Archiv für Juli, 2014

Kochbuch „Unsere Friaul Rezepte“ demnächst erhältlich!

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles, Bücher

Unsere Arbeit ist getan, die Kooperation mit Lektorin Mag.Elisabeth Wagner, Grafiker Clemens Toscani und dem ganzen Team des Styria-Verlags hat wieder toll geklappt! Jetzt ist die Druckerei am Zug. Und in etwa vier Wochen wird unser Friaul-Kochbuch dann in den Buchhandlungen erhältlich sein. Enorm viele Vorbestellungen sind schon beim Verlag eingetroffen. Auch die Anfragen für Buchpräsentationen werden immer mehr, ab Mitte September geht’s los. Was uns freut, denn wir sind sehr gerne unterwegs quer durch Österreich, um den Kontakt mit unseren Lesern zu pflegen!

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Auf nach Paularo und Paluzza!

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

„Ihr kommt uns doch besuchen?“ fragen unsere Freunde Daniela und Rosano, ehe sie mit ihren drei Enkeln Samuele, Matteo und Tommaso für zwei Wochen nach Paluzza aufbrechen. „Natürlich kommen wir Euch besuchen“, versprechen wir. Ausflüge nach Karnien, also in die Berggegenden des Friaul, mögen wir immer gerne. Wir nehmen uns vor den Ausflug nach Paluzza mit einem Abstecher nach Paularo zu verbinden. Die Gegend ist schließlich reich an Kultur, die es zu erforschen gilt.

Direkte Wege sind langweilig und so fahren wir von Tolmezzo aus erst einmal in Richtung Villa Santina. Dort befindet sich nämlich eine Weberei, die die karnische Tradition weiter pflegt. Wunderbare Tischwäsche, Vorhänge, Handtücher, Sets, Servietten und vieles mehr, das alles gibt es aus reinem Leinen in höchster Qualität bei „Carnica Arte Tessile“. Die Weberei hat lange Tradition. Im 18.Jahrhundert hat der Unternehmer Jacopo Linussio die karnische Textilkunst zu großer Bedeutung geführt, bis zu 30.000 Menschen haben für seine Firma gearbeitet. Die „Tessitura Linussio“ galt als die größte in Europa. Die Weberei „Carnica Arte Tessile“ in ihrer heutigen Form gibt es seit 50 Jahren und sie zählt zu den meistgeschätzten nicht nur in Italien. Wir finden jedenfalls immer einen Grund, ein edles, neues Tischtuch oder Servietten oder….oder….zu brauchen.

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Der Unternehmer Linussio stammte übrigens aus Paularo, wo uns unser Weg nun hinführt. Retour geht’s nach Tolmezzo und von dort erst kurz das Tal des Flusses But entlang, bis wir kurz vor Zuglio nach rechts in das Tal des Chiarsò einbiegen. Die Landschaft wird immer malerischer. Nach etwa 15 Kilometern sind wir fast in Paularo, machen aber noch einen Abstecher hinauf nach Dierico. Dort wollen wir einen der schönsten Renaissance-Altäre Karniens anschauen. Wir fahren zur Kirche S.Maria Maggiore. Davor kehrt eine Signora den Gehweg. „Buon giorno, wir möchten gerne die Kirche anschauen!“ „Ma è chiusa! Sie ist geschlossen!“ „Und wer hat den Schüssel?“ „Ich“, schmunzelt die Signora und schickt ihren Ehemann uns die Kirche aufzusperren. Von der alten Kirche hat nur die Apsis das Erdbeben von 1976 überlebt, dort steht der wunderschöne Schnitzaltar von 1522 des Bergamaskers Antonio Tironi. Künstler aus der Gegend von Bergamo bei Mailand haben im 16.Jahrhundert die Schnitzkunst im Friaul mitgeprägt. In drei Ebenen sind die Heiligenfiguren mit der Madonna in der Mitte angeordnet, jede einzelne ganz fein gearbeitet. Der vergoldete Altar leuchtet eindrucksvoll. „Grazie, danke, dass Sie uns aufgesperrt haben!“ verabschieden wir uns und lassen das Gesehene nachwirken.

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Kaum zwei Kilometer weiter liegt das Ortszentrum von Paularo. Der Ort ist bekannt für die prächtigen Palazzi, die man in dieser einschichtigen Berggegend so gar nicht erwartet. Gleich links hinter der Brücke liegt der alte Ortsteil Borgo S.Antonio und dort steht einer dieser Bauten, der Palazzo Calice-Screm. Die Familie Calice betrieb einst für Venedig hier die Waldwirtschaft. Wir umkreisen den Ende des 16.Jahrhunderts errichteten Palazzo und entdecken die Hofansicht mit schönen Bogengängen. Die Straße daneben steigt nun steil an hinauf auf den Hügel, auf dem die im späten 18.Jahrhundert errichtete Pfarrkirche S.Vito steht. Von hier aus haben wir einen schönen Blick über Paularo und entdecken noch zahlreiche andere Palazzi, die das Ortsbild prägen. Einen besonders markanten entdecken wir auf einem Hügel nebenan: den Palazzo Calice-Valesio. Ein riesiger L-förmiger Bau, von einer hohen Mauer umgeben. Er ist aber nur an Wochenende von innen zu besichtigen. Macht nichts, haben wir einen Grund wieder mal herzufahren.

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Inzwischen ist es Mittag und wir verspüren Hungergefühle. Die wollen wir im Ristorante „Al Cavallino“ bekämpfen. Das ist uns vor einer Weile in einer Broschüre über Karnien aufgefallen. Jetzt schreiten wir zum Test. Der wird ein voller Erfolg. Nicht nur sind Monica Plozner, die sich im Gastraum um nicht nur unser Wohl kümmert, und ihr Bruder Paolo Plozner, der in der Küche regiert, ausgesprochen freundliche und sympatische „padroni“, die Speisen schmecken auch köstlich. Der Aufschnitt, der Lardo mit Balsamico, der Frico, die Cjarsons mit Salsiccia- und Kräuterfülle und überbacken mit Maismehl – alles mundet vorzüglich. „Sie müssen auch noch die süßen Cjarsons kosten“, empfiehlt Monica und muss uns dazu nicht lange überreden. „Mein Bruder macht die Cjarsons mit getrockneten Birnen, bei Ihnen heißen die Kletzen, nicht wahr?“ Richtig, Paolos Cjarsons sind weitschichtig mit Kärntnerischen Kletzennudeln verwandt. Die Karnischen Berge sind schließlich nicht weit weg von Kärnten und die Traditionen in vielerlei Hinsicht ähnlich. Diese Cjarsons sind jedenfalls auch ein Genuss! Das Ristorante „Al Cavallino“nehmen wir hiermit in die Liste unserer Lieblingsrestaurants auf.

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Es wird Zeit hinüber nach Paluzza zu fahren. Hinüber, das heißt im konkreten Fall über eine schmale Bergstrasse hinauf auf 1000 Meter Seehöhe, vorbei an den Orten Ligosullo und Treppo Carnico wieder hinunter nach Paluzza. Dort erwarten uns schon Daniela, Rosano und die drei Buben. Sie wohnen gleich neben der Pfarrkirche S.Maria, in der so wie in der Kirche von Dierico bei Paularo ein geschnitzter Renaissance-Altar von Antonio Tironi zu finden ist.

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Jetzt ist ein Spaziergang angesagt. Spazier- und Wanderwege gibt es rund um Paluzza viele. Zum berühmten Berg Zoncolan mit seinem Schigebiet sind es nur ein paar Kilometer. Wir spazieren nun jedenfalls am Rand von Paluzza durch die Ortsteile Colle di S.Daniele mit der gleichnamigen Kirche und Casteòns. Durch den Wald führt der Weg zum Torre Moscardo, der Teil einer alten Befestigungsanlage war. Auch viele Bunker des Ersten und Zweiten Weltkrieges birgt dieser Wald. Samuele, Matteo und Tommaso finden viel zu entdecken, toben herum und haben Spaß mit Tommasos Taufpaten Franz. Der kleine Tommaso pflückt am Rückweg ein paar Wiesenblumen. „Für wen sind die denn?“

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„Per Monica“, sagt er. Daniela lacht und erklärt uns, dass das die Pächterin einer Bar ist, wo oft ein Drink genommen wird und die Klein-Tommaso heiß verehrt. Und so münden wir dann in genau dieser Bar Osteria „Da Cleve“. Ganz gerührt nimmt Signora Monica die Blumen von Tommaso entgegen……und stellt sie begeistert in eine Vase neben die Blumen, die er am Vortag gebracht hat. Rosano begrüßt indessen Monicas Onkel, den ehemaligen Vizebürgermeister von Paluzza und deutet auf uns: „Das sind Gisela und Franz!“ „Ah, endlich lerne ich Sie persönlich kennen“, sagt der Ex-Vice-Sindaco. Er hat das Kapitel über Paluzza in unserem Buch „Friaul erleben“ auf italienisch übersetzt. „Wir haben uns sehr gefreut, dass Sie über unsere Gemeinde und das Fest „Palio das Cjarogiules“ (Der Wettkampf der Holzschlitten) geschrieben haben“, sagt er. Uns hat es auch Spaß gemacht und wir fahren ja immer wieder gerne nach Paluzza, auch dieses Festes wegen. Heuer findet es Sonntag, dem 10.August statt.

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Samuele, Matteo und Tommaso sind inzwischen sichtbar müde geworden, es geht retour ins Urlaubsdomizil. Daniela macht noch rasch Pasta und Hühnerfilets, dann peilen die „kids“ ihre Betten an und wir fahren nach diesem überaus abwechslungsreichen Tag fröhlich heim nach Varmo.