Archiv für August, 2013

Varmo feiert: Sagre dai Pais 1

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Varmo Sagra 2013

„Gehen wir am Freitag zur Eröffnung der ‚Sagre dai Pais’ ?“ fragen wir Daniela und Rosano. „Karin hatte doch voriges Jahr so viel Spaß bei der Tombola!“ Natürlich gehen wir gemeinsam hin, Danielas Tochter Sara mit ihrem Mann Flavio, der 11jährigen Karin und dem 15jährigen Michael sind auch gerne wieder mit von der Partie!

Vor unseren Fenstern, gleich drüben bei der Villa Giacomini, sind seit Tagen die Zelte für Musik und Speis und Trank aufgebaut worden. Das Ortsfest, die „sagre dai pais“, also die „sagra del paese“, lässt den Sommer heiter ausklingen. Fünf Abende lang treffen sich viele Ortsbewohner dort. Jeden Abend spielt eine andere Band, alle Altersstufen werden musikalisch zufrieden gestellt. Von allen möglichen Vereinigungen, die sich in und um Varmo finden, werden Wein und Bier ausgeschenkt, Stinco (Stelze), Koteletts, Würste und Frico gebraten, Calamari frittiert, Salami und Käse aufgeschnitten. Da bleibt keiner hungrig.

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Die Wohltätigkeitstombola, die „pesca di beneficenza“, ist wie bei allen Ortsfesten eine zusätzliche Attraktion. Sie schafft es sogar, die „kids“ Karin und Michael vom endlosen Tippen in ihre Smartphones (das Rosano nervt, er macht es kabarettistisch nach) loszueisen. Ein Los für einen Euro, jedes rote Los gewinnt! Und es gibt viele rote Lose! Im Laufe des Abends bekommt Karin von uns Erwachsenen wieder zahlreiche Euro-Münzen zugesteckt zum Erwerb der Lose. Das Geld ist schließlich für Bedürftige! Aber wir haben auch viel Freude dabei, wenn Karin die roten Lose eintauschen geht und mit Pflanzen aller Art zurück an unseren Tisch kommt. Da! Zwei Zyklamen-Töpfe ! Was für eine schöne Farbe diese Dipladenia hat! Schaut, jetzt bringt Karin einen Busch Minze! Und wohin werden wir die vielen Salatpflänzchen setzen? Es hat sich noch immer Platz in den Gartenbeeten gefunden! Aber auch ein Fläschchen für Seifenblasen hat Karin bekommen und übt sich sofort in der Kunst der Blasen-Produktion.

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Drüben beim Stand der Alpini stehen unser Nachbar Francesco und Gianni von der Locanda Vil di Var und winken uns auf ein Glas zu sich! Sindaco Michelin ist beim ProLoco-Stand Santa Marizza zu finden. Dort wird der beste Frico des Festes gerührt. Wir schauen interessiert zu und lernen eine Menge über die kunstvolle Erzeugung dieser friulanischen Spezialität aus Kartoffeln und Käse.

In der Ecke eine große Menschentraube. Nein, eine Männertraube! Es ist ein Tisch-Fußball-Turnier im Gange, bei dem auch Nachbar Hermes mit den Söhnen Davide und Glauco zusieht. „Wutzeln“ scheint auch hierzulande sehr beliebt. Die Biertische und Bänke füllen sich immer mehr. Schaut, dort sind noch andere Friaul-Österreicher! Wir deuten lachend hin: Hitti Zangerl, die im nahen Ort Romans seit Jahren ein Sommerhaus hat, ist mit drei Freunden zur Sagra gekommen. Prost! Cin cin!

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Die letzten Euro-Münzen tragen wir selbst zur Tombola und gewinnen….eine Gießkanne ! Ein wahrhaft logischer Schlusspunkt unserer „Pflanzen-Orgie“ im Dienste der Wohltätigkeit! Schlusspunkt? Die Sagra dauert ja noch bis Dienstag! Und wir gehen sicher wieder hin.

Märchenhaftes zur Varmo-Hochzeit

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

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Sie hat eine wunderbare Arbeit gemacht, die Fotografin Mayda Mason. Ihre Bilder der Hochzeit von Wolfgang und Carina in Varmo sind wunderschön geworden, super-professionell! Das konnten wir gleich sehen, als wir die DVD mit den Bildern bei Mayda abgeholt haben. Sie wohnt in Latisana mit ihrer 3jährigen Tochter Kyla. Gemeinsam haben wir ihre Hochzeitsbilder angeschaut und ihr großes Lob gespendet. Mayda arbeitet erst seit kurzer Zeit als selbständige Fotografin, sie wird zweifellos ihren Weg machen. Uns hat sie jedenfalls mit ihrer Arbeit Lust gemacht, in Zukunft wieder einmal mit ihr zusammenzuarbeiten.

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Kontakt: Mayda Mason

www.maydamason.com Telefon: 0039 340 3465987

Das musste mit Sprizz Aperol am Hauptplatz von Latisana gemeinsam „begossen“ werden. Die kleine „Prinzessin“ Kyla hat bei einer Portion Kartoffelchips ihre Scheu uns gegenüber sehr rasch abgelegt und ist dann gern an der Hand von Franz hinüber zur Gelateria spaziert. Eis für uns alle vier – eine geschmackvolle Abrundung dieses Latisana-Ausfluges!

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Als wir abends mit Daniela und Rosano in die Locanda Vil di Var zum Essen gehen, ist die Hochzeit auch dort noch immer Gesprächsthema. Auf der Pinwand hängt der Artikel, in dem die Journalistin Monia Andri in der Tageszeitung Messaggero über die erste Hochzeit von Ausländern in Varmo berichtet. Jetzt sind Wolfgang und Carina auch Zeitungsstars im Friaul! Wolfgangs Kommentar, als wir ihnen die Internet-Fassung des Artikels gemailt haben: „Das wird ja immer märchenhafter!“

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Hochzeit in Varmo: Wolfgang und Carina !!!

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Jetzt können wir das Geheimnis lüften! Wolfgang und Carina haben uns nicht einfach besucht in Varmo – sie haben hier geheiratet! Wir sind schon in den Wochen vorher in die Rolle der Hochzeitsplaner geschlüpft und haben den „großen“ Tag geplant und organisiert. Ganz geheim!

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Es war Ende Mai, da hat Wolfgang in Wien Franz um ein Treffen gebeten und gefragt, ob er und Carina nicht bei uns in Varmo heiraten könnten. Sie würden ganz allein kommen! Eine ordentliche Überraschung! Voller Vorfreude – über die geplante Hochzeit gleichermaßen wie über unsere bisher ungekannte Rolle als Organisatoren eines solchen Festes – haben wir uns an die Arbeit gemacht. Wir wollten unseren Freunden schließlich einen wunderschönen Tag mit einer typisch friulanischen Hochzeit bescheren! Voller Überraschungen!

Aber: ein Brautpaar und wir, ganz allein, beziehungsweise nur vier Personen für eine Hochzeit in Friaul? Das geht nicht! Wir fragen unsere engsten friulanischen Freunde, ob sie mit uns feiern mögen. Natürlich mögen sie! Daniela, Rosano und ihre Tochter Samara samt Mann Ivan sagen gleich zu. Deren Söhne, der achtjährige Samuele, der fünfjährige Matteo und der knapp zweijährige Tommaso werden Blumen streuen vor der Trauung und Reis werfen danach. Letzteres soll traditioneller Weise eine fruchtbare Ehe symbolisieren. Auch wenn nun unser Brautpaar nicht mehr im klassischen Alter dafür ist, wird das bestimmt Spaß machen. Und Samaras Schwiegereltern wollen auch mit von der Partie sein. Da Vanni so wunderbar friulanische Lieder auf der Ziehharmonika zu spielen weiß, ist damit für den musikalischen Part auch gesorgt.

Nun erst einmal an die Recherche in Sachen Bürokratie. Wer weiß schließlich auf Anhieb, was an Papieren alles nötig ist, damit zwei Österreicher in Italien heiraten können! Also vorerst einmal die Frage bei unserem Sindaco, dem Bürgermeister: „Was halten Sie davon, wenn unsere österreichischen Freunde hier in Varmo heiraten ?“ „Das würde mir gefallen“, meint er. Was in Venedig, Florenz und auch Lignano oft passiert, hat es schließlich in Varmo zuvor noch nie gegeben. „Und geht das auch in Ordnung, wenn die Trauung am Freitag, dem 16.August, stattfinden soll, dem Fenstertag zwischen dem Feiertag des 15.August und dem folgenden Wochenende? Also mitten im Ferragosto, wo ganz Italien fast zugesperrt ist ?“ fragen wir. „Auch der Tag ist in Ordnung“, sagt der Sindaco.

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Und so kämpfen wir uns ab Anfang Juni und der ersten Besprechung mit dem Sindaco und der in seiner Gemeinde zuständigen Referentin durch die Administration. Ehefähigkeitszeugnis (multilingual selbstverständlich!), Passkopien, Geburtsscheine, persönliches Schreiben der Brautleute an die Gemeinde mit dem Ersuchen um die Trauung inklusive Erklärung bezüglich Gütertrennung, Daten von uns Trauzeugen – bis alles Nötige für den Akt erstens definiert und zweitens zusammengetragen und drittens verstanden ist, braucht es eine Weile.

Ein Übersetzer muss auch her, denn wenn das Brautpaar nicht perfekt die italienische Sprache beherrscht, muss laut Gesetz bei der Trauung ein solcher anwesend sein. Oh je, wo treiben wir denn den nun auf? Uns fällt ein, dass doch bei unserem Hauskauf vor mehr als 11 Jahren ein Übersetzer aus Lignano dabei war. Wir schauen in unserem Kaufvertrag nach: Richtig, da steht „Ennio Polat“. Wir suchen und finden eine Telefonnummer und rufen ihn an. Er ist überaus freundlich und verspricht die Übersetzung der Trauung zu übernehmen. Wieder eine Hürde genommen. Später stellt sich heraus, dass wir einen hochrangigen Übersetzer gechartert haben: Ennio Polat leitet das Bürgermeisterbüro in Lignano!

Was fehlt noch? Ein Hotel, das einem Brautpaar würdig ist. Da kommt in unserer Gegend nur das Resort Villa Manin in Frage. „Wollen Sie das große Zimmer reservieren?“ Natürlich, es ist schließlich für ein Brautpaar. Weiters: Der Brautstrauß und ein Blumengesteck zur Zierde des Gemeinderatssaals, wo die Trauung stattfinden wird. Das Blumengeschäft in Varmo bietet sich für derlei Bestellung an, die Chefin dort will sich sehr gerne bemühen, den Wunsch nach weißen Hortensien zu erfüllen. Das Mittagessen? Dem Himmel sei Dank haben sich Roberto, Andreina und Gianni, die seit gut einem halben Jahr die Locanda Vil di Var bei uns im Ort führen, als wunderbare Gastgeber erwiesen. Padrone Roberto kocht hervorragend und hat auch seine Vorschläge für ein Fischmenü zur Hochzeit rasch notiert. Uns rinnt schon beim Lesen das Wasser im Mund zusammen. Und Andreina kümmert sich bestimmt wie immer höchst engagiert und erfolgreich um Service und alles andere. Da sind wir völlig unbesorgt! Fabiola Ferrin hat uns noch die Fotografin Mayda Mason empfohlen, die kommen und für professionelle Hochzeitsfotos sorgen will.

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Wir besorgen die Mandelzuckerln, die traditioneller Weise zu kleinen „Bonbonnieren“ verpackt als kleines Danke für die Gäste bei keiner Hochzeit fehlen dürfen. Dazu werden noch Lavendelsäckchen vorbereitet, wozu wächst in unserem Garten schließlich der Lavendel so prächtig. Ein paar Tage vor der Hochzeit entwickeln wir gemeinsam mit Rosano noch eine Idee: Hier im Friaul müssen doch im allgemeinen Hochzeitspaare nach der Trauung gemeinsam einen dicken Baumstamm durchsägen, zum Beweis, dass sie in Zukunft in der Lage sind auch schwierige Dinge zu bewältigen. Einen Baumstamm in unserem Garten zu finden, ist kein Problem. Rosano organisiert einen Holzbock von Giordano und findet tatsächlich bei einem anderen Freund eine uralte riesige Säge, entrostet und schleift sie und schreibt auch noch „Finalmente oggi sposi“ auf die eine Seite des Sägeblattes und „Endlich sind sie ein Paar“ auf die andere. Jetzt basteln wir noch weiße Maschen, wie sie üblicherweise auf Häusern, Gartenzäunen und Straßenlaternen prangen, wo geheiratet wird.

Als Wolfgang und Carina am 15.August nach Friaul und zu uns kommen, ahnen sie nicht, was da an friulanischer Hochzeit am nächsten Tag auf sie zukommt. Aber der Nachmittag und der Abend vor dem „großen Tag“ bei uns im Garten bringen schon viel Stimmung mit. Gepoltert wird zwar nicht, aber die beiden dürfen abends im Weingarten eine Wunschlaterne steigen lassen. Psssst! Nicht sagen, was Ihr Euch wünscht!

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Am kommenden Morgen basteln wir noch schnell etwas, was auch keinesfalls fehlen darf: Ein Foto der beiden vom Tag davor und der Text „Oggi sposi – Carina und Wolfgang – 16.August“ werden auf Papier kopiert. Diese Ankündigungen zieren kurz danach unser Haus und die Straßenlaternen bei uns in der Gasse und den Garten, gemeinsam mit den weißen Maschen. Rasch werden noch die Blumen für den Trauungssaal und das Brautbouquet abgeholt. Übersetzer Polat kommt und muss noch vom Bürgermeister vereidigt werden. Die Fotografin ist auch schon da.

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Dann trifft das Brautpaar bei uns ein und macht große Augen zu den Dekorationen und sonstigen Vorbereitungen. Tja, so ist das nun mal, wenn man im Friaul heiratet ! Rosano, Daniela, Samara, Ivan, die drei Buben, Amalia und Vanni kommen auch wenig später, ebenso Fabiola und Paolo. Daniela und Samara haben Häppchen für die erste Stärkung mitgebracht, Paolo seinen köstlichen Spumante „Rivus“. Ein erstes Anstoßen, ein „brindisi“: Evviva gli sposi, ruft Rosano. Er wird es an diesem Tag noch oft tun. Ein Prost auf die Brautleute ! Die Fotografin ist eifrig: Das Brautpaar im Weingarten, beim Fenster herausschauend, die Eheringe werden auf einer Aloe drapiert und aufgenommen. Vanni spielt auf der „fisarmonica“, der Ziehharmonika, und unser Garten ist schon ganz mit Fröhlichkeit erfüllt.

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Gleich ist es 11 Uhr, wir müssen zum Municipio, zum Rathaus! Noch ein Gruppenbild mit Brautpaar vor dem Haus, dann zieht unsere kleine Gruppe durch den Ort. Samuele, Matteo und Tommaso streuen Blumen, Vanni macht Musik – die ahnungslosen Bürger von Varmo schauen erstaunt auf das Brautpaar und unseren Umzug. Im Municipio erwartet uns schon Sindaco Michelin. Er hat – weil ja nun im feierlichen Dienst – seine grün-weiß-rote Bürgermeister-Schärpe angelegt und begrüßt das Brautpaar und uns alle sehr herzlich. Das Gemeindeamt ist ja eigentlich an diesem Tag geschlossen (Siehe Ferragosto!), aber eine Trauung vornehmen kann ein Bürgermeister auch allein! Beziehungsweise mit Begleitung des Übersetzers.

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„Lei Signor Wolfgang Buchner intende prendere in moglie la qui presente Carina Kratzik? Sie Herr Wolfgang Buchner wollen die hier anwesende Carina Kratzik zur Frau nehmen?“ Ja, si, sagt Wolfgang. „Lei Signorina Carina Kratzik intende prendere in marito il qui presente Wolfgang Buchner?“ Ja, si, sagt Carina. Der Sindaco erklärt die beiden zu Mann und Frau und sagt: Und nun die Ringe ! Wolfgang sucht sie in der Hosentasche. „Con calma ! Mit Ruhe!“ sagt der Sindaco. Die Ringe sind alsbald auf den Fingern. Der Sindaco liest den offiziellen Trauungstext vor, der Übersetzer übersetzt ordnungsgemäß und tut das auch, als der Sindaco dann persönliche Worte an die Eheleute richtet: „Das ist nun der Startpunkt für Eure Gemeinschaft, dafür Mann und Frau zu sein, gemeinsam zu leben…. avete creato un nuovo focolare come diciamo qui in Friuli….Ihr habe einen neuen Herd begründet, sagt der Sindaco und verwendet das friulanische Wort fogolar / focolare, die offene Feuerstelle, die es früher in allen Häusern gab. „Mandi in Friulano, vai con Dio in italiano“, geht mit Gott! So schließt der Sindaco seine herzlichen Glückwünsche. Nun noch die Unterschriften der frischgebackenen Eheleute und von uns Trauzeugen! Die Hochzeitsgäste applaudieren, gratulieren…..und ein paar Minuten später unten vor der Tür des Municipio geht ein heftiger Reisregen über Wolfgang und Carina nieder – so wie es sich nun einmal gehört.

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Aber das Brautpaar hat seinen Überraschungsparcour noch nicht ganz absolviert: Zurückgekehrt in unseren Garten bricht harte Arbeit aus: Das Durchsägen des Baumstammes ! Die beiden schaffen das mit Bravour, stellen wir alle fest. Evviva gli sposi!!! Wieder wird angestoßen, Übersetzer Polat und Sindaco Michelin sind zu diesem Zweck auch noch mitgekommen. Alle sind überaus fröhlich, das Brautpaar wirkt auch gerührt, mag sich das aber nicht sehr ansehen lassen.

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Nun geht es hinüber in die Locanda Vil di Var, wo Andreina, Gianni und Roberto als sensationelle Wirte über sich hinauswachsen: Ein alkoholfreier Aperitivo, ein riesiger Fisch-Vorspeise-Teller, dann noch Miesmuscheln und Vongole als zweiter Anti-Pasto-Teil, in der Folge ein sensationelles Meeresfrüchte-Risotto – unsere Begeisterung ist jetzt schon groß.

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Nach einem Sorbetto als Zwischengang klopft Wolfgang ans Glas. Er hat sich eine Rede auf italienisch vorbereitet (schließlich hat er ja vor langer Zeit ein paar Studienmonate in Bologna zugebracht). „Kommandant Armstrong hat 1969 gesagt, als er die ersten Schritte auf dem Mond machte: Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit! Das hier ist ein gigantischer Schritt für uns …..ohne Auswirkungen für die Menschheit“, scherzt Wolfgang und löst heftige Heiterkeit damit aus. Als er dann einen wunderschönen Diamantring an Carinas Finger steckt, ist die Begeisterung der weiblichen Hochzeitsgäste nicht mehr zu bremsen. „Ohhhh, nehmt Euch ein Beispiel!“ bekommen die Herren rundum zu hören. Evviva gli sposi!!! „Bacio, bacio ! Ein Kuss, ein Kuss!“ fordert Rosano von den Brautleuten. Und wir dann auch von allen anwesenden Paaren. Also küssen einander auch Daniela und Rosano, Samara und Ivan, Amalia und Vanni, wir natürlich ebenso. Nur Paolo schmatzt einen Kuss in die Luft. Er hätte aufstehen und um den Tisch gehen müssen, um seine Fabiola zu küssen. Die wehrt daraufhin weitere Versuche ab. Aber später beim Dessert wird dieser Kuss dann auch nachgeholt.

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Nun erscheint Andreina mit einem riesigen Tablett. Darauf liegt ein nicht minder riesiger Branzino. Dieser Wolfsbarsch ist gestern noch in der Adria geschwommen, berichtet sie nicht ohne Stolz. Er schmeckt wunderbar und löst so die nächste Begeisterungswelle aus. Dass die danach noch servierten frittierten Meeresfrüchte nicht minder frisch und köstlich sind, muss auch noch erwähnt werden, aber unsere Mägen sind schon mehr als voll ! Die süße Nachspeise – für die Brautleute in Herzform – sowie Cafe und Likör werden dann im Garten der Locanda genossen. Erschöpfte Zufriedenheit breitet sich aus. Aber als wir dann in unseren Garten zurückgekehrt sind, muss noch einmal mit Spumante angestoßen werden, diesmal einem „Alexius“ von unseren Winzerfreunden Komjanc. Evviva gli sposi !!!

Beim Steintisch im Schatten unserer Riesentuje lassen alle ihre Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren, ehe es ans Verabschieden geht. Wolfgang und Carina erfreuen alle mit Sacher-Torten als Gruß aus Wien. Was große Freude auslöst! Und wir freuen uns am meisten, als Carina und Wolfgang uns, den Hochzeitsplanern, zum Ausklang „ihres“ Tages sagen: „Das war die schönste Hochzeit überhaupt!“

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Ein trockener Sommer geht zu Ende!

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Ein bisschen Regen, ein bisschen Sonne! Die Wettervorschau für Varmo und Umgebung beweist es in diesen Tagen: Die große Hitze ist endgültig gebrochen und die Trockenheit dieses friulanischen Sommers ist beendet.

Dabei war das Frühjahr so verregnet gewesen! Wochenlang weinten sich die Wolken auch über dem Friaul aus. Auf den Maisfeldern kamen die kleinen Pflanzen vor lauter Regen kaum in die Höhe. In unserem Gemüsegarten haben wir manches zwei-, dreimal gesäht, Nässe und Schnecken waren eine für Jungpflanzen tödliche Kombination.

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Und dann in der zweiten Juni-Hälfte der rasche Wechsel zur Hitze. Danach war der wochenlange Regenmangel eine Herausforderung für viele Landwirte. Auch für Kleingärtner und Hobbywinzer wie uns. Gott sei Dank haben wir einen Brunnen, aus dem eine Pumpe ausreichend Wasser zum Gießen von Garten und Weingarten fördert. Viele Bewohner von Varmo haben ja überhaupt arthesische Brunnen, aus denen das Wasser auch ohne Pumpe permanent fließt und so das Überleben der Gärten sichert. Franz ist viele Stunden lang mit dem Wasserschlauch durch den Weingarten gegangen, um vor allem die jungen Reben vor dem Vertrocknen zu bewahren. Doch auch Profi-Winzer haben ihre Weingärten bewässert, was normalerweise nicht nötig ist.

Dass wir in der Gegend der Risorgive leben, ist in Sommern wie diesem wirklich ein Segen. Aus den Quellen, den Risorgive der Gegend, strömt jenes Wasser, das über viele Kilometer – von den Bergen Karniens kommend – unterirdisch durch Schotterboden die Ebene durchquert. Auf einer Linie etwa von Pordenone über Codroipo bis in den Südosten bei Monfalcone trifft dieses Grundwasser dann auf fast undurchlässigen Lehmboden und taucht in vielen Quellen auf. So entstehen kleine Flüsschen wie auch der Varmo, der unseren gleichnamigen Ort durchquert, so füllt sich auch der Tagliamento etwas weiter südlich bei Latisana und so verfügen die Bauern über ausreichend Grundwasser zur Bewässerung ihrer Felder. Mit riesigen Sprühern können die Mais- und Soja-Felder mit ausreichend Wasser versorgt werden. Stundenlang, tagelang sind diese „Wasserwerfer“ auf den Feldern in diesem Sommer in Betrieb gewesen.

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Das Glück solcher Wasserreserven haben die Bauern weiter nördlich in Richtung San Daniele oder weiter östlich von Udine in Richtung Cividale nicht. Da sind heuer im Sommer viele Hektar an Maisfeldern einfach vertrocknet. Ein trauriger Anblick – da wie dort ! Und ein großer Schaden für die Landwirtschaft!

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Die Weinbauern bereiten sich nun langsam auf die Lese der weißen Trauben vor. Das tun auch wir. Noch gilt es abzuwarten. Der Pinot grigio wird wohl der erste sein, der nun den nötigen Reifegrad erreicht. Aber wir müssen achtsam sein: Der leichte Regen der letzten Tage kann die Botrytis fördern, eine Pilzkrankheit, die die reifen Trauben verfaulen lässt. Diese „Edelfäule“ kann zwar willkommen sein, wenn man Süßweine erzeugen will. Doch das wollen wir nicht. Unser Pinot Grigio soll ein fruchtiger, aber trockener Wein werden, genauso wie der „Gemischte Satz“, der Uvaggio, den wir aus den Trauben der verschiedenen autochtonen Rebsorten zu erzeugen gedenken. Wir sind jedenfalls zuversichtlich: wir haben auch in der Schlussphase unseren Weingarten gut im Griff! Und hoffen auf viel Sonnenschein am Tag der Lese!