Herbstfreuden in Varmo

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Garten, Küche

In unserem Garten ist herbstliche Schönheit eingekehrt. Das Laub der Weinreben leuchtet gelb, die Astern blühen, auch noch einige Rosen. Die romantischen Ecken beim Haus sind in den Herbstfarben noch malerischer. Die Wildorangen hängen wie goldene Bälle am Baum. In der Wiese sprießen die Chiodini-Pilze. Im Gemüsegarten gibt es noch Paprika und Pfefferoni und schon wachsen daneben der Radicchio und Rucola für den Winter. Unsere Olivenernte hat ebensolchen Spaß gemacht wie das Abschneiden unserer 27 Kiwis – zum ersten Mal haben heuer unsere Kiwi-Pflanzen getragen.

Und natürlich gibt’s auch im Herbst nette Besucher. Das Ehepaar Karl und Lisa Hintermayer haben ihre Wiener Buchhandlung kurz allein gelassen und einen Friaul-Ausflug gemacht. So ein gemeinsamer Tag bei strahlender Sonne kann unglaublich viel bieten: Spumante und Gartenspaziergang bei uns in Varmo, dann nach Mortegliano ins Ristorante Da Nando, das Gott sei Dank auch Montag mittags offen hat und uns mit Trüffel-Gnocchi, Lammkarree beziehungsweise Branzinofilet verwöhnt.

Ein friulanisches Kultur-Highlight servieren wir am Nachmittag: im Dom von Mortegliano, der einen modernen Campanile hat (angeblich der höchste Italiens), befindet sich ein wunderbarer Schnitzaltar, gefertigt von Giovanni Martini zwischen 1523 und 1526, einer der schönsten Altäre im Friaul. Die künstlerische Qualität der geschnitzten Figuren ist überwältigend, Martini war nicht umsonst ein Schüler des Venezianers Alvise Vivarini.

Anschließend ist es Zeit für den Besuch bei unseren Winzerfreunden Ferrin in Camino al Tagliamento. Schließlich möchten die Hintermayers sich ein bisschen Friaul in Flaschenform auch mit nach Wien nehmen. Die Abendsonne färbt Paolo Ferrins Weingärten rosa, genau passend zu dem herrlichen Herbsttag.

Ein bunter Sonntag
in San Vito al Tagliamento

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Garten, Küche

Unglaublich, was es in San Vito am Tagliamento alles zu entdecken gibt! Selbst für uns, die wir schon oft in diesem Ort waren! Palazzi, Museen, Ausstellungen und dazu waren an diesem ersten September-Sonntag noch Straßentheater und Flohmarkt angesagt. Was für eine bunte Mischung!

Der Flohmarkt immer am ersten Sonntag im Monat hat auf der Piazza del Popolo einen edlen Rahmen. Die Palazzi rundum und die Kirche San Lorenzo spiegeln die jahrhundertealte Geschichte des Ortes. Der Palazzo Altan Rota ist heute das Rathaus, dahinter öffnet sich ein malerischer Park. Oft haben wir hier im Schatten der Bäume die Kühle gesucht. Jetzt bemerken wir entsetzt, dass der Sturm vom 10.August große Schäden angerichtet und einige der riesigen Bäume entwurzeln oder abgebrochen hat. Es ist zum Weinen!

Einen anderen Garten samt Park wollen wir erstmals erforschen, den des Palazzo Tullio Altan in der nahen Via Antonio Altan. Immer nur am ersten Sonntag des Monats ist er geöffnet. Ein klassischer italienischer Garten mit Buchsbaumhecken und Statuen öffnet sich gleich hinter dem Palazzo, eingefasst von einer halbrunden Mauer mit Resten von Fresken aus dem 18.Jahrhundert. Dahinter ein Park im englischen Stil. Den können wir allerdings nur durch das Gittertor hindurch betrachten, denn wegen der auch hier vom Sturm gefällten Bäume ist der Zutritt derzeit nicht möglich.

In einem Nebengebäude dieses Palazzo ist das ‚Museo della Vita Contadina’ (Museum des bäuerlichen Lebens) untergebracht. Wir hatten ja schon in unserem Buch ‚Friaul erleben’ erwähnt, dass man hier auch vieles über die Seidenraupenzucht erfahren kann, die über Jahrhunderte in Friaul eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit für die Bauern war.

In einer Parallelgasse, der Via Marconi, ist diesmal auch das alte Castello mit dem Museo Civico Archeologico geöffnet. Dieses Gebäude ist wie die eben erwähnten Palazzi mit der Geschichte der Adelsfamilie Altan verbunden, war aber zuvor einer der Wohnsitze der Patriarchen von Aquileia. Das Stiegenhaus mit dem riesigen Murano-Luster ist Zeuge einstiger Pracht. Eine Fülle von Freskenresten, von den Wänden abgenommen, restauriert und auf Paneelen wieder aufgezogen, geben Einblicke in das mittelalterliche Leben.