Über uns im Austria-Forum geschrieben

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Über uns geschrieben

Rund um die Wachau

„Genießen und dabei viel lernen, das ist genau das, was wir mögen!“, schreiben Gisela Hopfmüller und Franz Hlavac etwa in der Mitte ihres Wachau-Buches. Es könnte das Motto des sympathischen, mit vielen aussagekräftigen Fotos illustrierten Bandes sein. Wer ihn genießt, wird viel lernen und sich freuen, das prominente Journalistenehepaar auf seinen „Entdeckungen beiderseits der Donau“ zu begleiten. Die Namen der Autoren haben noch Jahre nach ihrem Abschied vom ORF einen guten Klang. Die als Moderatorin des „Report“ bekannte Kunsthistorikerin Gisela Hopfmüller war 26 Jahre in der Rundfunkanstalt tätig und leitete die Hauptabteilung Wissenschaft. Der Historiker Franz Hlavac begann seine 36-jährige Karriere als Reporter der „Zeit im Bild“ und leitete zuletzt die Wirtschaftsredaktion des ORF- Fernsehens.

Bekannt seriöse Recherchen, lebendige Interviews und recht persönliche Anmerkungen verweben die Autoren zu einem überaus gelungenen Buch. Zwischendurch eingestreute Kochrezepte werden auch das weniger kulturaffine Publikum ansprechen. Getreu dem Motto „Genießen und lernen“ profitieren die Leser zunächst mit dem Finger auf der Landkarte und, ist die Reiselust geweckt, real in der Weltkulturerberegion. „Rund um die Wachau“ ist weit gefasst, von Stratzing bei Langenlois, dem Fundort von „Fanny“, mit 36.000 Jahren die „älteste Venus der Welt“, bis Ybbs an der Donau, vom Mohndorf Armschlag im Waldviertel bis zur „doppelten Madonna“ in Kleinhain. Die Reise beginnt mit dem „Zauber der Donau“, denn nie ist die Donau zauberhafter als zur Sommersonnenwende, wenn man vom Schiff aus die Feuerwerke und unzähligen Fackeln in den Weingärten bewundert. Abgesehen von der Kompetenz und dem angenehmen Erzählstil profitiert man als Leser auch von der Bekanntheit der Reiseleiter. So darf man mit ihnen auf die Kommandobrücke der „MS Austria“ und trifft (nicht nur auf dem Ausflugsschiff) interessante und prominente Gesprächspartner.

Der an die Wachau anschließende Flussabschnitt ist „ein Mosaik der Zeiten“. Die 1913 erfolgte Namensgebung „Nibelungengau“ löst nicht nur positive Assoziationen aus. Das dem Nibelungenlied gewidmete Denkmal entstand 1987 als „Beitrag zum europäischen Friedensgedanken“. 16 Wappen symbolisieren die Handlungsorte des Epos aus dem 12. Jahrhundert, von Melk bis Verona. Pöchlarn bewahrt nicht nur das Andenken des legendären Rüdiger von Bechelaren, sondern auch an den „Rebell der Kunst“ Oskar Kokoschka, der hier geboren wurde. Wenige Kilometer weiter dokumentiert das Friedensmuseum in Erlauf das Ende des 2. Weltkriegs. In Säusenstein setzte der Bau der Westbahn der gotischen Zisterzienserabtei samt Umgebung ein trauriges Ende. Zu einem Foto der kläglichen Reste heißt es: „Uns blutet das Herz. Welche Perle wäre das Stift, wäre es in seiner ursprünglichen Form erhalten!“. Weitere – erfreuliche – Stationen dieser Tour sind die Altstadt von Ybbs und Persenbeug mit dem viertgrößten Donaukraftwerk Österreichs. In Marbach steht das Erstlingswerk von Clemens Holzmeister. Der Architekt des Großen Festspielhauses in Salzburg und des Wiener Funkhauses plante 1914, 28-jährig, die Volksschule. Noch mit 92 übernahm er die Aufsicht über deren Renovierung. Oberhalb, auf dem Taferlberg, erhebt sich die berühmte Marienbasilika. Nicht nur ihr gilt die Beschreibung, sondern auch dem überregionalen Käsemarkt, der alljährlich im Oktober stattfindet. Wie bei jedem der 13 Kapitel schließen sich auch an dieses Informationen zu den erwähnten Zielen – vom Stadtmuseum bis zur Käsehütte.