Archiv für März, 2015

Dirndlblüte im Kanaltal

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Friaul-Tagebuch, Garten

Sie sind die „Marke“ des Pielachtales in Niederösterreich: die um diese Jahreszeit zart gelb blühenden Dirndl-Sträucher. Die Überraschung dieser Tage: bei einer Fahrt auf der Bundesstraße, nicht auf der Autobahn, durch das Val Canale, das Kanaltal im Friaul entdecken wir auch hier viele Dirndl-Büsche mit ihren gelben Blüten.

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Die Dirndlbüsche sind ein Hartriegelgewächs mit dem lateinischen Namen Cornus mas. Für unser neues Buch „Ötscherland. Erleben mit allen Sinnen“ haben wir das Pielachtal, Tal der Dirndln genannt, erforscht inklusive der berühmten Sträucher, die sowohl bei der Blüte im Frühjahr als auch im September mit den roten Früchten leuchten.

Bisher sind sie uns im Val Canale noch nie aufgefallen. Lediglich einmal in der Umgebung des Lago di Doberdò bei Gorizia hatten wir schon einmal Dirndl-Früchte entdeckt. Aber weil man ja bekanntlich nur sieht, was man weiß, und unsere Augen durch die Kenntnisse aus dem Pielachtal geschärft sind, stechen die friulanischen Dirndl-Büsche uns nun erstmals in die Augen.

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In unserem Garten in Varmo wächst auch ein kleiner Busch, aber den haben wir vergangenes Jahr aus dem Pielachtal mitgebracht, wo Hans Weiß, Chef des Naturhotels Steinschalerhof in Rabenstein an der Pielach, die Büsche auch im Topf züchtet und verkauft. Hinter dem Steinschalerhof hinauf auf den Gaisbühel führt der „Dirndl-Wanderweg“, wo jetzt im Frühling unzählige Dirndlbüsche ihre gelben Blüten in die Sonne strecken. Von Hans Weiß haben wir auch viel über die Dirndln gelernt. Etwa, dass das knorrige Holz der Stämme so schwer ist, dass es im Wasser untergeht. Aber am interessantesten sind die Früchte, die enorm viel Vitamin C enthalten. Köstliche Marmeladen, Likör, Kompott, süßsauer eingelegte Dirndln und vieles mehr lassen sich daraus machen. „Oliven des Nordens“ nennt Hans Weiß die Dirndln. In unserem Garten wächst der Busch neben den echten Olivenbäumen. Ob wir jetzt das friulanische Kanaltal in „Dirndltal 2“ umtaufen?

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Friaul-Abend in Braunau am Inn

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Das waren unsere Lesungen

Wie schön, dass wir mit unseren Friaul-Lesungen auch in für uns abgelegenere Teile Österreichs eingeladen werden. Diesmal in die interessante Stadt Braunau, in der sich auch viele Friaul-Fans finden. Peter Liehmann, Chef einer Vinothek am Braunauer Hauptplatz namens „kost.bar“ , pflegt seine Friaul-Beziehungen seit Jahren und ist dabei auch auf unsere Bücher gestoßen. Sein Freund Christian Huber, der einst unser Kollege im ORF war, hat dann den persönlichen Kontakt hergestellt. Und so dürfen wir in Braunau über Friaul erzählen und lesen und lernen unsererseits eine Menge über diese sehenswerte Stadt am Inn.

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„Wollt Ihr am Nachmittag vor unserer Veranstaltung mit einer Führung Braunau ansehen?“, fragt uns Peter Liehmann per Mail. Gerne wollen wir. Und so führt uns Liehmanns Freund Florian Kotanko, Historiker und Vorsitzender des Zeitgeschichte-Vereins Braunau, überaus kundig durch den Ort. Die älteste Stadt des Innviertels hat viele Facetten: Der Hauptplatz mit den farbigen, ganz unterschiedlichen Häusern, die spätgotische Stadtpfarrkirche St.Stephan mit dem Renaissance-Epitaph des langbärtigen Stadthauptmannes Hans Staininger aus dem 16.Jahrhundert, die mittelalterliche Badeanlage, der nach Johann Philipp Palm benannte Park (ein Buchhändler, der wegen des Vertreibens von napoleonkritischen Texten auf Befehl Napoleons erschossen wurde), der mächtige Stadtturm, das Hitler-Geburtshaus mit dem Gedenkstein aus dem Steinbruch des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen davor, versehen mit dem Text „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.“ Unten am Inn bei der Brücke herrscht reger Verkehr von und ins benachbarte deutsche Limbach. Und eine Franz-Josef-Büste erinnert an den Besuch des Kaisers im Jahr 1903. Zufällig begegnet uns bei dem Rundgang auch Bürgermeister Johannes Waidbacher. Er bedauert, bei unserem Friaul-Abend wegen einer Sitzung nicht dabei sein zu können.

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Abends in der „kost.bar“ ist Peter Liehmann ein toller Gastgeber. Wir erzählen über unser „friulanisches Leben“, die herrlichen Weine des Friaul, über wenig bekannte Perspektiven wie etwa, dass Romeo und Julia in Wahrheit aus dem Friaul stammten, über viele Verbindungen der Region zu Österreich wie etwa den aus Pielungo nördlich von Spilimbergo stammenden Baumeister des Arlberg Bahntunnels Giacomo Ceconi. Die Gäste können feine Weine kosten, wie etwa den Friulano und den Mon Rouge von Alessandra Felluga aus dem Castello di Buttrio. Und nach dem offiziellen Teil des Abends können wir noch viele gute Gespräche führen und damit wieder einmal unsere Zuneigung zu Friaul weitergeben. Ein „kost.barer“ Abend!

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kost.bar vinothek

A-5280 Braunau am Inn

Telefon: +43 650 4972786

https://www.vino365.com

https://www.kostbar-vinothek.at

Varmo – Gartenfrühling

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Friaul-Tagebuch

Noch sind es drei Tage bis zum offiziellen Frühlingsbeginn, doch in unserem Garten in Varmo ist der Frühling bereits eingetroffen. Die zwei Marillenbäume haben sich nicht abhalten lassen, seit einigen Tagen in Vollblüte zu stehen. Hunderte von Bienen toben sich auf und in den Blüten aus! Die Veilchen bilden schon dicke lila Inseln und die ersten Forsythien sind auch schon aufgeblüht.

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Im Weingarten sind die ersten Schritte ins neue Gartenjahr getan. Die Spanndrähte der Weinzeilen sind mit Unterstützung unseres Freundes Rosano nachgespannt, die Reben haben wir vor einer Woche geschnitten. Die verbleibenden Triebe sind allerdings noch nicht über die Drähte gebogen und angebunden, denn es ist sehr trocken und die Triebe deshalb noch sehr spröde. Aber der nächste Regentag kommt ja bestimmt, dann wird gebogen und gebunden.

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Die Feigen- und Apfelbäume sind geschnitten, das sollte man ja bei abnehmendem und absteigendem Mond, also bis zum 13.3., erledigt haben. Haben wir geschafft.

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Der Gemüsegarten hat uns auch einiges an Mühe gekostet. Über den Winter wächst das Unkraut dort weiter und muss nun entfernt werden, ehe in den nächsten Tagen Rosano wohl mit seiner Motoregge kommt, um den lehmigen Boden aufzulockern, ehe die Säh- und Pflanzsaison wieder losgeht (übrigens: auf der Fensterbank haben die in Joghurtbecher gesähten Tomaten schon die Keimblätter aus der Erde gesteckt). Dort, wo am Zaun entlang der Luppolo, der wilde Hopfen, schon sprießt, haben wir auch schon ausgeputzt. Die erste Frittata (Omelette) mit Luppolo ist schon gegessen, Schnittlauch, Petersilie und Oregano treiben schon kräftig.

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Im inneren Garten haben wir schon entlang der hübschen Mauern aus den Tagliamento-Kieselsteinen alles unnötig Wuchernde ausgeputzt (zum Beispiel Unmengen an kleinen Hanfpalmen, durch die sehr leicht keimenden Früchte unserer großen Palmen entstehen da ganze Plantagen), in der Engel-Ecke ebenso – das waren viele Stunden Arbeit, die in kräftigen Rückenschmerzen gemündet sind. Inzwischen sind dort die Kamelien schon am Aufblühen!

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Alle Spuren des Fichten-Schnitts (siehe Beitrag: Baumschnitt in Varmo: Da waren’s nur noch zwei) sind beseitigt – ein Tag mühsames Aufräumen von Stamm und Ästen, Ästchen und Sägemehl. Auf dem Baumstumpf stehen nun schon zwei hübsche Töpfe mit Crassula (Pfennigbaum), die im Gartenhäuschen bestens überwintert haben. Gemeinsam mit der Palme daneben entsteht so eine zusätzliche mediterane Gartenimpression. Das tröstet ein wenig über den Verlust der riesigen Fichte.

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Der Sitzplatz beim Haus ist per Wasserstrahl auch schon frühlingsfein gemacht, die Zitronenbäumchen aus ihrem Winterquartier geholt und aufgestellt. Den ersten Mittagessen in der warmen Sonne steht nichts mehr im Wege!

Glaunicco: Puccini-Abend im Al Molino

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Küche

Wie das Leben so spielt: eben haben wir das Buch „Die kleinen Gärten des Maestro Puccini“ von Helmut Krausser über Leben und Lieben von Giacomo Puccini gelesen, da laden uns Elda Del Negro, die Padrona des Ristorante al Molino in Glaunicco, und ihr Mann Gino zu einem Puccini-Abend ein. „Kommt doch am Samstag abend, erst singt die Sopranistin Francesca Scaini und dann gibt es ein Menü inspiriert von Puccini.

In dem schönen Pavillon-Saal des Al Molino, in dem Hochzeiten und andere große Feste ausgerichtet werden, geht der Abend „Puccini e le sue Donne“ über die Bühne, den Frauenfiguren gewidmet, die Puccinis Opern prägen. Moira Del Negro, die ältere Del Negro-Tochter, hat den Abend überaus aufmerksam und bewährt professionell organisiert, wie auch andere Events, die heuer anläßlich „30 Jahre Al Molino“ stattfinden.

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Die Sängerin Francesca Scaini ist quer durch Europa auf Opernbühnen gefragt, vom La Fenice in Venedig über die Opera Bastille in Paris bis zur Staatsoper Hannover und zum Slowakischen Nationaltheater in Bratislava, um nur einige Beispiele zu nennen. In Österreich war sie bei Konzerten unter anderem in Graz, Innsbruck und Kärnten zu hören. Sie ist ihrer Heimat Friaul (sie stammt aus Camino al Tagliamento) stets verbunden geblieben, ihre Konzerttätigkeit ist auch hier intensiv.

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Die Sopran-Rollen in den Puccini-Opern sind ihr quasi auf den Leib geschneidert. An diesem Abend im Al Molino wird sie von dem friulanischen Pianisten‚ Chorleiter und Komponisten Francesco Zorzini am Klavier begleitet (ihn haben wir schon im Vorjahr erlebt, als er ein Konzert des Chores von Camino al Tagliaento leitete). Francesca Scaini läßt mit ihrem kraftvollen und doch nuancenreichen Sopran die Mimi (La Boheme), die Lauretta (Gianni Schicchi) und die Manon Lescaut lebendig werden. Mit den Worten „Rot wie die Leidenschaft, rot wie das Blut, rot wie die Liebe“, legt sich die Sängerin eine rote Stola um, ehe sie zur Tosca mutiert. Die Cio-Cio-San, genannt Madame Butterfly, singt sie mit ebensoviel Gefühl. „Ich liebe diese Figur für die Kraft, die sie hat“, sagt die Sopranistin über die Sklavin Liù (Turandot), die sich bekanntlich ersticht, um den geliebten Kalaf nicht verraten zu müssen. Viel Kraft hat offensichtlich auch Francesca Scaini, das strahlt sie jede Sekunde aus, egal, ob sie spricht oder singt. Viel Applaus bekommt sie dafür auch an diesem Abend im Al Molino.

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Giacomo Puccini lebte in Torre del Lago in der Provinz Lucca/Toskana. Das folgende toskanische Menü wäre so ganz nach seinem Geschmack gewesen: die Finocchiona-Salami, der Speck „Lardo Colonnata“und der toskanische Prosciutto als Antipasto, als Primo die Papardelle mit Hasenragout und als Secondo der Fasan-Braten mit den Bohnen (Puccini war ja auch leidenschaftlicher Jäger), und als Dessert Latte Portoghese (eine Art Creme Caramel). Friulanische Weine passen sehr gut dazu, es sind diesmal welche vom Consorzio La Delizia aus Casarsa. Ein großes Dankeschön an Elda Del Negro, Gino und Moira, die diesen Abend nicht nur für uns zu etwas Besonderem gemacht haben!

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Ristorante Al Molino di Glaunicco

Località Molino 4

33030 Glaunicco di Camino al Tagliamento (Ud)

Tel.: 0039 0432 919357

Email: info@almolino.com

https://www.almolino.com