Sonnenstunden am Tagliamento

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Fast weiß schimmert der Schotter im Bett des Tagliamento in der Nachmittagssonne, das Blau des Himmels spiegelt sich in den Rinnsalen, die in dieser Schönwetterperiode den Fluss ausmachen. Ganz hinten sind die karnischen Berge am Horizontzu sehen. Ganz still ist es, nur das Knirschen von Kies und Sand unter unseren Füßen ist zu hören.

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Giuseppe Danussi hat an diesem Sonntag Nachmittag Zeit und Lust, mit uns und Fabiola Ferrin dort zu spazieren, wo er sich besonders oft und besonders gern aufhält: Am und im Tagliamento. Der fließt kaum mehr als einen Kilometer entfernt von Camino al Tagliamento vorbei, wo Giuseppe „Bepi“ zu Hause ist. In den Fluß-Auen ist er das ganze Jahr über unterwegs und kennt sie wie die sprichwörtliche Westentasche. „Schaut da ins Wasser hinunter“, sagt er, „die kleinen Fischchen, da kann die riesige Forelle, die ich in den letzten Tagen hier gesehen habe, nicht weit sein.“

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Diese Forelle hat aber offenbar keine Lust, sich auch sonntags blicken zu lassen. „Dort ist eine Risorgiva, eine Quelle, aus der das Wasser direkt in dieses Rinnsal aufsteigt.“ Bepi erzählt, dass vor etwa 40 Jahren die Betonsockel der Strommaste im Tagliamentobett gar nicht zu sehen waren; weil aber lange Zeit von Baufirmen tonnenweise Schotter entnommen wurde, ragen die Sockel jetzt wie Monumente aus der Ebene des Flusses. „Da hier auf der Seite sieht man auch gut, dass hauptsächlich der feine Kies abtransportiert wurde, der grobe wurde in die Au geschüttet“. Inzwischen ist die Kiesentnahme ja Gott sei Dank verboten.

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„Das hier ist ein melo selvatico, ein wilder Apfelbaum“, zeigt uns Bepi etwas weiter in der Au. „Wer am Tagliamento wohnt, braucht nicht zu hungern“, scherzt er. „Ich habe einen Freund, der macht Marmelade aus dem Obst, das hier wächst“. „Was wächst hier außer wilden Äpfeln?“ „Emui zum Beispiel, kleine Ringlotten“. Und der wilde Spargel, der hier neben dem Gestrüpp demnächst treiben wird, ist bestimmt auch nicht zu verachten.

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Bepi führt uns etwas tiefer hinein in das Gestrüpp. Radfahrer haben hier schmale Pfade ausgefahren. Nicht weit davon ist der Boden voller großer Löcher. „Wisst Ihr, was das ist?“ Wir schütteln den Kopf. „Fuchslöcher! Da, dieser Bau hier ist offenbar noch bewohnt, man erkennt das an dem frisch weggescharrten Sand!“ Später beobachten wir im Flussbett auch Spuren von Rehen, von Hasen, von Vögeln……und von Menschen, von Autos. Mit Fahrzeugen, auch mit Motorrädern im Flussbett herumzurasen ist auch nicht mehr erlaubt. Und doch sind das ganze Jahr immer wieder viele auf zwei und vier Rädern hier unterwegs. Heute ist es aber ruhig. Nur einmal fahren zwei Jeeps von forestali, Forstwächtern, den Fluss entlang. Die schon aufgeblühten Weidenkätzchen werden jedenfalls nicht angestaubt.

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Wir queren das Flußbett, steigen durch weite Kies- und Sandflächen und über bizarre Schwemmhölzer, finden eine gar nicht so kleine Wasserfläche mittendrin und lassen dort wie die Kinder flache Steine übers Wasser hüpfen. Und wäre es nicht erst März, wir hätten wohl sofort Schuhe und Socken ausgezogen und wären durchs Wasser gewatet. Aber das müssen wir uns für den nächsten Tagliamentospaziergang aufheben.

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Kommentare (1)

  • Ines

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    Lieber Herr Hlavac! Leider habe ich Ihre Nachricht etwas zu spät gelesen, ABER: wir waren genau bei der Brücke Nähe Cornino und waren im wunderschönen Flussbett des „Königs der Alpenflüsse“. Es war sooo traumhaft, das Wetter war einfach herrlich und die Kinder schwammen im kalten Wasser, bis die Lippen blau waren:) Vielen Dank für Ihren Tipp trotzdem – wir werden weiterhin „unser“ Friaul besuchen und uns an der Landschaft und den kulinarischen Erlebnissen erfreuen. Tanti saluti di Styria! Fam. Zotterx5

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