Weekend „delle Palme“ im Friaul

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Garten

Ein Palmsonntag-Wochenende mit viel Sonne und viel Abwechslung, so wünscht man sich’s. Rundum in den Gärten blühen Narzissen, also muss der Samstag-Vormittag unbedingt mit einem Abstecher zur Villa Manin bei Codroipo angereichert werden. Denn im Park der Villa wird die Wiese durch tausende gelbe Narzissen, die wir Österreicher Märzenbecher nennen, zu einem Spektakel. Ein kleiner Spaziergang dort tut nicht nur den Augen ausgesprochen gut. In der Villa Manin ist derzeit eine Ausstellung über die Russische Avantgarde vom Beginn des 20.Jahrhunderts zu sehen, Bilder aus dem Staatlichen Museum von Saloniki in Griechenland, die erstmals in Italien gezeigt werden. Diese Schau sehen wir uns ein anderes Mal an, die läuft ja bis Ende Juni.

a1 a2 a3

Am Rückweg nach Varmo machen wir halt beim Gärtner Ruggiero in S.Marizza. Dort treffen wir zufällig unsere Bekannten Federica Ravizza und Salvatore Errante Parrino. Und wie immer finden wir etwas, was wir gerne im Garten haben wollen, diesmal eine cremefarbene Rose und eine weiße Hortensie. Natürlich blühen die noch nicht, aber bestimmt in ein paar Wochen bei uns.

a4 a5 a6

Mittags kommt Besuch: Erich und Gabi Hempfling und sechs Freunde schauen bei uns vorbei. Aperitiv gibt’s im Garten, dann spazieren wir um die Ecke in die Locanda Vil di Var zu Andreina, Gianni und Küchenchef Roberto und lassen uns mit köstlichen Meeresfrüchten verwöhnen. Dann müssen alle acht Österreicher weiter – zu ihren jeweiligen Osterferien-Zielen.

a7 a8 a9 a10 a11 a12

Wo gehen wir heuer zur Palmweihe am Sonntag hin? Wir überlegen abends und einigen uns auf einen Ausflug nach Valvasone und Spilimbergo. Also geht es am Palmsonntag, dem „domenica delle palme“ morgens los, hinüber über den Tagliamento und ein bisschen hinauf nach Norden nach Valvasone. Unterwegs begegnen wir jener riesigen Schafherde, die vor drei Tagen auch auf Wiesen in Varmo gegrast hat. Ziegen und Esel sind auch mit dabei, ganz fern im Hintergrund leuchten noch schneebedeckte Bergspitzen. Ein malerisches Bild.

a13 a14 a15

Der Ort Valvasone steht auf der Liste der 100 schönsten Dörfer Italiens, viele mittelalterliche Teile haben sich erhalten, das Schloss etwa, aber auch viele Häuser im Zentrum. Die kleine Kirche San Pietro e Paolo birgt schöne Fresken des 14. und 15.Jahrhunderts. Hier findet die Palmweihe statt. Olivenzweige werden geweiht. Vor der Kirche sind Schachteln mit den Ästchen aufgestellt, jeder kann sich welche nehmen. Kinder kommen mit Olivenzweigen, die sie mit bunten Maschen geschmückt haben. Ein Herr spricht uns an: „Woher seid Ihr?“ „Aus Österreich!“ „Ah“, meint der Herr freudig, „il mio bisnonno era di Graz. Mein Urgroßvater stammte aus Graz“. Jetzt wollen wir was wissen.

a16 a17 a18

„Warum haben einige Kinder ihre Zweige mit Maschen dekoriert?“ „Das sind die, die heuer ihre Erstkommunion feiern werden. Die, die das schon vergangenes Jahr gemacht haben, sind die beim Priester und dem Altar mit den weißen Gewändern“, erläutert der Herr. Ganz voll ist die kleine Kirche nun schon und auch davor stehen viele mit den Zweigen. Der Priester weiht sie. Dann geht es in einer kleinen Prozession hinüber zur Pfarrkirche, wo die Messe gefeiert wird. Der neugotische Bau birgt ja eine Besonderheit: die einzige erhaltene venezianische Orgel aus dem 16.Jahrhundert. Sie wird sehr gepflegt und funktioniert noch perfekt. Heute allerdings begleitet der Organist nur auf der kleinen modernen Orgel den Chor.

a19 a20 a21 a22 a23 a24

Wir fahren weiter nach Spilimbergo. Hier hat die Palmsonntagsmesse in dem fantastischen romanischen Dom aus dem 13.Jahrhundert später begonnen als in Valvasone, also bekommen wir auch hier noch etwas davon mit. Die feierliche Stimmung nimmt einen auch hier gefangen. Die berühmten Fresken in der Absis hinter dem Altar sind in der beleuchteten Kirche besonders gut zu sehen. Vor der Kirche sind bei den Bäumen drei Holzkreuze aufgestellt, die Golgatha symbolisieren sollen. Geweihte Olivenzweige liegen auch hier in großer Menge für die Gläubigen. Nach dem Ende der Messe spazieren wir zum nahen Castello, das im Mittelalter gebaut wurde, um die Ebene des Tagliamento zu überwachen.

a25 a26 a27 a28 a29 a30 a31 a32 a33

Ein Spaziergang durch den Ort Spilimbergo ist immer schön und mündet auch diesmal in einer Enoteca für einen Prosecco. Ein spätes Mittagessen gibt’s dann daheim im Garten.

Trackback von deiner Website.

Kommentieren