111 Orte

in Friaul und Julisch Venetien, die man gesehen haben muss

Kärnten – Friaul: Der Sommer 2020 – eine außergewöhnliche Zeit

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Seit dem 16.Juni ist das Reisen nach Friaul wieder möglich. Danach hat sich unser Sommer auf ganz besondere Weise entwickelt: Im Garten und im Weingarten in Friaul, den unsere Freunde Rosano, Daniela, Paolo und Adriano in der Zeit unserer Abwesenheit bestens gepflegt haben. Und in Kärnten bei Recherchen für ein neues Buchprojekt! Und doch schwebt Corona beziehungsweise Covid 19 nach wie vor über allem. Es gilt: Immer vorsichtig und wachsam sein, aber viel Schönes trotzdem genießen. 

Beginnen wir mit einer Premiere: Erstmals erscheint am 20.August eines unserer Bücher in italienischer Sprache: Der Emons-Verlag hat das über seinen italienischen Tochter-Verlag Emons Libri e Audiolibri in die Wege geleitet. Und so wird aus den „111 Orten in Friaul und Julisch Venetien, die man gesehen haben muss“ nun auch „111 Luoghi del Friuli Venezia Giulia che devi proprio scoprire“. Nicht nur wir freuen uns sehr darauf, auch unsere vielen Freunde in Italien!!!! Bald ist es soweit !!! Beim jeweiligen Lieblingsbuchhändler ist die italienische Ausgabe bereits zu bestellen.

Mit derlei Reise-Ratgeber können dann auch alle unsere italienischsprachigen Leser zu Entdeckungen aufbrechen, so wie es bisher unsere deutschsprachigen Leser konnten.In Hitzezeiten zum Beispiel in die karnischen Berge, zu einem Besuch in Paularo und dem Musikmuseum Mozartina, nach Zuglio zum höchstgelegenen botanischen Garten Friauls oder nach Sauris, nicht nur des Schinkens wegen, sondern auch, um den Lumiei-Stausee und die herrliche Landschaft rundum zu entdecken.  

Wer gerne lange wandert, kann vom Ort Sappada aus auf einem der uralten Pilgerwege nach Kärnten zur Wallfahrtskirche Maria Luggau im Lesachtal aufbrechen. Sappada, auch Plodn genannt, auf 1300 Meter Seehöhe ist ja eine deutsche Sprachinsel ganz im Norden Karniens und gehört seit 2017 nicht mehr zur Region Venetien, sondern zur Region Friaul. Immer schon ein El Dorado für Wanderer.  

. Im Zentrum des Ortsteils Cima Sappada kann die Wanderung Richtung Norden bei der Kirche St.Oswald oder bei der alten Säge „Veccia segheria Cottrer“ starten. Durch das Valle di Sesis führt der Weg über die Sorgenti del Piave (die Quellen des Flusses Piave) am Fuß des Monte Peralba zum Refugio Calvi auf 2164 Meter Höhe. Dafür sind schon einmal drei Stunden Wegzeit zu veranschlagen. Am Passo di Sesis (2.312 Meter) ist der höchste Punkt der Wanderung erreicht, bergab geht es über das Pladener Joch und über die österreichische Grenze. Nach etwa eineinhalb Stunden ist das Hochweißsteinhaus erreicht. Über das Frontal geht es nun bis zur Wallfahrtskirche Maria Schnee in Maria Luggau. Der Legende nach wurde sie gegründet, als eine arme Bäuerin eine Vision der Gottesmutter hatte, die ihr den Bau einer Kirche auftrug. Sie soll das Gnadenbild erworben haben, das noch heute das Herz der Basilika ist. 

Immer am dritten Wochenende im September gehen Pilger aus Sappada diese Wallfahrt nach Maria Luggau. Es sind nicht wenige, oft etwa 500, die an dieser bedeutendsten Luggau-Wallfahrt des Jahres teilnehmen. Sie geht auf ein Gelöbnis im Jahr 1804 zurück, das von der Madonna Schutz vor der Rinderpest erbat. Jedenfalls müssen die Pilger gut zu Fuß sein, denn sie sind von Sappada nach Maria Luggau insgesamt etwa acht Stunden unterwegs. Und dann müssen sie ja auch wieder zurück.

Auch auf weniger schweißtreibende Weise ist Maria Luggau und insgesamt das Kärntner Lesachtal eine Reise wert. Wir waren vor kurzem mit unseren Freunden Daniela und Rosano dort und haben dieses wohl naturbelassenste Tal Kärntens, übrigens die erste Slow-Food-Travel-Region Österreichs, sehr genossen.

Geschlossene Grenze zu Italien – Österreichs Regierung am Holzweg

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Italien bezüglich Regelungen zur Grenze anders zu behandeln als Deutschland oder Tschechien und Ungarn ist eine sehr diskussionswürdige Sache. Die Corona-Zahlen sind seit Wochen in den für die Österreicher bezüglich Urlaub relevanten Adria-Regionen nicht anders als in den anderen Ländern (Ausnahme Lombardei, Piemont). Also haben wir versucht, in verschiedenen Medien die Unlogik der Argumentation der österreichischen Regierung deutlich zu machen. 

Hoffentlich hilft es ein wenig mit, die Dinge zurecht zu rücken!

Corona: Unerreichbares Friaul !!!

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Seit neun Wochen waren wir nicht mehr in Varmo! Kein Wunder, dass wir unter schweren Friaul-Entzugserscheinungen leiden! Das Corona-Virus hat auch unser Leben heftig verändert. Keine netten Treffen mit friulanischen Freunden, kein blühender Frühling in unserem Garten dort, kein Anlegen der Gemüsebeete, kein Rasenmähen, kein gemütliches Sitzen auf den Bänken im Garten, keine Besuche in den umliegenden Trattorie – niente!!  Dabei ist Friaul Julisch Venetien im Vergleich zu anderen Regionen viel weniger von Infektionen betroffen, Gott sei Dank! Trotzdem sind die Beschränkungen noch viel härter, als sie bei uns in Österreich waren. Langsam gibt es aber nun auch in Friaul Lockerungen. Aber wir werden noch länger nicht hindürfen! 

Wir haben recherchiert, wann Österreicher wieder in ihre Zweitwohnsitze in Friaul Julisch Venetien fahren können. Folgende Antwort von kompetenter politischer Stelle in Friaul hat uns erreicht:„Al momento non è consentito il rientro nelle seconde case, e pertanto anche voi non potete tornare in Friuli. Temo che questo divieto sarà confermato anche nel prossimo Decreto legge del governo italiano che è in uscita a breve. Ci vorrà ancora del tempo purtroppo.” 

Also: „Im Moment ist die Rückkehr in die Zweitwohnsitze nicht erlaubt, also könnt auch ihr nicht nach Friaul zurückkehren. Ich fürchte, dass dieses Verbot im nächsten Dekret der italienischen Regierung bestätigt wird, das in Kürze verlautbart wird. Leider wird es noch Zeit brauchen!“

Geduld ist also noch immer angesagt bei uns allen, die schon ganz dringend wieder zu unseren südlichen Nachbarn wollen!

Zeit für einen Rückblick: Von 8. bis 15.Februar haben wir in Varmo unseren Weingarten geschnitten und die Triebe angebunden. Dem Himmel sei Dank haben wir das noch rechtzeitig erledigt. Etliches an Baumschnitt fand auch noch statt. Mit Daniela und Rosano Asquini sowie mit Fabiola und Paolo Ferrin waren wir noch nett beisammen – Gisela alkoholfrei, wie jedes Jahr um diese Zeit. Am 16.Februar sind wir nach Wien gefahren, dann war in Klagenfurt einiges zu erledigen. 

Und am 10.März wollten wir wieder in unsere südliche zweite Heimat aufbrechen. Doch am Abend davor der Schock: da verkündete der italienische Premierminister Conte im TV: Ganz Italien ist ab sofort eine Sperrzone! Ab da war‘s nix mehr für uns mit Friaul, die Grenzen wurden für Reisende wie uns gesperrt. Den Rest kennen wir alle: Ausgangs- und sonstige Beschränkungen, „Wir bleiben zu Hause“ etc.

In Italien inklusive Friaul waren die Regeln, die per Regierungsdekreten fixiert wurden noch viel strenger: Blocco totale und geschlossene Schulen bereits ab 9.März (in Österreich ab 16.März). 

Die tragischen Geschehnisse in der Lombardei, dem Piemont und der Emilia Romagna müssen hier nicht wiederholt werden. Die Ausgangsbeschränkungen sind viel strenger: Aufenthalt nur im eigenen Haus und Garten bzw. der eigenen Wohnung erlaubt. Spazierengehen verboten!!!! Einmal pro Woche durfte eine Person pro Familie einkaufen gehen, doch nur in der eigenen Gemeinde, nur mit Maske und Handschuhen. Was – wie unsere Freunde aus Varmo berichteten – in einem kleinen Ort mit nur einem Lebensmittelgeschäft zu langen Warteschlangen geführt hat. Ein Ausweichen in den großen Supermarkt im Nachbarort: Verboten!!!

Doch die Infektionszahlen in Friaul Julisch Venetien (1,2 Millionen Einwohner) war stets deutlich niedriger als in den anderen norditalienischen Regionen. Das gilt bis heute. Stand 22.April gab‘s 1308 aktuell positiv Getestete (insgesamt sei Beginn 2817), 134 Kranke im Spital, davon 20 auf der Intensivstation, 1263 Genesene und seit Beginn, also Anfang März, 246 Verstorbene. Ab Anfang Mai sind erste Lockerungen der Regeln angekündigt, z.B. dass die Friulaner innerhalb ihrer Region/Bundesland wieder unterwegs sein dürfen, mit allen üblichen Auflagen wie Abstand, Maske, Handschuhe etc.

Übrigens: Das angrenzende Kärnten (560.000 Einwohner) hat noch viel bessere Zahlen: 44 Kranke (inkl.Spital), 402 positiv Getestete, 346 Genesene, 12 Verstorbene.

Zurück nach Varmo: Die Gemeindeverwaltung rund um den beliebten Bürgermeister Sergio Michelin informiert gemeinsam mit der ortseigenen Protezione Civile die Bürger vorbildlich über den Stand der Dinge, erklärt Regeln, organisiert Einkaufsgutscheine für die, die nun ohne Job und Einkommen sind, bietet Einkaufshilfe für betagte Mitbürger etc., etc. Der Zusammenhalt ist auch hier sehr groß. Einige wenige Corona- und Corona-Verdachtsfälle gab es auch in Varmo. Jüngster Stand: 5 Personen sind in Quarantäne, 24 sind geheilt. In den vergangenen Tagen hat die Gemeinde an die Bürger Schutzmasken verteilt.

Aus den Telefonaten mit unseren Freunden ist unschwer zu entnehmen, dass die wochenlangen Einschränkungen sie belasten. Daniela und Rosano haben seit 10 Wochen ihre Enkel nicht mehr gesehen (die wohnen in anderen Gemeinden der Gegend).

Ihren eigenen Garten haben sie schon superschön gemacht und alles Gemüse gepflanzt. Und dann erreichten uns vor Ostern ein paar Bilder unseres Gartens, der ja fast an ihren grenzt, nur ein paar Meter sind über den Garten von Nachbar Roberto zu gehen. Die Bilder zeigten: „Vorher – nachher“. Unser Garten erst mit enorm hoch gewachsenem Gras und dann gemäht.  Wir waren richtig gerührt!!!!

Und dann am Karsamstag gleich noch einmal: ein Teil unseres Grundstücks gegenüber des Hauses grenzt an den Garten der De Giusti. Und plötzlich schickt uns Adriano auch Fotos „Vorher-Nachher“, er hat dort gemäht! Sie sind wirklich alle zum Umarmen, unsere Friulaner.

Und da nun unser Winzerfreund Paolo Ferrin versprochen hat, sich mit Rosano um unseren kleinen Weingarten zu kümmern, da ist uns wirklich ein großer Stein von der Seele gefallen. Paolo und Fabiola Ferrin haben ja als Winzer auch sehr unter den Einschränkungen zu leiden, wenigstens durfte Paolo Wein an Klienten in der Region ausliefern. Doch all die Kulturveranstaltungen, die Fabiola normalerweise organisiert, dürfen natürlich nicht stattfinden. Und sie schreibt eben auf Facebook: „Von den vielen Dingen, die mir in dieser Zeit fehlen, ist eines der wichtigsten die Abwesenheit der Freunde. ….Ihr seid alle, wirklich alle eingeladen, wenn man dann wieder sich frei bewegen kann! Ich erwarte Euch!“

Auch sonst ist vieles wie bei uns. Zum Beispiel: Es wird aufgerufen, Produkte der heimischen Landwirte zu kaufen, heuer Urlaub im eigenen Land zu machen, um den darniederliegenden Tourismusbetriebe zu helfen, es wird über eine Corona-Handy-App diskutiert. Langsam geht das Land mit ersten Lockerungen in die Phase 2 über.

Klagenfurt: Zoran Music in der Stadtgalerie

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Zart und doch ungemein kraftvoll präsentieren sich die Bilder des slowenisch-italienischen Malers Zoran Music. Er, der 1909 in der Nähe von Görz/Gorizia/Gorica geboren wurde und in Kärnten aufgewachsen ist, ehe er in Zagreb sein Kunststudium absolvierte, war ein Künstler von internationalem Rang. Gestorben ist er 2005 in Venedig, nach einer beachtlichen künstlerischen Karriere. Sein Geburtsort hat ihn sehr geprägt, er ist einer aus dem Kreis der von Melancholie Geprägten – so beschreibt ihn Sigbert Metelko, Kurator der Ausstellung, die derzeit in der Klagenfurter Stadtgalerie gezeigt wird.  Die größte jemals gezeigte Music-Schau, „best oft he best“ aus privaten Sammlungen, wie Metelko im Gespräch mit Galerieleiterin Beatrix Obernosterer betont, mehr als 170 Bilder von 21 Leihgebern aus. Bei der Eröffnung würdigten die Klagenfurter Bürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz und der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser Zoran Musics künstlerisches Wirken. Ergänzt wird die Ausstellung von einem zugehörigen Teil, der in den Räumen der Galerie Magnet im Palais Fugger gezeigt wird.

Die verschiedenen Phasen der Arbeit Musics habe er nie geplant, sie hätten sich ergeben, schildert Metelko, der auch mit dem Künstler viele Jahre lang befreundet war. An den Bildern der Ausstellung sind diese Phasen ablesbar: Die ‚cavallini‘, die Pferde, die der Künstler seit seiner ersten Reise nach Dalmatien auf unverkennbare Weise immer wieder darstellte, lebendig, aber stilisiert wie die Landschaften, die sie umgeben. Ganz charakteristisch auch die Landschaftsbilder, in denen Music die Hügel in der Gegend von Siena / Toskana festgehalten hat, auch sie auf ganz eigene Art aus der simplen Realität geholt und in reduzierte, starke Formen verwandelt. 

Viele der so typischen Bilder, die in Klagenfurt gezeigt werden, stammen aus der Kollektion des Triestiner Ehepaars Lia und Maurizio Zanei, die eine der größten Music-Sammlungen besitzen. Auch einige Motive aus Venedig sind dabei. Dort hatte sich Music ja vor und nach dem zweiten Weltkrieg niedergelassen. 

Gegen Ende dieses Krieges trat jenes Ereignis ein, das Music für den ganzen folgenden Teil seines Lebens prägte: Er wurde wegen seiner Kontakte zum antideutschen Widerstand Ende 1944 in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er bis Ende April 1945, also bis zur Befreiung durch die Amerikaner inhaftiert war. Von den etwa 200 Zeichnungen, die Music im Lager anfertigte, konnte er aber nur etwa 35 retten. Die Klagenfurter Ausstellung zeigt nicht nur einige davon, sondern auch Bilder, die in den 1970er Jahren entstanden, als das erlebte Grauen in Music neuerlich aufbrach. Dieser Zyklus mit dramatischen Darstellungen ausgemergelter, todgeweihter oder bereits toter Menschen trägt den Titel „Wir sind nicht die Letzten“ und ist von nicht minder intensiver Wirkung auf den Betrachter als die direkt im KZ entstandenen Zeichnungen.

Die Ausstellung in der Klagenfurter Stadtgalerie und auch die in der nahegelegenen Galerie Magnet sind bis zum 3.Mai 2020 zu sehen. 

Adresse

  • ARGE Hopfmüller-Hlavac
    Deublergasse 37
    A-1210 Wien

Kontakt

Gisela Hopfmüller

Franz Hlavac

  • +43 664 281 80 18

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