Codroipo: Antico Molino Zoratto

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Menschen

Nahe dem Naturpark der Risorgive am südlichen Ortsrand von Codroipo liegt der Molino Zoratto, die Zoratto-Mühle. Seit dem 15.Jahrhundert wird hier an der Roggia (Kanal) San Odorico Getreide und Mais gemahlen. Heute ist der Betrieb als „biologisch“ zertifiziert und Anziehungspunkt für all jene, denen höchste Qualität des Mehls wichtig ist.

„Habt Ihr Zeit für einen Ausflug? Ich möchte Euch eine ganz außergewöhnliche Mühle zeigen.“ Es ist der Vizebürgermeister von Codroipo Ezio Bozzini, der uns die Via Molini entlang zum Molino Zoratto führt. Dorthin kommen eben auch Santo Bertussi (den wir unserer Reise nach Sizilien kennengelernt haben) mit seiner Schwiegertochter und drei Enkeln. „Ciao, come state? Wie geht es Euch?“

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Seit dem 18.Jahrhundert arbeitet die Familie Zoratto hier als „mugnai“, als Müller. „Buon giorno, volete vedere il molino? Guten Tag, Ihr wollt die Mühle sehen?“ Christian Zoratto begrüßt uns freundlich. Wie sein Vater Umberto ist ihm viel daran gelegen, den Kunden nur beste Bio-Qualität zu bieten, also Bio-Mehl aus Bio-Getreide und Bio-Mais.

„Hier stehen die Mühlen“, führt er uns in einen von Mehlstaub erfüllten Raum. Da stehen wunderbare alte Maschinen mit riesigen Mühlsteinen aus Granit, jeder etwa 100 kg schwer, die gusseisernen Zahlräder haben handgefertigte Zähne aus Holz der Hainbuche. Zwei dieser Mühlen werden vom Wasser getrieben, eine mit Strom, daneben eine Maschine zum Schälen der Gerste und eine 1940 von ungarischen Technikern gebaute Mühle, die mit Zylindern arbeitet.

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Christian beschreibt die Prinzipien: „Maximale Natürlichkeit der Produkte, arbeiten zum richtigen Zeitpunkt, Liebe zum Detail und der Einsatz von Maschinen und Technik entsprechend der Überlieferung vorangegangener Generationen. Gemahlen wird ganz langsam. Wir produzieren 100 kg Mehl pro Stunde, eine moderne Stein-Mühle dagegen 400 kg, eine industrielle Mühle mindestens 2.500 kg, da wird viel vom Keim zerstört.“

Die Zoratto haben Partner, denen der biologischen Anbau von Getreide und Mais ebenso wichtig ist wie ihnen. Der Agrartechniker Graziano Ganzit von der Associazione Produttori Biologici e Biodinamici del Friuli-Venezia Giulia (Vereinigung der biologischen und biodynamischen Produzenten Friaul Julisch-Veneziens) begrüßt uns. „Ich habe mich in den 1980er Jahren vom üblichen Landwirtschaftssystem verabschiedet und in Sachen biologischen und biodynamischen Anbaus in Österreich, Deutschland und in der Schweiz viel gelernt“, erzählt uns Ganzit. „Wir müssen alle mithelfen, dass sich das Agrarsystem ändert. Wir müssen zu anderen Getreidesorten zurückkehren, zu anderen Verarbeitungsformen, zu besserer Qualität der Lebensmittel, es geht schließlich um die Gesundheit der Gesellschaft“, formliert er sein Credo, das auch jenes der Zoratto ist.

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„Wollen Sie auch sehen, wie der Stockfisch geschlagen wird?“ fragt Christian Zoratto. Wir machen große Augen, davon haben wir noch nie gehört. Natürlich wollen wir das sehen! Aber wozu dient das? Baccala, also der getrocknete, dann eingeweichte und dann gekochte Stockfisch, steht im Friaul sehr oft auf der Speisekarte. Stockfisch (stoccafisso), also Kabeljau, wird durch Trocknen haltbar gemacht, auch und vor allem im Norden Europas. Die alte Tradition des Schlagens des getrockneten Stockfischs macht die Fasern zarter zur weiteren Verarbeitung. Die Zoratto sind also auch „battitori di stoccafisso“ (die Übersetzung „Stockfisch-Schläger“ klingt seltsam). Christian führt uns in ein Nebengebäude der Mühle. Dort steht eine Maschine mit einem zylindrischen Hammer aus Holz, der auf eine Steinbasis schlägt. Spezieller „Ragno“-Stockfisch kommt getrocknet aus Norwegen. Christian holt welchen aus dem Kühlraum, wirft die Maschine an und hält zwei „stoccafissi“ unter den Hammer. Ohrenbetäubenden Lärm macht der, aber das Ergebnis ist ein so weichgeklopfter Trockenfisch, dass sich die besten Restaurants der Region bei Zoratto anstellen. Der so behandelte Stockfisch nimmt beim Einweichen viel mehr Wasser auf und ist folglich nach dem Kochen viel zarter. So entsteht „baccala“ der besonderen Art!

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„Hier an der Roggia San Odorico gab es früher noch vier Mühlen, fahren wir noch hinüber zur Bosa-Mühle“, sagt Vizebürgermeister Ezio Bozzini und führt uns und die Bertussis an einen überaus malerischen Ort, an dem die Reste einer alten Mühle, ein nicht weniger altes Wohnhaus und eine Kapelle stehen.

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Dort erwarten uns Luciano Bosa und seine Frau Edda für einen kleinen Imbiss. Mitten in einer Wiese, von Bäumen umgeben, stehen überdachte Bänke, wir kosten Bosas selbstgemachte Weine und Santo Bertussis Salame und Schinken. Eine Idylle, die uns – wie die Zoratto-Mühle – die Vergangenheit der Gegend genussvoll spüren lässt!

Adresse:

Molino Zoratto

Via Molini 70

33030 Codroipo

Tel.: 0039 0432 906143

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Kommentare (4)

  • Cornelia

    |

    Wo kann man euer Mehl kaufen

    Antworten

  • Eva Liebig

    |

    Wann ist geöffnet?

    Antworten

    • Franz Hlavac

      |

      Dienstag bis Samstag jeweils von 8.30 – 12 h und 14.30 – 18 h. Beste Grüsse! G & F

      Antworten

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