig für das Zusammenführen von lebenden Künstlern. Das kommt in einer gemeinsamen Ausstellung von Arbeiten italienischer, ungarischer und österreichischer Künstler zum Ausdruck, die die Räume des Hauses auf zwei Stockwerken belebt. Unsere Favorites: Lajos Kondor/Budapest, Anton Thurnberger/Grieskirchen/Oberösterreich, Karin Haberl /St.Veit an der Triesting/Niederösterreich. Das alles zeigt uns und unseren Winzerfreunden Ferrin Professor Pier Giuseppe Di Lenarda, der seine Freizeit gerne Besuchern des Turoldo-Hauses widmet.

Di Lenarda wohnt in einem Haus schräg visavis des Turoldo-Hauses. Die Fassade ist rot marmoriert, was auf Pier Giuseppes Grossvater zurückgeht. Der hat gerne gemalt, in jenem naiv-engagierten Stil des kreativen Laien, der so nahe dran ist am täglichen Leben der Menschen. So zieren denn auch zwei Wandbilder die Einfahrt des Di Lenarda-Hauses, eines mit den verschiedenen Lebensaltern, ein anderes mit Erlebnissen des Grossvaters im Ersten Weltkrieg.

Natürlich muss auch die Latteria von Coderno in der Via Giacomo Matteotti besucht werden, eine Kooperative, die für beste Käsesorten in ganz Friaul bekannt ist. Die meisten Bauern in Coderno halten Kühe und liefern die Milch an die ‚Latteria sociale’ zur Käseerzeugung. Von würzigem frischen Topfen über ‚Fior di latte’ – Mozzarella bis zu einem mit der DOP-Bezeichnung (Denominazione all’origine protetta, also eine geschützte Herkunftsbezeichnung) geadelten Montasio reicht die große Auswahl.

Ein ‚Fior di latte’ muss dann auch noch beim abschließenden Abendessen im Agriturismo La di Mariute (in der Via Caterina Percoto gleich hinter dem Turoldo-Haus) probiert werden – als feine Abrundung eines interessanten Ausflugs.

Valentin-Oman-Magnum bei Komjanc

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Wein

Als im Jahr 2015 im Weingut Komjanc eine Valentin-Oman-Ausstellung stattfand, wurde die Idee geboren, gemeinsam mit dem Künstler eine Magnum-Flasche zu gestalten. Jetzt ist dieses Projekt Wirklichkeit geworden: Die Sammler-Magnum ,Ecce Homo’, thematisch dem Frieden gewidmet, mit Oman-Etikett und –Signatur, wurde Samstag in Giasbana / San Floriano del Collio vorgestellt.

Die ganze Familie Komjanc freut sich über diese spezielle Edition von 100 Magnum-Flaschen, die teils mit Friulano, teils mit Merlot gefüllt sind. Für Wein- und Kunstinteressierte gleichermaßen ist so eine Magnum ein Gustostück. Valentin Oman, einer der renommiertesten Künstler Österreichs, hat eine seiner ‚Ecce Homo’-Darstellungen diesem Projekt gewidmet. Über dem Klebe-Etikett mit dieser Darstellung ist noch eine Erläuterung mit Original-Unterschrift von Valentin Oman auf die Flasche gebunden, eine Holzkiste dient als dekorative und zugleich schützende Verpackung. Die grafische Umsetzung hat Roberta Gasparini / Studio ‚Brain bank’ sehr einfühlsam vorgenommen. Roberto Komjanc, seine Frau Raffaella und ihr Sohn Mosè haben die Präsentation sehr professionell und zugleich stimmungsvoll gestaltet. Gisela erläuterte den Gästen, wie sich die Ecce-Homo-Darstellung auf dem Etikett als eines der Kernthemen des Künstlers Valentin Oman präsentiert. In dieser Zeit, die dem Gedenken an den Ersten und den Zweiten Weltkrieg in dieser Grenzregion bei Gorizia gewidmet ist, ist Omans Kunst die passende, ausdrucksstarke Sprache. Oman, der sich stets für Respekt und Gleichberechtigung einsetzt, hasst den Krieg, weil er Ausdruck der Intoleranz, des Rassismus, des Machtstrebens ist. So verbindet sich künstlerischer Ausdruck mit den Wein der Familie Komjanc, die – geprägt von der Grenze – mit diesem Projekt einer künstlerischen Sammler-Magnum ein Zeichen für den Frieden setzen will. Der Önologe des Weinguts, Gianni Menotti, beschreibt die für die Gegend typischen Qualitäten des Friulano und des Merlot als internationaler Sorte, auch als verbindende, friedensstiftende Elemente. Mediale Aufmerksamkeit ist der Familie Komjanc durch dieses Magnum-Projekt sicher. Unter den anwesenden Journalisten widmet sich auch ein Team des Fernsehsenders Rai 3 dem Projekt.