Palmsonntag in Strassoldo und Grado

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Friaul-Tagebuch, Garten, Küche

Ein Bilderbuchtag! Strahlende Sonne, angenehm warm wie im Frühsommer, so präsentiert sich dieser Palmsonntag und lädt zu einem Ausflug ein: Palmweihe und Gartenführung in Strassoldo sowie Urlaubsfeeling in Grado. Das lässt sich alles in ein paar genussvollen Stunden unterbringen.

Von Varmo ein Stück in Richtung Udine, dann führt eine schnurgerade Straße in Richtung Palmanova. Napoleonica wird die Strasse genannt, weil einst Napoleon hier möglichst rasch seine Truppen zu bewegen trachtete. Rechts und links stehen hier besonders viele Reihe von Maulbeerbäumen, wie sie bis in die 1960er Jahre von den Bauern gepflanzt wurden, um mit den Blättern die Seidenraupen zu füttern. Jetzt im Frühling sind diese ‚gelsi’ (=Maulbeerbäume) besonders schön mit ihren hellgrünen, eben ausgetriebenen Blättern. Und wenn dann daneben noch ein knallgelbes Rapsfeld blüht, geht nicht nur Fotografen das Herz auf.

In Strassoldo findet traditionellerweise am Palmsonntag nicht nur die Palmweihe (mit Olivenzweigen) samt kleiner Prozession und Gottesdienst statt, sondern auch die Veranstaltung „Fiori, acque e castelli“. Da werden die zwei malerischen Schlösser Strassoldo di sotto und Strassoldo di sopra sowie etliche von deren Nebengebäuden geöffnet, viele Kunsthandwerker stellen dort ihre Werke aus. Und es gibt Führungen in dem normalerweise nicht zugänglichen Park von Strassoldo di sotto. Da sind wir mit dabei. Contessa Ombretta Strassoldo geleitet uns und andere Interessierte durch die drei unterschiedlichen Gartenbereiche: den englischen Park, den Form-Garten mit rechteckigem Teich samt Insel in der Mitte, und dem autochtonen, also für Friaul ganz spezifischen Bereich, wo die ‚risorgive’ genannten Quellen zu beobachten sind. Das Flüsschen Taglio trägt das seinige zum idyllischen Ambiente bei.

Ein paar Schritte weiter im und rund um das Castello di sopra herrscht am späten Vormittag bei den Ausstellern schon großes Gedränge. Phantasievolles Blumendekor findet sich drinnen wie draußen und in einem der Gartenbereiche lässt sich bei Gärtnern etliches für daheim erwerben, Blumen genauso wie Kräuter oder auch kleine Obstbäumchen. Wir beschränken uns auf Kräuter.

Jetzt ist Meeresluft angesagt. Die Idee haben an diesem strahlenden Palmsonntag allesdings sehr viele. Trotzdem lässt sich ein Parkplatz in Grado finden. Auf der Promenade ist eine Menge los, aber bei Luisa und Alfredo in ihrem immer supergemütlichen Hotel-Restaurant Marea ist auf der schönsten Terrasse von Grado doch noch ein Plätzchen für uns frei. Dass hier mit Vongole und Orata/Goldbrasse geschwelgt werden muss, ist klar. Der Blick hinüber auf den Strand zeigt: Zumindest bis zu den Knien sind da einige Sonnenanbeter sogar im Wasser. Alles in allem ist dieser Palmsonntag ein prächtiger „Fast-schon-Sommertag“!

Ristorante Da Toni / Gradiscutta:
Fixstern am Gourmethimmel

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Küche, Lokal-Empfehlungen in Friaul

„Das Restaurant ‚Trattoria Da Toni’ und die ‚Unione Ristoranti del Buon Ricordo’ beehren sich zur Präsentation einer neuen Spezialität einzuladen: ‚Guancia di vitello al Refosco’, also Kalbswange in Refosco-Sauce. Wem – wie uns – die Ehre solch einer Einladung widerfährt, weiß, dass er einen wunderbaren, höchst genussvollen Abend vor sich hat. Genau so war es auch!

Der Padrone des Ristorante ‚Da Toni’ in Gradiscutta di Varmo Aldo Morasutti steht für perfekte Gastlichkeit und begrüßt herzlich die zahlreichen Gäste des Abends, darunter der extra aus Mailand angereiste Präsident der ‚Unione Ristoranti del Buon Ricordo’ Ovidio Mugnai. Der Bürgermeister der Gemeinde Varmo, zu der der Ort Gradiscutta gehört, Sergio Michelin, ist mit seiner Gattin ebenfalls gekommen, außerdem andere Prominenz der Gegend und etliche Journalisten. Die einzigen nicht-friulanischen Journalisten sind wir. An den großen, edel gedeckten Tischen herrscht von Beginn an gute Laune, nicht nur, weil die Speisekarte jede Menge Köstliches verspricht.

Das Ristorante ‚Da Toni’ ist seit Jahrzehnten ein Fixstern am Gourmethimmel und über Friaul hinaus bekannt. Als Mitglied der ‚Unione Ristoranti del Buon Ricordo’ ist es Teil einer Gruppe von Top-Restaurants, die sich der Pflege der traditionellen, regionalen Küche auf höchstem Niveau verschrieben haben. Gegründet wurde diese italienweit agierende Vereinigung 1964. Die Mitglieder verpflichten sich die typische Küche der Region anzubieten und das ganze Jahr über eine besondere Spezialität mit Tradition auf der Speisekarte zu haben. In Friaul Julisch Venetien sind lediglich 10 Restaurants Mitglieder dieser Union. Das Ristorante Da Toni in Gradiscutta ist eines der traditionsreichsten.

Und schon geht es los mit den Gaumenschmeichlern: Als Vorspeise werden Spargelspitzen mit einer hauchdünnen Scheibe Gänseleber und Wachtelei serviert. Padrone Morasutti weist darauf hin: diese Spargelspitzen sind die ersten der Saison und im Nachbarort Belgrado di Varmo in der Azienda ‚Tenuta Dibelgrado’ gewachsen. Wir wundern uns: Jetzt schon Spargel? Nachdem die Besitzerin des Betriebes Serena Governo und ihr Mann bei uns am Tisch sitzen, ist diese Frage rasch beantwortet. Es sei eine besonders frühe Sorte und da seien wirklich die allerersten Spitzen für diesen Abend gestochen worden. An sich – so erläutert uns Signora Governo – geht die Verkaufssaison erst in zwei, drei Wochen los.

Der nächste Gang ist eine ‚Mignestre misturade’, also eine ‚gemischte Suppe’ mit Gemüse und verschiedenstem Fleisch drinnen – bis hin zu feinen Kuttelstreifen. Solche Suppen, so erläutert uns die Gattin des Bürgermeisters, seien in der Vergangenheit als nahrhafter Eintopf in den Familien auf den Tisch gekommen. Die jetzt servierte Variante ist natürlich eine modernisierte, aber sehr geschmackvolle.

Womit das Menü nun bei jener Hauptspeise angekommen ist, die als neue Spezialität des Hauses ‚Da Toni’ präsentiert wird: Guancia (auch Guanciale) di Vitello, also die Kalbswange, ist butterzart und die Sauce mit Refosco, einem typischen Rotwein des Friaul, zubereitet. Dazu fein gesäuerte weiße Rüben in kleinen Würfeln, eine edle Variante der im Friaul so beliebten ‚Brovada’. Alles zusammen ein Gedicht! Doch Padrone Aldo Morasutti ist es an diesem Abend ein Anliegen, auch noch jene Spezialität zu servieren, für die das ‚Da Toni’ seit vielen Jahren berühmt ist und die seine erste ‚Buon Ricordo’-Spezialität war: Am Spieß gebratene ‚Germano reale’, also Wildente, hier ‚Masurin’ genannt.

Zu all diesen Köstlichkeiten werden feine, friulanische Weine eingeschenkt: Vom Spumante Brut Riserva von Vigneti Pittaro bei Codroipo als Aperitiv über einen Chardonnay 2015 von Benincasa aus Spessa di Cividale, einen Refosco 2013 von Gori aus Nimis, ein Rosso (aus Merlot-, Cabernet Franc- und Cabernet Sauvignon-Trauben) von Picech aus Pradis bei Cormons und als Süßwein zum Dessert ein Verduzzo 2015 vom Weingut Luisa aus Mariano del Friuli.

Apropos Dessert: Das ist ein kleines Kunstwerk für Augen und Gaumen aus zartestem Apfelkuchen und Vanilleeis. Padrone Morasutti bittet seine Küchenmannschaft mit Küchenchef Marco Liani sowie Alex und Alessio vor den Vorhang, ebenso die Service-Crew. Er kann stolz sein auf seine Mannschaft. Alle haben sich den großen Applaus der Gäste mehr als verdient.

Ab nun ist also die Speisekarte des Ristorante ‚Da Toni’ um die Spezialität „Guancia di vitello al Refosco“ reicher. Derlei Neuerung wird traditionellerweise in der ‚Unione Ristoranti del Bel Ricordo’ mit einem bunten Teller dokumentiert. Den bekommen am Schluss noch alle Gäste mit nach Hause.