111 Orte

in Friaul und Julisch Venetien, die man gesehen haben muss

Mit der KulTour Villach unterwegs: Versteckte Perlen Friauls

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Ein Ausflugstag, wie man ihn sich nur wünschen kann: Die Sonne strahlt vom Himmel, wenn 60 Friaul-Freunde unterwegs sind. Die KulTour der Kulturabteilung der Stadt Villach mit Leiter Christian Sturm und Nicole Heuberger hat sich aufgemacht ins Friaul. Wir durften ihnen einige ganz besondere Plätze zeigen, die wir beschrieben haben in unserem Buch „111 Orte in Friaul und Julisch Venetien, die man gesehen haben muss“. Ein Bilderbuch-Samstag ist es geworden!

Nicht weit von San Daniele, in San Tomaso di Majano gilt es eine kulturelle Perle der Region zu entdecken: das einstige Pilger-Hospital San Giovanni di Gerusalemme. Auf der Via d‘Alemagna zogen im Mittelalter Kreuzritter und Pilger vom nördlichen Europa nach Süden. Im Abstand einer Tagesreise gab es Hospitale, die meist vom Johanniterorden betrieben wurden und Schutz, Labung, gesundheitliche Versorgung und Nächtigungsmöglichkeiten boten. Das einzige solche in Friaul, Veneto und Trentino erhaltene Hospital ist jenes in San Tomaso. Seit 2004 wird es restauriert und ist mit seiner Kirche San Giovanni nicht nur ein Baujuwel, sondern es nimmt dank der Vereinigung „Amici dell’Hospitale“ nach und nach seine Funktion wieder auf, indem es wandernden Reisenden einen Ruhepunkt bietet. Maria Teresa Garzitto, die Präsidentin der Vereinigung, hat die Villacher Gruppe kundig durch den Gebäudekomplex geführt, besonders auch auf die erhaltenen Dachkonstruktionen aus jahrhundertealten, handbehauenen Kastanienholzbalken aufmerksam gemacht und eine Menge Staunen über die spannende Historie dieses Ortes ausgelöst. Gastfreundlich gab es auch Kaffee und Kekse zur Stärkung. 

Eine gute halbe Stunde Busfahrt entfernt das nächste Ziel: der Parco Turoldo in Coderno bei Sedegliano. Dieser nach dem berühmten friulanischen Dichterpriester Padre David Maria Turoldo benannte Park ist geprägt von Mosaiken, die der Künstler Luciano Petris geschaffen hat, zum Teil nach eigenem Entwurf, zum Teil nach Entwürfen des slowenischen Künstlers Joze Ciuha (+2015). Nicht nur Petris begrüßt uns hier, sondern auch der Pfarrer des Ortes Don Nicola Borgo, auf dessen Initiative hin der Park 2013 geschaffen wurde. Don Borgo bringt den Gästen nicht nur das geistige und literarische Schaffen von Turoldo (der in Coderno geboren wurde, +1992) nahe, sondern auch die Bedeutung der Mosaikarbeiten von Luciano Petris. Der zeigt dann auch Fotos der Mosaike, die er in Österreich in Kooperationen mit und nach Entwürfen von Anton Lehmden (z.B. Mosaik in der Wiener U-Bahnstation Volkstheater) und Christian Ludwig Attersee (z.B. Mosaik am Haus Mariahilferstraße 78 in Wien oder zwei Mosaike am Bahnwanderweg am Semmering) geschaffen hat. Und Petris zeigt, wie er Stück für Stück aus Glasplatten die bunten Mosaiksteinchen per Hand mit dem Hammer passend entstehen lässt. Inzwischen haben seine Frau Ornella, sein Sohn Fabrizio (der auch als Mosaikkünstler arbeitet) sowie einige Helfer und Helferinnen der Pfarre einen Umtrunk mit Spumante des Weingutes Vendrame und Salami-Käse-Häppchen vorbereitet. Die Gastfreundschaft ist auch hier wirklich großartig!

Weiter geht es zum Mittagessen ins Ristorante Da Toni in Gradiscutta di Varmo. Der ‚Padrone‘ Aldo Morassutti, seine Frau Lidia, seine Tochter Elisabetta und das Servier- und Küchenteam haben sowohl einen Umtrunk mit Spumante des Weingutes Forchir vorbereitet als auch ein phantastisches Mittagsmenü: Ricotta mit Feigenkonfitüre, geräucherte Entenbrust, Rigatoni mit Steinpilzen, Schweinswangerln mit Kartoffelpüree und ein Apfeltörtchen. Dazu gibt es Friulano von Forchir und Cabernet von Alturi, danach natürlich einen nicht minder köstlichen Espresso. ‚Da Toni‘ ist einfach immer ein Genuss-Erlebnis!

Aber dieser prächtige Samstag hat für den Nachmittag noch ein Highlight zu bieten: Das Weingut Pittaro, wo das eindrucksvolle Weinmuseum zu bestaunen ist. Piero Pittaro, eine der seit vielen Jahren die Weinkultur in Friaul prägenden Persönlichkeiten, hat seit den 1970er Jahren eine wunderbare Sammlung von historischen Flaschen und Gläsern sowie allem, was mit der Weinerzeugung verbunden ist, zusammengetragen. Mittendrin steht eine Gondel, um die wertvollen Gläser aus Murano in entsprechendem Rahmen präsentieren zu können. Eine kleine Weinprobe gibt dann noch Geschmackseindrücke der Pittaro-Weine, die die Gäste überzeugen, denn es wird noch eine Menge eingekauft, ehe der Bus sich auf die Heimreise nach Villach begibt. Danke an Christian Sturm und Nicole Heuberger von der Villacher Kulturabteilung, dass dieser erlebnisreiche Friaul-Tag auf den Spuren unserer „111 Orte….“ möglich wurde!

Auf Friaul-Ausflug mit Gästen aus Reichenau/NÖ

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Städtepartnerschaften bringen Menschen und Gegenden zusammen – so auch die Partnerschaft zwischen Reichenau an der Rax in Niederösterreich und der friulanischen Stadt Latisana. Ein Autobus mit Reichenauern reiste vergangenes Wochenende zum Stadtfest ‚Latisana-Settembre.doc‘ an. Organisiert hat die Reise Vizebürgermeister Michael Sillar, assistiert von Renate Buchner. Mit dabei auch Bürgermeister Johann Döller sowie der ehemalige Bürgermeister Johann Ledolter, in dessen Amtszeit die Partnerschaft mit Latisana ins Leben gerufen wurde. Und wir durften diesen Gästen bei einem Ausflug am Samstag zusätzlich Duino, Triest und Cormons näherbringen.

Duino, das Schloss auf einem Felsen an der Karstküste nahe Triest, fasziniert jeden: der fantastische Blick aufs Meer, der Garten, die Geschichte, die im 11.Jahrhundert mit dem alten Castello beginnt und bis zur Eigentümerfamilie Torre e Tasso (Thurn und Taxis) reicht, die seit dem 19.Jahrhundert das Schloss zu einem Kulturzentrum gemacht hat. Dass hier der Dichter Rainer Maria Rilke auf Einladung von Maria von Thurn und Taxis weilte und 1910 hier seine Duineser Elegien zu schreiben begann, ist nur ein Teil dieser spannenden Geschichte des an prominenten Gästen so reichen Schlosses: z.B. die Musiker Franz Liszt und Johann Strauss, die Literaten Gabriele d’Annunzio, Mark Twain, Victor Hugo und Hugo von Hoffmannsthal, die Schauspielerin Eleonora Duse, aber auch Kaiserin Elisabeth, Erzherzog Franz Ferdinand, der spätere Kaiser von Mexiko Maximilian – die Liste der hochrangigen Besucher ist lang. Kompetent wurden die Reichenauer durch eine Vorarlbergerin, die in Triest verheiratet ist, durch die Räume geführt, wo derzeit auch noch eine Sammlung barocker Musikinstrumente aus der Sammlung José Vázquez zu bestaunen ist.

Wer auf Pfaden wandelt, die Historie und Traditionen der Gegend darlegen, der nimmt so wie die Reichenauer Gruppe das Mittagessen in Triest in der Antica Trattoria Suban ein. Seit 1865 existiert diese Trattoria, auch als Ergebnis der Tatsache, dass der Gründer Giovanni Suban bei einer Lotterie in Wien fünf Richtige und deshalb eine Menge Geld gewonnen hatte. Heute ist sein Urenkel Mario Suban der Chef, unterstützt von Gattin Claudia und seinen Töchtern Federica und Giovanna. Die Gruppe aus Reichenau wurde mit Spinatpalatschinke (die schon Papst Johannes Paul II. mundete), Nudeln und Fleischstrudel sowie Kalbsbraten und in Brotteig gegarten Schinken erfreut.

Grado: Köstliches ‚Fish-Nic‘ auf Laguneninsel Valle del Moro

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Dichter wie Pier Paolo Pasolini und Biagio Marin wurden nicht müde, ihre Liebe zu der Lagune von Grado in Worte zu fassen. Das Spiel von Licht und Wasser, die Inseln mit dem Grün der Bäume dazwischen – all das strahlt bis heute Faszination aus. Wer wie wir Gelegenheit hat diese optischen Genüsse verbunden mit jenen der Gradeser Enogastronomie zu erleben, verbringt einen ganz besonderen Tag. Bei einem „Fish-Nic“ genannten Ausflug auf die Laguneninsel Valle del Moro samt einem von Küchenchefs und zwei Winzern zusammengestellten Picknick ist Gelegenheit dazu.

Das Consorzio Grado Turismo mit Präsident Thomas Soyer, das Hotel Restaurant Marea von Luisa Tomasini, die Associazione Graisani de Palu haben sich zusammengefunden, um solche Ausflüge zu ermöglichen. Um 10.30 h geht es per Boot auf die private Insel Valle del Moro, eine jener Inseln, wo einst Fischzucht betrieben wurde. Signora Daniela weiß viel darüber zu berichten bei einer kleinen Führung auf der Insel. 

Dann wird es kulinarisch: Der Spumante und der Malvasia kommen vom istrischen Weingut Cattunar, Friulano und Ribolla gialla vom Weingut Muzic in San Floriano del Collio. Zwei Küchenchefs zeigen ihre Kunst: Mauro Verginella vom Ristorante Marea und Andrea Spina vom Ristorante Al Gallo in Pordenone. Für die Gäste stehen Decken, Polster und Sessel bereit und so bilden sich auf der Wiese im Schatten der Bäume sehr rasch Picknick-Inseln, wo die Weine probiert und Picknick-Körbe herumgereicht werden, wo geplaudert und geschmaust wird:  Gegrillter Oktopus, marinierte Sardellen, Paccheri-Pasta mit Ricotta und Fisch gefüllt, Thunfisch mit Sesamkruste, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dann wird auch Siesta gehalten. Wie schön ist es, sich da auszustrecken und den Blick hinauf in das Geäst der Pinien und Zedern zu richten. Der Sommer, wie ihn nur die Meeresluft duften lassen kann, zeigt sich von seiner angenehmsten Seite. 

Unter viel Lachen und Scherzen – auch mit Luisa, ihrem Mann Alfredo und dessen Schwester Leonora – vergehen die Nachmittagsstunden wie im Flug. Ein Redakteur des Regional-Senders Rai3 fängt die Atmosphäre in Bild und Ton ein, auch ein paar Sätze von Gisela (gesendet abends um 19.45 h). Vor allem aber erzählt der Fischer Dino Colussi, wie wichtig Inseln wie Valle del Moro einst für die Fischerei waren. Grados Geschichte ist ja zu wesentlichen Teilen auch eine der Fischer. Auch darüber lässt sich bei so einem „Fish-Nic“ viel Spannendes erfahren, ehe es wieder zurück nach Grado geht. Am 8.September haben Grado-Besucher noch einmal Gelegenheit für solch einen ganz besonderen Ausflug in die Lagune.

‚Calici di Stelle‘ in Prepotto: Ponte dello Schioppettino

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Weil dieses Fest im Vorjahr ein so großer Erfolg war, gab’s heuer eine Neuauflage:Die Brücke über den Fluss Judrio zwischen Prepotto und Dolegna del Collio wurde zum Treffpunkt für Liebhaber der Weine Schioppettino und Ribolla gialla. 25 Winzer baten zur Degustation, kulinarische Schmankerln kamen von Gastronomie-Betrieben der beiden Orte.Da durften wir natürlich nicht fehlen und brachten auch Bekannte aus Salzburg auf den Geschmack.

Dass so ein Schioppettino-Abend in der Trattoria Da Mario beginnen muss, ist logisch. Also treffen wir uns hier mit den Salzburgern, einer davon der Präsident der Salzburg-Friulanischen Gesellschaft Honorarkonsul Eduard Mainoni. Dann geht’s auf zum Ponte dello Schioppettino. Bürgermeisterin Mariaclara Forti begrüßen wir dort ebenso wie etliche Winzerfreunde aus Prepotto: Hilde Petrussa / Vigna Petrussa, Anna Muzzolini / Grillo, Daniele Lenuzza und seine bezaubernde Frau Tanika / Vigna Lenuzza. Wir lernen aber auch Daniela Fruscalzo und die Weine der Azienda Fruscalzo  in Ruttars kennen und probieren auch bei Michelangelo Tombacco / Ca’Ronesca. 

Marco Grassis Söhne Giacomo und Davide erfreuen uns und viele andere Besucher mit der berühmten Maialata der Trattoria Da Mario, die Cjalsons der Azienda agricola Midun erfreuen den Gaumen ebenso wie die Käsevarianten des Agriturismo Scribano. 

Zur rundum positiven Stimmung tragen die Musiker aus Cividale einen Gutteil bei, und als ob es extra für die Salzburger Besucher wäre, erklingt plötzlich auch Mozart mitten auf der Brücke über den Judrio! 

Von Friaul in die ganze Welt: Der Fotokünstler Elio Ciol aus Casarsa

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Seine Fotografien  sind im Metropolitan Museum of Art New York zu sehen, genauso im Victoria und Albert Museum in London, sie werden im Art Museum in Moskau gezeigt, überall in Italien sowieso. Elio Ciol ist einer der ganz großen der Fotokunst. 1929 in Casarsa in Friaul geboren hat er sein Leben der künstlerischen Fotografie gewidmet und feiert nach wie vor Erfolge rund um die Welt. Wir durften ihn dieser Tage persönlich kennenlernen! 

Ein freundlicher, alter Herr öffnet uns die Tür seines Hauses in Casarsa. Es ist Elio Ciol. Er wohnt nun mit 90 Jahren wieder in seinem Geburtsort. Unsere Winzerfreundin Fabiola Ferrin hat uns zu ihm begleitet. Sie bringt ihm die Fotografien zurück, die sie in der Azienda Ferrin ausstellen durfte. Denn Elio Ciol, dessen Arbeiten rund um die Welt in Museen und Galerien gezeigt werden, ist trotz seines internationalen Ruhms  auch offen für kleine Ausstellungen in seiner Heimat Friaul. Sein Fotoarchiv im Haus in Casarsa ist penibel sortiert, nach Jahren, Orten, Themen. Mit jeder Mappe, die er öffnet, um sie uns zu zeigen, tut sich Geschichte auf. 

Die meisten seiner Aufnahmen sind schwarz-weiß. Landschaften seiner Heimat Friaul Julisch Venetien, aber auch anderer Regionen Italiens leben von klaren Kontrasten, so wird der Fluss Tagliamento zum vielschichtigen Ornament, die Kirchen und Felder zu neorealistischen Kompositionen. Die Ruinen von Aquileia oder die Kirchen von Assisi, alle verbinden Realismus mit magischem Charakter. Das ist bei den Aufnahmen von historischen Bauten und Landschaften in exotischen Regionen, die Ciol bereiste, wie etwa Usbekistan oder Kenia, nicht anders.

Menschen sind bei ihm faszinierende, ausdrucksstarke Protagonisten des Lebens von einst. Ciol zeigt ihre Gesichter, Falten, die Mühsal ihrer Arbeit, viele Archetypen der 1950er und 60er Jahre, egal ob einfache Bauern oder Berühmtheiten wie Pier Paolo Pasolini oder der Dichter-Priester Padre Maria  Turoldo.  Die Geschichte lebt allerdings auch in Farbaufnahmen, zum Beispiel jenen, die Ciol 1985 in Leningrad von Proben für eine Militärparade gemacht hat. Oder in den Bildern von den Engeln der Fresken des Rokoko-Malers Gianbattista Tiepolo in Udine.

Adresse

  • ARGE Hopfmüller-Hlavac
    Deublergasse 37
    A-1210 Wien

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Franz Hlavac

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