Jetzt ist Radicchio-Zeit!

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Rezepte

Die ersten Nachtfröste in Varmo haben dem Radicchio in unserem Garten seine berühmte rote Farbe gebracht. Aber wenn wir einen ganz besonderen Radicchio wollen, dann fahren wir hinüber nach Belgrado di Varmo, wo es bei Lorenzo „Loris“ Molinari jetzt den Radicchio rosso tardivo di Treviso gibt. Bei Loris kaufen nicht nur Private wie wir ein, sondern er beliefert auch Restaurants in der Gegend. Etwa „Da Toni“ in Gradiscutta, oder „Da Nando“ in Mortegliano.

„Buongiorno Loris, bekommen wir eine Steige ‚Tardivo’?“ „Natürlich! Kommt mit, dann seht Ihr, wie viel da ist!“ Hinter Loris’ Haus steht ein Glashaus der besonderen Art. Drin findet sich unter anderem ein flaches Wasserbecken. Denn es reicht nicht, den Radicchio im Sommer oder Frühherbst am Feld auszusäen. Nach den ersten Frösten wird er von dort ausgestochen und kommt samt der Wurzel für 20 Tage in dieses gut bewässerten Becken. Weil das Wasser dort etwas wärmer ist als die Bodentemperatur des Feldes, treibt der Radicchio innen nochmals nach.

Loris hat sich Gummihandschuhe genommen, holt ein paar Pflanzen aus dem Wasserbecken und schält die äußeren, fauligen Blätter weg…..hervor kommen die langen, schmalen, saftigen inneren Blätter des Radicchio. Jetzt schneidet Loris noch mit einem Messer die Wurzel zu einem Spitz, dann wird der Radicchio im frischen Wasser abgespült, und schon sieht er so aus, wie wir ihn mögen!

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„Kommt noch mit in die Küche auf einen kleinen Imbiss!“ lädt uns Loris ein. Dort ist im Backrohr seines holzbeheizten Herdes Weißbrot mit Schinken, ein paar Stückchen Radicchio und etwas Käse drauf eben fertig überbacken. Eine Köstlichkeit! „Einen Schluck von diesem Friulano müsst Ihr auch probieren! Der ist von De Claricini!“ Die Villa Claricini Dornpacher, ein fantastisches Anwesen mit wunderschönem Park, kennen wir. Sie liegt am Weg zwischen Udine und Cividale. Aber dass auch eine Azienda dazugehört, wo Wein produziert wird, lernen wir nun von Loris. Und noch dazu ein so guter Friulano! Noch ein bisschen geplaudert, dann bedanken wir uns für Loris’ Gastfreundschaft und erwerben eine Steige voll Radicchio tardivo. Das reicht für einige wunderbare Mahlzeiten.

Für die Zubereitung gibt’s etliche Möglichkeiten: Entweder wir halbieren so einen Radicchio der Länge nach und lassen ihn in der Pfanne in etwas Olivenöl auf jeder Seite drei, vier Minuten braten. Dann kann man entweder nur leicht salzen und pfeffern und einen winzigen Schuss eines feinen Essigs drüber tropfen, oder noch Käse drauf tun bis er zerlassen ist. Ob als Hauptspeise oder als Beilage – die Geschmacksnerven jubeln!

Eine andere Möglichkeit: wir schneiden die schmalen Blätter in etwa zwei Zentimeter lange Stückchen, braten in einer Pfanne etwas gehackte Zwiebel an, geben die Radicchio-Stückchen dazu und lassen das Ganze auf kleiner Flamme etwa 10 Minuten durchbraten. Je nach Lust und Laune wird auch in diesem Fall mit Salz, Pfeffer und/oder einem Schuss Essig gewürzt.

„Und im Jänner gibt es dann schon den Rosa di Gorizia!“ gibt uns Loris noch mit auf den Weg. Da kommen wir unter Garantie zum Einkaufen. Denn es ist eine Rarität, wenn man außerhalb der Gegend von Gorizia diese spezielle Sorte des Radicchio bekommt. Es ist eine besonders zart schmeckende Sorte, die von den Gärtnern in Gorizia eifersüchtig gehütet wird. Normalerweise bekommt man nicht einmal den Samen für eigene Anzuchtversuche. Loris aber hat vor ein paar Jahren von einem Bekannten eine Handvoll Samen ergattert und baut die „Rosa di Gorizia“ höchst erfolgreich an. Inzwischen macht er sich die Samen für die folgende Saison selbst, indem er immer einige Pflanzen bis zum Aussamen wachsen lässt. „Grazie Loris, danke für die Gastfreundschaft! Wir freuen uns auch schon auf die „Rosa di Gorizia!“

Für alle Radicchio-Liebhaber (oder im Frühling Spargel-Liebhaber), die es in die Gegend von Varmo verschlägt:

Lorenzo Molinari

Via Dei Castelli 69

33030 Varmo (Ud)

Tel.: 0039 0432 778374

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Kommentare (4)

  • Matthias Heckelmann

    |

    Hallo,

    ich suche den guten „Radicchio rosso tardivo di Treviso“.

    Kann man den bei Ihnen bestellen / kaufen und nach Deutschland liefern lassen?
    mfg
    Matthias Heckelmann

    Antworten

    • Franz Hlavac

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      Sg. Herr Heckelmann! Den Radicchio erhalten Sie in Friaul auf Märkten. Im Ausland wahrscheinlich
      nur in Spezialitätengeschäften. Mfg Franz Hlavac

      Antworten

  • Ursula Lindner

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    Kann man von Ihnen samen der rosa di gorizia für den privaten gebrauch bekommen?

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    • Franz Hlavac

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      Es gibt Samen-Packerln von ‚Rosa d’Isonzo‘ zu kaufen (in manchen Samenhandlungen der Gegend), ist nicht ganz dasselbe, aber ähnlich!
      LG Gisela Hopfmüller

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