Wachau-Highlights zur Sonnenwende

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Küche, Menschen, Wein

Ein Wachau-Ausflug am Sonnwend-Wochende mit allem was dazu gehört – das haben wir mit unseren friulanischen Freunden Ferrin genossen. Paolo und Fabiola sind durch unser Wachau-Buch auf diese wunderbare Landschaft neugierig geworden, auch weil sie als Winzer der Weinbau der Wachau interessiert. Und so haben wir sie eingeladen, mit uns diese Tage in der herrlichen UNESCO-Welterbe-Gegend zu erleben.

Wenn man von Wien aus in die Wachau fährt, dann drängt sich für einen ersten Blick von oben auf die Donau das prächtige Stift Göttweig auf. So ist schon einmal ein erster Eindruck möglich – für uns, die wir die Gegend ja viel bereist haben, und für die Ferrins, die das erste Mal da sind.

In Mautern gilt es die größte erhaltene Römer-Mauer nördlich der Alpen zu bestaunen, ehe es uns zum Weingut Nikolaihof zieht. Dort ist die Gastfreundschaft von Chefin Christine Saahs wie immer großartig, sie zeigt den herrlichen Weinkeller mit Teilen von Römerbauten. Paolo und Fabiola sind ganz begierig darauf, möglichst viel über den streng nach Demeter-Regeln geführten Bio-Betrieb Nikolaihof zu erfahren. Dass die probierten Weine ausgezeichnet sind, überrascht niemanden.

Am Abend wird’s dann ernst mit der berühmten Sonnenwende in der Wachau. Wir erleben sie auf dem Schiff ‚MS Austria’ der ‚Brandner Schiffahrt’. Fabiola und Gisela haben dem Anlass entsprechend Dirndln angezogen. Barbara Brandner und ihr Mann Wolfram Mosser begrüßen uns beim An-Bord-Gehen in Krems-Stein und verwöhnen uns auch während der ganzen abendlichen Fahrt. Gäste sind auf den Brandner-Schiffen ja bei jeder Gelegenheit hervorragend aufgehoben.

Bei der Fahrt nach Spitz ist sowohl die Landschaft ein Genuss als auch das Abendessen an Bord. Und als es dann dunkel wird, starten die Feuerwerke rund um Spitz. Dieses Jahr können wegen der Trockenheit keine Feuer auf den Hügeln und keine Fackeln in den Weingärten entzündet werden, die Feuer und Feuerwerke finden alle direkt am Fluss statt. Das Erlebnis ist auch so unvergleichlich. Ein einziges Fest an der Donau ist das, die ganze Strecke von Spitz bis Stein! Die ganze Retourfahrt leuchten der Himmel und der Fluss gleichermaßen, warm ist es wie im Hochsommer. Zum Ausklang wird noch einmal mit den Brandners angestoßen. Danke an Barbara und Wolfram Brandner-Mosser, dass sie uns diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis haben werden lassen.

Am nächsten Vormittag hat die Wachau gleich auch ihr weiteres Markenzeichen zu bieten: Die ersten Marillen sind reif! Die frühe Sorte Aurora leuchtet schon aus manchem Marillengarten: Unsere Geschmacksüberprüfung ergibt: Wunderbar!

Dann ist das Stift Melk unser Ziel. Dass Umberto Eco sich für seinen Roman ‚Der Name der Rose’ von diesem Ort inspirieren ließ, ist ein schöner Einstieg in unsere Erläuterungen für Paolo und Fabiola. Der Stiftshof, die Räumlichkeiten mit dem Museum, die einzigartige Bibliothek, die imposante Kirche, der gepflegte Garten mit dem Pavillon samt illusionistischen Fresken bilden ein vielfältiges Ganzes, das die Besucher in den Bann zieht.

Wenn man in der Wachau ist, dann muss man auch einmal mit einer Rollfähre das Ufer wechseln. Wir lassen uns auf diese Weise von Arnsdorf am Südufer nach Spitz am Nordufer transportieren. Der Bootsführer erklärt, wie so eine Fähre funktioniert und Paolo darf für ein Foto sogar kurz Kapitän spielen.

Jetzt ist Zeit für einen Aperitiv, nein, besser für eine kleine Weinkost im Hause Lagler in Spitz. Der Chef Karl Lagler ist überrascht über den Besuch der Winzerkollegen aus dem Friaul, nimmt sich aber sofort die Zeit, über die harte (maschinenlose) Arbeit auf den steilen Weinterrassen zu berichten. Veltliner, Riesling und Sauvignon werden verkostet. Lauter Gaumenfreuden! Paolo übergibt – so wie auch anfangs bei Nikolaihof – Ferrin-Wein zum Probieren, was Karl Lagler sichtlich freut. Weinkultur-Austausch.

Nun beginnen die Mägen zu knurren. Einen Tisch haben wir im Loibnerhof in Unterloiben bestellt. Ein paar Wolken schicken Regentropfen, also können wir nicht im schönen Garten essen. Aber ein Veltliner der Familie Knoll tröstet uns darüber hinweg.

Wieder ein Stückchen stromaufwärts muss natürlich noch Weissenkirchen besichtigt werden. Nicht nur die interessante Wehrkirche, auch die dahinter liegenden Weingärten werden inspiziert: die Reben, die Trockenmauern, die Terrassen – eine ganz andere Weinwelt, als Paolo und Fabiola sie kennen. Spannend, finden beide.

Der Sonntagnachmittag neigt sich dem Ende zu, aber man kann kein Wachau-Wochenende beschließen, ehe man nicht auch noch Dürnstein besucht hat. Die vorgerückte Nachmittagsstunde hat einen großen Vorteil: jetzt drängen sich keine Reisegruppen mehr durch den malerischen Ort, in der Kirche und auf der Aussichtsterrasse unterhalb des blauen Barock-Turms. Kurz vor der ‚Sperrstunde’ der Bäckerei Schmidl ergattern wir noch ein paar Original-Wachauer-Laberln. So können Paolo und Fabiola – abgesehen von etlichen Weinen – noch ein Stückchen Wachau zurück ins Friaul nehmen.

Valentin-Oman-Magnum bei Komjanc

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Wein

Als im Jahr 2015 im Weingut Komjanc eine Valentin-Oman-Ausstellung stattfand, wurde die Idee geboren, gemeinsam mit dem Künstler eine Magnum-Flasche zu gestalten. Jetzt ist dieses Projekt Wirklichkeit geworden: Die Sammler-Magnum ,Ecce Homo’, thematisch dem Frieden gewidmet, mit Oman-Etikett und –Signatur, wurde Samstag in Giasbana / San Floriano del Collio vorgestellt.

Die ganze Familie Komjanc freut sich über diese spezielle Edition von 100 Magnum-Flaschen, die teils mit Friulano, teils mit Merlot gefüllt sind. Für Wein- und Kunstinteressierte gleichermaßen ist so eine Magnum ein Gustostück. Valentin Oman, einer der renommiertesten Künstler Österreichs, hat eine seiner ‚Ecce Homo’-Darstellungen diesem Projekt gewidmet. Über dem Klebe-Etikett mit dieser Darstellung ist noch eine Erläuterung mit Original-Unterschrift von Valentin Oman auf die Flasche gebunden, eine Holzkiste dient als dekorative und zugleich schützende Verpackung. Die grafische Umsetzung hat Roberta Gasparini / Studio ‚Brain bank’ sehr einfühlsam vorgenommen. Roberto Komjanc, seine Frau Raffaella und ihr Sohn Mosè haben die Präsentation sehr professionell und zugleich stimmungsvoll gestaltet. Gisela erläuterte den Gästen, wie sich die Ecce-Homo-Darstellung auf dem Etikett als eines der Kernthemen des Künstlers Valentin Oman präsentiert. In dieser Zeit, die dem Gedenken an den Ersten und den Zweiten Weltkrieg in dieser Grenzregion bei Gorizia gewidmet ist, ist Omans Kunst die passende, ausdrucksstarke Sprache. Oman, der sich stets für Respekt und Gleichberechtigung einsetzt, hasst den Krieg, weil er Ausdruck der Intoleranz, des Rassismus, des Machtstrebens ist. So verbindet sich künstlerischer Ausdruck mit den Wein der Familie Komjanc, die – geprägt von der Grenze – mit diesem Projekt einer künstlerischen Sammler-Magnum ein Zeichen für den Frieden setzen will. Der Önologe des Weinguts, Gianni Menotti, beschreibt die für die Gegend typischen Qualitäten des Friulano und des Merlot als internationaler Sorte, auch als verbindende, friedensstiftende Elemente. Mediale Aufmerksamkeit ist der Familie Komjanc durch dieses Magnum-Projekt sicher. Unter den anwesenden Journalisten widmet sich auch ein Team des Fernsehsenders Rai 3 dem Projekt.