Rund um die Wachau

Entdeckungen beiderseits der Donau

Pfingsten im Mondjahr

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

„Mondjahre sind immer schwierig. Viel Regen, Hagel, extreme Witterung“

Einer unserer österreichischen Winzerfreunde hat unlängst die Misere mit dem Wetter auf den Punkt gebracht. Was, zum Teufel, ist ein Mondjahr ? Astrologieseiten und Interpretationen des 100jährigen Kalenders im Internet helfen uns auf die Sprünge: „Ein Jahr, in dem die Erde speziell unter dem energetischen Einfluss des Mondes steht. In einem Mondjahr geht es launisch zu (Laune kommt vom lateinischen „luna“, der Mond!)“ Und: „Das Mondjahr ist insgesamt mehr feucht als trocken und auch mehr kalt als warm.“ Da haben wir’s!

Als wir am Freitag vor Pfingsten von Wien nach Varmo fahren, wird das Mondjahr seinem Ruf wieder einmal gerecht: Heftiger Regen, sonnige Abschnitte, launisch halt! Am Himmel über Friaul dann eine malerische Abendstimmung aus dunklen Wolken und Sonnenstrahlen. Auf den Feldern steht das Wasser, der Tagliamento ist fast voll. Als wir in Varmo ankommen, berichten unsere Freunde Daniela und Rosano: „Es hat gestern stundenlang geschüttet, und auch heute, bis vor einer Stunde“.

Unsere Gemüsegarten-Kontrolle ergibt: hunderte Schnecken sind unterwegs. Vielen ist unsere Schneckenkorn-Barriere völlig egal, sie sitzen auf Salat-, Bohnen-, Erbsen und Tomatenpflänzchen – eigentlich überall, und lassen es sich schmecken.

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Weil es aber offenbar auch in Mondjahren schöne, warme Tage gibt, zeigt sich der Pfingstsamstag dann von einer wunderbaren Seite: Sonne den ganzen Tag ! Wir mähen das Gras, putzen stundenlang die Weinreben von überflüssigen Trieben aus, setzen und säen Gefressenes nach, putzen Unkraut aus und sind am Abend – wie man so sagt – rechtschaffen müde.

Die abendliche Fernseh-Wetterprognose für Friaul besagt: Pfingstsonntag – Regen ! Na klar, Mondjahr, knirschen wir.

Pfingstsonntag früh ist es aber draußen trocken. Wir sind schnell entschlossen auf einen Sprung zum Flohmarkt nach Gradisca d’Isonzo zu fahren. Und weil ja dieser Pfingstsonntag auch der Tag der „Giardini Aperti“, also der offenen Gärten ist, wird sich dann wohl auch was Schönes zum Anschauen finden. Am halben Weg nach Gradisca brauen sich die Wolken auf eine schwarze Wand zusammen: Ein heftiger Regenguss. Der ist aber nach ein paar Kilometern wieder vorbei. In Gradisca d’Isonzo ist angesichts des launischen Wetters wenig Flohmarktbetrieb. Nach einer Stunde ist alles inspiziert, sind ein paar Euro in hübsches, aber unnötiges Zeug investiert – und es beginnt zu regnen.

Wir retten uns ins Auto. Und jetzt ? Ein Blick in den Prospekt mit den Adressen von „Giardini Aperti“. Da ! Die Villa di Tissano in Santa Maria La Longa, 10 km südlich von Udine, in der der aus Deutschland stammende Kunsthistoriker Christoph Ulmer ein kleines Hotel betreibt! Diese Villa und ihren Garten wollten wir schon lang einmal ansehen. Ulmer hat sie und viele weitere prächtige Bauten in seinem Buch „Die Villa im Friaul“ beschrieben. Es regnet nur noch leicht, als wir anläuten. Hausherr und Sohn sind mit Hausgästen, Hunden und jetzt uns beschäftigt. Wir spazieren durch den Garten, der im Grunde ein Park ist, und zwar ein sehr malerischer, in dem Lilien und Rosen blühen, viele Bäume und Büsche, von Zedern bis Buchsbaum wachsen. Aber auch das Haus mit seinem saalartigen Salon im ersten Stock strahlt die jahrhundertelange Geschichte und die typische Stimmung vieler friulanischen Villen aus – edel und doch ländlich, karg und doch verspielt, quasi Schloss und landwirtschaftlicher Betrieb in einem.


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Ehe wir uns überlegen, welchen Garten wir als nächstes anpeilen, beginnt es wieder zu schütten. Und wie! Wir entschließen uns zur Heimfahrt. Aber ein Mittagessen bei Elda im Ristorante „Al Mulino“ in Glaunicco muß noch drin sein. Elda hat tatsächlich noch einen Tisch für uns – trotz des mittäglichen Ansturms. Natürlich: Pfingstsonntag ist ein Tag der Erstkommunion in vielen Kirchen. Danach ist stets ein festliches Essen der Großfamilien angesagt. Und so haben Elda und ihre Familie und Mitarbeiter heute alle Hände voll zu tun. „Habt Ihr hinausgeschaut ? Die Wiese steht unter Wasser. Gestern Abend haben wir schon die Protezione Civile geholt“, berichtet Elda. Wir treten auf die kleine Brücke, die vom Gastraum über das Wasser neben den Mühlrädern hinüber in Richtung des großen Pavillions führt, wo Hochzeits- und andere Großgesellschaften feiern können. Das im Normalfall unscheinbare Flüsschen Varmo ist über die Ufer getreten und hat einen guten Teil der Wiesen in Teiche verwandelt. Zur Freude von ein paar Wildenten, die so ein neues Schwimmareal bekommen haben. Aber insgesamt sieht die Lage bedrohlich aus. Noch vielleicht 30 Zentimeter mehr und dann stehen Fahrweg und Parkplatz auch unter Wasser. Und es schüttet nach wie vor wie aus Kannen.


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Aber kaum widmen wir uns der Hauptspeise in Form eines zarten Filets mit Gemüse, blinzelt plötzlich die Sonne zwischen den Wolken heraus. Kaum zu glauben, wie rasch sich der Nachmittag nun in einen sonnigen verwandelt.


Wir fahren hinüber ins nahe Santa Marizza. Die Gärtnerei „Botanica Santa Marizza“, die Ruggero Bosco mit seiner Frau Yoshico betreibt, hat offen. Auch den Rosen hier ist anzusehen, dass ihnen die Sturzbäche vom Himmel nicht sehr gut tun. Aber wir finden trotzdem eine duftende Schönheit, die in unserem Garten Platz haben wird.

Ein paar Schritte weiter läuten wir bei Franca Maldini. Sie hat uns wieder zum Salami-Fest eingeladen, ein Sommerfest, das sie alljährlich zum Gedenken an ihren verstorbenen Mann, den Schriftsteller Sergio Maldini, veranstaltet. Leider können wir heuer nicht dabei sein, aber wir fragen Franca, ob wir Ende Juni mit einer Gruppe von Kärntnern vorbeikommen können. Der Roman Sergio Maldinis „La Casa a Nord-Est“ (Das Haus im Nordosten) hat ja Haus und Garten bekannt gemacht. „Natürlich könnt Ihr kommen“, meint Franca. „Tutto è indietro“, sagt sie dann und deutet auf die Hortensien. Alles ist heuer hinten in der Entwicklung, die Knospen der Hortensien sind noch klein. Franca lädt uns auf eine Tasse Tee ein und trägt sich das Datum für den Besuch der Gruppe aus Kärnten in ihren Kalender ein. Wir verabschieden uns: Grazie, a fra poco ! Danke, auf bald!


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Auch in „unserem“ Varmo sind heute einige „Gardini aperti“, einige Gärten zur Besichtigung geöffnet. Und – man glaubt es kaum – die Sonne scheint noch immer. So machen wir noch einen Spaziergang durch den Ort, schauen diese Gärten an und treffen ein paar Bekannte. Vor der Kirche steht Franco Gover, der Ortshistoriker, und beginnt eben mit einer Führung für eine Gruppe Interessierter.

Im Borgo vecchio, dem ältesten Teil des Ortes, hat sich ein kleines Fest formiert. Doch ein paar Häuser weiter begeistert uns dann noch ein Garten. Mit Holzbrettern eingefaßte Gemüsebeete, gepflegter Rasen dazwischen, viele duftende, zum Teil selbst gezüchteter Rosen – der Besitzer hat allen Grund stolz zu sein. Complimenti ! Unsere Anerkennung freut ihn und er schenkt uns eine der Rosen, die er in Töpfen gezogen hat, weil im Garten kein Platz mehr ist. Wir laden ihn und seine Frau zum Gegenbesuch in unserem Garten ein. „Gerne, aber kommt auch Ihr wieder, unsere Tür ist immer offen“, sagt die Signora.


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Behutsam tragen wir den Topf mit der Rose in Richtung nach Hause. Aber in der Locanda Vil di Var muß auf den abwechslungsreichen Tag noch ein Sprizz Aperol getrunken werden. Wirtin Andreina serviert ihn uns in den Gastgarten, wo wir mit einigen der Ortsbewohner herumalbern. Einer kommt mit seinem großen schwarzen Hund. Kit heißt der und bekommt von Andreina ein Stück altbackenes Brot. Wir wundern uns. Trockenes Brot für einen Hund ? „Er liebt das“, klärt uns sein Besitzer auf. „Drüben im Käsegeschäft kriegt er dann oft noch ein Stück Käse, und dann gehen wir wieder nach Hause“. Jetzt will Kit aber jedenfalls noch nicht gehen. Wahrscheinlich weiß er, dass heute Pfingstsonntag und das Käsegeschäft geschlossen ist.

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Aber wir gehen nach Hause und suchen noch bei einem Rundgang im eigenen Garten schöne Plätze für die beiden Rosen aus, die wir heimgebracht haben. Die Abendsonne malt helle Flecken auf die Weinstöcke. Aber für morgen ist wieder Regen angesagt. Na klar, ein launisches Mondjahr.

Tarviser Genüsse

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Lokal-Empfehlungen in Friaul

„Es ist zwar schon 16 Uhr, aber wir haben noch nichts gegessen“. Diagnosen wie diese veranlassen uns bei unseren Fahrten zwischen Österreich und Friaul oft zu einem Zwischenstopp in Tarvisio beim Tschurwald. Im Ristorante von Gianni Stefani gibt es auch außerhalb der klassischen Essenszeiten vielerlei Gaumenfreuden. Gianni hat das „Tschurwald“ im vergangenen Herbst wiederbelebt, nachdem er vorher jahrelang mit seinem Vater Renzo im gleichnamigen Ristorante in Valbruna aufgekocht hat. Jetzt stimmen uns im „Tschurwald“ zum Beispiel Giannis Rindsfilet mit Sclopit-Sauce oder auch einfach die Calamari fritti fröhlich. Aber die Karte hat immer wieder Neues entsprechend den Jahreszeiten zu bieten. Dazu ein Glas vom Hauswein, einem schlichten und doch feinen Friulano, und die Welt ist in Ordnung, auch wenn noch eine längere Fahrt vor uns liegt.

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Tschurwald

Stuzzicheria. Bar. Ristorante

Via Roma 8

Tarvisio (Ud)

Tel.: 0039 0428 40534

E-Mail: info@tschurwald.191.it

Adresse

  • ARGE Hopfmüller-Hlavac
    Deublergasse 37
    A-1210 Wien

Kontakt

Gisela Hopfmüller

Franz Hlavac

  • +43 664 281 80 18

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