Archiv für Januar, 2015

Tarvis im Schnee und
Angst vor dem Erdbeben

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

„Nevicate in montagna. Schneefall in den Bergen“, so lautete die Vorhersage. Und tatsächlich hat es in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auch in Tarvis zu schneien begonnen. Bis zum Freitag Nachmittag haben etwa 30 Zentimeter Schnee das kärntnerisch-friulanische Grenzgebiet weiß eingepackt. Eine Freude für die Schifahrer, vor allem auch, weil dann am Samstag strahlender Sonnenschein die schöne Schneelandschaft glitzern lässt.

Im Ort Tarvis läßt es sich gut spazieren gehen an diesem Samstag. Das riesige symbolische Eisstanitzel bei der Gelateria am Hauptplatz hat durch natürliches Eis optische Konkurrenz bekommen. Einzelne Besucher stöbern durch die letzten Restbestände des Ausverkaufs in den Boutiquen, einige Geschäfte geben schon die ersten Frühlingssignale, sei es in Sachen Mode, sei es durch das vor die Tür gestellte Angebot an Gemüsesamen für Gartenliebhaber. Die meisten Wintergäste sind allerdings mit Skiern oder Rodel auf den Hängen zwischen Monte Priesnig, Monte Florianca und Monte Santo di Lussari unterwegs.

a1 a2 a3 a4 a5 a6 a7 a8 a9

Unter den Einheimischen sorgt das riesige, rote Gebäude der ehemaligen Kaserne „La Marmora“ für Gesprächsstoff. Hier sollen entsprechend des Plans des italienischen Innenministeriums 100 Asylsuchende einquartiert werden. Heftiges Pro und Contra dazu ist seit Tagen in den italienischen Zeitungen nachzulesen. Auch in den Kärntner Zeitungen, denn auch in Kärnten gibt es Bedenken zu diesem Vorhaben. Italienische Medien haben gar berichtet, der Kärntner Landeshauptmann Kaiser erwäge aus Sicherheitsgründen die Grenze zu schließen. Natürlich dementiert Kaiser das heftig, hat aber bei Deborah Serrachiani, der Regionspräsidentin Friauls, Aufklärung erbeten.

a10 a11 a12

Doch die Titelseite und die ersten vier Seiten der Tageszeitung „Messaggero“ sind mit einem ganz anderen Thema gefüllt: „Terremoto, torna la grande paura. Erdbeben: Die große Angst kehrt zurück“. Es hat in der Nacht von Freitag auf Samstag ein Erdbeben der Stärke 4,1 – nach der Richterskala – gegeben, das in weiten Teilen des Kanaltals und bis Tolmezzo zu spüren war. Das Epizentrum lag zwischen den Orten Moggio Udinese und Resiutta, nur wenig nördlich des Epizentrums des schrecklichen Erdbebens des Jahres 1976. Dass das Kanaltal eine seismisch aktive Zone ist, wissen die Einwohner. „Das zerstörerische Beben von 1976 war dreitausendmal stärker als das von gestern Nacht“, relativiert ein Experte des Erdbeben-Forschungszentrums Udine. Trotzdem hat dieses neue Beben bei allen, die sich an jenes von vor 39 Jahren erinnern, große Angst ausgelöst. „Es war 1,45 Uhr, kurz zuvor hat der Hund zu bellen begonnen“, erzählt jemand. Bei anderen haben die Türen geschlagen, der Käfig eines Kanarienvogels fiel zu Boden, Schränke haben geschwankt. Von größeren Schäden wird nicht berichtet. In den Orten Gemona und Venzone schlafen die Bewohner jedenfalls ruhiger als 1976, denn nach den damaligen Zerstörungen sind die meisten Häuser erdbebensicher wieder aufgebaut worden. Die Seismologen halten fest: „Nach so einem Erdstoß ist es normal, dass in den kommenden Wochen weitere Beben in gleicher oder geringerer Stärke zu spüren sein werden.“

a13 a14 a15

(Nicht)Rauchen in Italien

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Es war ein netter Abend in Wien, wir hatten italienische Gäste und luden sie zum Abendessen in ein bekanntes Lokal ein. Kurz nach dem Eintreten schreckten unsere Gäste zurück: „Hier wird geraucht!“ Ihr Unverständnis war groß. Wir haben ihnen erzählt, dass bei uns in Österreich seit mehr als 20 Jahren über dieses Thema gestritten wird. Schon 1993 verlangte der damalige Gesundheitsminister Michael Ausserwinkler ein Rauchverbot in Lokalen und scheiterte damit. Unsere italienischen Freunde wunderten sich: In Italien ist dieses Thema bereits seit 10 Jahren erledigt.

„Rauchverbot. Gesetz vom 16.1.2003. Bei Nichtbeachtung Verwaltungsstraße zwischen 27.50 und 275 €“. Diese Schilder hängen in italienischen Lokalen seit dem 10.Jänner 2005. Von einem Tag auf den anderen waren auch die Bars, Trattorie, Ristoranti, Clubs und Diskotheken, ja alle öffentlichen Einrichtungen in Friaul rauchfrei, natürlich auch die in unserer Umgebung. Das erlebten wir drei Jahre, nachdem wir Friaul zu unserem Zweitwohnsitz erkoren hatten. Die mediale Diskussion darüber war zuvor heftig, aber kurz. Der italienische Gesetzgeber hatte den Gastronomiebetrieben etwa zwei Jahre Zeit gegeben für die Umstellung, vom Gesetzesbeschluss 2003 bis zum Inkrafttreten 2005.

a1 a2 a4

Wir haben seitdem keinen einzigen Raucher getroffen, der nicht widerspruchslos vor die Tür einer Trattoria gegangen wäre, um seiner Nikotinsucht zu frönen. Für die Gäste – und wir haben keinerlei anderslautenden Meinung gehört – ist ein Lokalbesuch inzwischen noch genussvoller als zuvor. Wir haben gefragt: „Bei uns wird argumentiert, ein Rauchverbot in Lokalen sei der Freude an der Kommunikation hinderlich. Ist da so?“ Unsere (rauchenden) italienischen Bekannten lachen da nur: „Im Gegenteil! In den Gruppen der v o r den Lokalen beisammen stehenden Raucher wird sehr kommuniziert und man lernt Menschen kennen, die man sonst nie kennengelernt hätte!“

a6 a7 a8

Und: Trotz intensiver Recherche haben wir in Italien keinerlei Information darüber gefunden, dass auch nur ein einziger Wirt wegen des Rauchverbotes hätte zusperren müssen!! Österreichische Wirte und Rauchverbotsgegner argumentieren auch, dass es doch in Italien auch Raucherräume in Lokalen gäbe. Wir haben so einen Raum in den vergangenen 10 Jahren, in denen wir kreuz und quer durch Italien unterwegs waren, nie gesehen. Aber wir haben erzählt bekommen, dass es solche Räume in großen Städten wie etwa Rom oder Mailand gäbe, dass dort aber nichts serviert wird, sondern Raucher nur hineingehen auf eine Zigarettenlänge (so etwa wie die „Raucher-Kobel“ in den Flughäfen).

Das italienische Statistische Zentralamt hat jedenfalls positive Effekte für die Gesundheit zu vermelden: 95 Prozent der italienischen Raucher halten sich an das Rauchverbot, 90 Prozent respektieren es auch. Und: insgesamt ist die Zahl der Raucher in Italien von etwa 24% auf etwa 19% der Bevölkerung zurückgegangen.

a1

Italien rüstet zur Ausweitung der Rauchverbote: Das Gesundheitsministerium bereitet Rauchverbote im Auto, in Parks, in Fußballstadien und an den Stränden vor !!! Wie man am Rauchverbot in Lokalen gesehen hat, ziehen die Italiener derlei offenbar konsequenter durch als Österreich.

Tag des Friauler Weines

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles, Wein, Weinempfehlungen aus Friaul

Beim „Tag des Friauler Weines“ im MuseumsQuartier in Wien erwarteten 141 Weine die Besucher. Bei den weissen Sorten standen Friulano, Sauvignon, Pinot grigio und Ribolla gialla im Vordergrund, bei den roten Refosco und Schioppettino. Das Erfolgsrezept von Organisator Wolfgang Obermaier ist wieder einmal aufgegangen: Die Ovalhalle war ganz dicht gefüllt mit Menschen, die die Friauler Weine schon lieben oder sie kennenlernen wollten.

Wir haben nicht nur unsere Bücher „Unser Friaul“, „Friaul erleben“ und „Unsere Friaul-Rezepte“ dort präsentiert und auch viele unserer Leser sowie ehemalige ORF-Kollegen getroffen, wir haben selbst auch neue Favoriten unter dem Angebot der Winzer entdeckt.

Zum Beispiel: Die „Grand Dame“ des Schiopettino aus Prepotto Hilde Petrussa hat uns mit ihrem „perla nera“ sehr erfreut, einem Schioppettino passito aus dem Holzfass, Jahrgang 2009. Die Brüder Stanig, ebenfalls aus Prepotto, haben einen sehr feinen Ribolla gialla spumantizzato namens „Ribollicine“ 2014 mitgebracht. Auch der Ribolla gialla der Azienda Il Roncal ist eine Freude. Der Prosecco DOC Villa Chiopris der Azienda Livon ist auch etwas für Liebhaber der „bollicine“. Wir haben Anastasia Pizzutti und Daniele Lenuzza und deren feinen Friulano und runden Schioppettino kennen und schätzen gelernt. Und Irene Cencig hat uns und viele Besucher sowohl mit ihren Bio-Weinen als auch anderen Bio-Produkten wie etwa Salami überzeugt.

a1 a2 a3 a4 a5 a6 a7 a8 a9 a10 a11 a12 a13 a14 a15 a16 a17 a18 a19 a21 a22 a23 a24 a25
https://weintage.at