Archiv für März, 2015

Baumschnitt in Varmo:
Da waren’s nur noch zwei….

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Friaul-Tagebuch

Auf unsere drei großen Fichten in Varmo sind wir stolz, seitdem wir vor mehr als 13 Jahren Haus und Garten erworben haben. Doch seit Jahren kämpfen diese Bäume und wir gegen Borkenkäfer-Befall. Unser Freund Rosano hat schon mehrfach tote Äste entfernt. Im vergangenen Herbst ist eine der drei Fichten endgültig in die ewigen Jagdgründe der Nadelbäume eingegangen. Sie wurde nun umgeschnitten. Das war unvermeidlich, auch wenn unser Herz blutet. Da waren’s nur noch zwei…..

In unseren Garten kann man nicht mit einem LKW hineinfahren, um etwa per Hebekran einen hohen Baum zu schneiden. Deshalb ist ein echter Kletter-Experte nötig, der weiß, wie man auf eine über 20 Meter hohe tote, morsche Fichte steigt und sie in Portionen umsägt. Hilfe kommt wieder einmal von unserem Freund Gerhard Töfferl, der mit seinem renommierten Klagenfurter Geschäft für Gartengeräte aller Art mit jeglichem Gartenbesitzer-Leid vertraut ist. Er hat sich kurzerhand gemeinsam mit seinem Freund Fredi ins Auto gesetzt und ist bewaffnet mit dem nötigen Gerät zu uns ins Friaul gekommen.

a0 a2 a3

Sägen und Leiter sind kaum ausgeladen, da ist Fredi schon am Weg hinauf auf unsere tote Fichte. Angeseilt am Stamm hat er rasch etliche morsche Äste entfernt und am oberen Teil des Baumes ein Seil befestigt. Das Seil halten unten Gerhard und Franz unter Spannung, damit der Baum dann richtig fällt. Aber das tut er ohnehin, denn Fredi weiß schon, wo er auf halber Höhe des Stammes einen Keil sägen muss, um danach von hinten mit kunstvollem Schnitt den oberen Teil des Stammes zu Fall zu bringen. Gemeinsam mit Gerhard Töfferl ist in unglaublichem Tempo dann am Boden der Stamm fertig entastet und in hacktaugliche Scheiben zerlegt. Dann kommt die untere Hälfte des Stammes dran. Wieder wird oben ein Seil befestigt, dann sägt Fredi knapp über dem Boden einen Keil und sägt dann von hinten den Stamm durch. Und da liegt die untere Hälfte der toten Fichte auch auf der Wiese.

a4 a5 a6 a7 a8 a9 a10 a11 a12 a13 a14 a15 a16 a17 a18 a19 a20 a21 a22 a23 a24 a25 a26 a27 a28 a29 a30 a31 a32 a33

Aber damit nicht genug: Schon ist Fredi per Leiter am Weg hinauf auf die zweite Fichte. Die ist am Leben, aber sie hat etliche trockene Äste. Die werden nun entfernt. „Fredi ist wirklich ein Baum-Chirurg“, sagt Gerhard Töfferl und auch wir sind voller Anerkennung. Jetzt werden noch die großen Stammteile am Boden zerlegt. Nach nur etwa zwei Stunden ist die ganze heikle Arbeit von den beiden Profis erledigt. Großes Kompliment! Unsere nächsten Tage werden nun dem Aufräumen, Zerkleinern und Holzschlichten gewidmet sein.

Übrigens: Unser neuer Rasenmäher und die neue Motorsense stammen ebenfalls von Töfferl, wie unsere bisherigen Gartengeräte, die von der Firma auch seit Jahren verlässlich gewartet werden.

a34 a35 a36 a37 a38 a40

Garten- und Kommunalgeräte Töfferl

Pischeldorferstraße 132

9020 Klagenfurt

Tel.: 0043 463 43342

Email: info@toefferl.at

www.toefferl.at

Sonnenstunden am Tagliamento

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Fast weiß schimmert der Schotter im Bett des Tagliamento in der Nachmittagssonne, das Blau des Himmels spiegelt sich in den Rinnsalen, die in dieser Schönwetterperiode den Fluss ausmachen. Ganz hinten sind die karnischen Berge am Horizontzu sehen. Ganz still ist es, nur das Knirschen von Kies und Sand unter unseren Füßen ist zu hören.

a1 a2 a3

Giuseppe Danussi hat an diesem Sonntag Nachmittag Zeit und Lust, mit uns und Fabiola Ferrin dort zu spazieren, wo er sich besonders oft und besonders gern aufhält: Am und im Tagliamento. Der fließt kaum mehr als einen Kilometer entfernt von Camino al Tagliamento vorbei, wo Giuseppe „Bepi“ zu Hause ist. In den Fluß-Auen ist er das ganze Jahr über unterwegs und kennt sie wie die sprichwörtliche Westentasche. „Schaut da ins Wasser hinunter“, sagt er, „die kleinen Fischchen, da kann die riesige Forelle, die ich in den letzten Tagen hier gesehen habe, nicht weit sein.“

a4 a5 a6

Diese Forelle hat aber offenbar keine Lust, sich auch sonntags blicken zu lassen. „Dort ist eine Risorgiva, eine Quelle, aus der das Wasser direkt in dieses Rinnsal aufsteigt.“ Bepi erzählt, dass vor etwa 40 Jahren die Betonsockel der Strommaste im Tagliamentobett gar nicht zu sehen waren; weil aber lange Zeit von Baufirmen tonnenweise Schotter entnommen wurde, ragen die Sockel jetzt wie Monumente aus der Ebene des Flusses. „Da hier auf der Seite sieht man auch gut, dass hauptsächlich der feine Kies abtransportiert wurde, der grobe wurde in die Au geschüttet“. Inzwischen ist die Kiesentnahme ja Gott sei Dank verboten.

a7 a8 a9

„Das hier ist ein melo selvatico, ein wilder Apfelbaum“, zeigt uns Bepi etwas weiter in der Au. „Wer am Tagliamento wohnt, braucht nicht zu hungern“, scherzt er. „Ich habe einen Freund, der macht Marmelade aus dem Obst, das hier wächst“. „Was wächst hier außer wilden Äpfeln?“ „Emui zum Beispiel, kleine Ringlotten“. Und der wilde Spargel, der hier neben dem Gestrüpp demnächst treiben wird, ist bestimmt auch nicht zu verachten.

a10 a11 a12

Bepi führt uns etwas tiefer hinein in das Gestrüpp. Radfahrer haben hier schmale Pfade ausgefahren. Nicht weit davon ist der Boden voller großer Löcher. „Wisst Ihr, was das ist?“ Wir schütteln den Kopf. „Fuchslöcher! Da, dieser Bau hier ist offenbar noch bewohnt, man erkennt das an dem frisch weggescharrten Sand!“ Später beobachten wir im Flussbett auch Spuren von Rehen, von Hasen, von Vögeln……und von Menschen, von Autos. Mit Fahrzeugen, auch mit Motorrädern im Flussbett herumzurasen ist auch nicht mehr erlaubt. Und doch sind das ganze Jahr immer wieder viele auf zwei und vier Rädern hier unterwegs. Heute ist es aber ruhig. Nur einmal fahren zwei Jeeps von forestali, Forstwächtern, den Fluss entlang. Die schon aufgeblühten Weidenkätzchen werden jedenfalls nicht angestaubt.

a13 a14 a15 a16 a17 a18

Wir queren das Flußbett, steigen durch weite Kies- und Sandflächen und über bizarre Schwemmhölzer, finden eine gar nicht so kleine Wasserfläche mittendrin und lassen dort wie die Kinder flache Steine übers Wasser hüpfen. Und wäre es nicht erst März, wir hätten wohl sofort Schuhe und Socken ausgezogen und wären durchs Wasser gewatet. Aber das müssen wir uns für den nächsten Tagliamentospaziergang aufheben.

a19 a20 a21 a22 a23 a24

Cividale & Camino al Tagliamento:
Kriegs-Gedenken

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Der Erste Weltkrieg dauerte – ausgelöst durch die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo am 28.Juni 1914 – schon etwa 8 Monate, als am 23.Mai 1915 Italien Österreich-Ungarn den Krieg erklärte. Kein Wunder also, dass es auch in Friaul heuer zahlreiche Gedenkveranstaltungen zum „Grande Guerra“ (wie der Erste Weltkrieg in Italien genannt wird) gibt und die Schauplätze des blutigen Geschehens sowie die Museen von vielen historisch Interessierten besucht werden.

In Cividale etwa ist noch bis zum 29.3. die Ausstellung „Frammenti di Memorie“ (Fragmente der Erinnerung) zu sehen. In der ehemaligen Kirche Santa Maria dei Battuti gleich hinter der berühmten Teufelsbrücke („Ponte del diavolo“) wird die Geschichte der Gemeinde in den dramatischen Zeiten des „Grande Guerra“ nachgezeichnet. Die ersten Bomben waren schon 1915 auf Cividale gefallen, bis 1917 wird der Ort immer wieder bombardiert wegen seiner für die Isonzo-Front wichtigen Lage. Am 24.Oktober 1917 wird das italienische Heer in der 12.Isonzoschlacht bei Karfreit (Caporetto) vernichtend geschlagen, Cividale wird stark zerstört und von den österreichisch-ungarischen Truppen kurz danach besetzt. Die sich zurückziehenden Italiener sprengen die Teufelsbrücke mit einer Mine. Eindrucksvolle Fotos zeigen den zerstörten „Ponte del diavolo“ und seinen Wiederaufbau, der kaum ein Jahr dauerte.

a1 a2 a3 a4 a5 a6

Abgesehen von solch wohl vorbereiteten Ausstellungen sind aber auch andere museale Sammlungen zu entdecken. Etwa die des Giuseppe „Peppino“ Zamparini in Camino al Tagliamento. Schon lange haben uns Freunde von diesem Privatmuseum erzählt. Nun haben wir es endlich selbst besucht. Gleich hinter der Kirche Pieve di Rosa hat Zamparini auf seinem Anwesen Waffen und Kriegsrelikte zusammengetragen, vieles aus dem Ersten Weltkrieg, aber auch aus dem Zweiten. Schon im Hof sind Bomben, Kanonen, Kuppeln von Shermann-Panzern gelagert. In der Halle daneben hat Zamparini von Waffen über Uniformen bis zu Fahnen und Druckwerken alles zusammengestellt, was er bekommen konnte. Teils hat er Gegenstände selbst bei Wanderungen in den Bergen gefunden, etwa wo der Erste Weltkrieg entlang des Isonzo getobt hat, teils hat er seine Sammlung durch Ankäufe über Jahrzehnte immer weiter vergrößert. Schulklassen und Interessierte fortgeschritteneren Alters lauschen regelmäßig seinen historischen Erläuterungen, wenn er durch die Halle führt. So auch wir.

a7 a8 a7a a9 a10 a11

Am Ende zeigt er uns noch ein besonders wertvolles Gewehr. „Das hat im Jahr 1860 Giuseppe Garibaldi dem Carabinieri-Kommandanten Antonio Mosto aus Genua für seine Verdienste geschenkt“, erklärt uns Zamparini. 1860 hatte ja Garibaldi, der berühmte Kämpfer für die Einheit Italiens, den „Zug der Tausend“ (Spedizione dei Mille) nach Sizilien gestartet. Diese etwa 1000 Mann starke Freiwilligentruppe wollte die Insel von der Herrschaft der spanischen Bourbonen befreien. Was auch gelang. Der Bourbonenkönig Franz II. floh, Garibaldi ernannte sich selbst zum Diktator und zog danach siegreich auch in Neapel ein. Doch Garibaldi musste bald von seinem Herrschaftsanspruch zurücktreten. Trotzdem ist er nach wie vor für viele Italiener wegen seines Kampfes für Italien eine beliebte und volkstümliche Hauptgestalt des Risorgimento, der Einheitsbewegung, im 19.Jahrhundert. Ein Erinnerungsstück an ihn im friulanischen Camino zu finden, ist für uns jedenfalls eine große Überraschung.

a12 a13 a14

Ausstellung „Frammenti di Memorie“ (bis 29.3.2015)

Chiesa di Santa Maria dei Battuti

33043 Cividale del Friuli

Öffnungszeiten: Mi & Do 10 – 13 h, Fr, Sa, So 10 – 13 und 14.30 – 18 h

Privates Kriegs- und Waffenmuseum

Giuseppe Zamparini

Località Pieve di Rosa 21

33030 Camino al Tagliamento

Tel.: 0043 0432 919308 oder 0043 333 4875746

Vor geplantem Besuch unbedingt anrufen!

Vorfrühling im Friaul

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Knapp zwei Wochen noch bis zum Frühlingsbeginn, aber im Friaul ist der Frühling jetzt schon deutlich zu bemerken: sowohl in unserem Garten als auch bei Ausflügen quer durchs Land. Jeden Tag reden wir derzeit unseren zwei Marillenbäumen gut zu, sie mögen doch mit dem Blühen noch warten, es könnte ja nachts noch einmal Frost kommen. Aber sie lassen sich nicht beirren und machen täglich mehr Knospen auf.

Wir fahren nach Cividale und genießen auch dort beim Herumspazieren die – trotz leichter Bora – schon wärmende Sonne. Im Wald zwischen Cividale und Albana di Prepotto leuchten ganze Flecken mit lilafarbenen Krokussen.

a1 a2 a3

Bei Marco und Gioia in der Trattoria „Da Mario“ in Prepotto ist nach dem Überfall auf Sohn Giacomo in der Küche vor gut einem Monat wieder einigermaßen Alltag eingekehrt. Der Räuber ist bis jetzt nicht gefasst. Der „Sonnenschein“ der Familie ist jedenfalls der knapp 7 Monate alte Riccardo, Giacomos und Annas Sohn, mit dem die ganze Familie unbändige Freude hat. „Komm, mach ein Foto von vier Generationen der Grassi“, sagt Marco. Und schon sind vor dem Bild von Marcos Vater Mario hinter der Theke Klein-Riccardo, Giacomo und Marco gruppiert.

a4 a5 a6

Der Winzer Lino Casella kommt vorbei und meint, wir müssten aber bei ihm auch noch vorbei schauen. Was wir gerne tun. Er zeigt uns alte Werkzeuge zur Weinerzeugung, zum Beispiel zwei blaue Glasbehälter, mit denen früher der Schwefel dosiert wurde. Seinen Weingarten gleich beim Haus hat Lino schon geschnitten und den Boden unter den Reben mit einem speziellen Grubber aufgebrochen. Ein Schluck von einem Rosè-Spumante – ein Testprodukt aus Pinot nero, gemeinsam erzeugt mit Weinbaustudenten aus dem Trento: „Nicht schlecht!“, finden wir anerkennend. Noch ein Schluck von Linos vorzüglichem Friulano, dann geht’s weiter. Die Sonne des Spätnachmittags zeichnet die friulanische Landschaft in ihrer ganzen Schönheit nach, von den Bergen bis zur Ebene.

a7 a8 a9 a10 a11 a12

Ein Abendspaziergang in Udine ist angesagt. Das dämmrige Licht malt bunte Reflexe auf die schönen Häuser des Zentrums. Bald werden die Tische vor den Bars im Freien wieder gefüllt sein. Nach dem kleinen Rundgang im Zentrum fahren wir an den Südrand von Udine. Dort rundet sich dieser Vorfrühlingstag nämlich in der „Wine Bar Cucina“ mit einem Abendessen, zu dem Ennio Furlan, Koch und Kräuterexperte, eingeladen hat. Gemeinsam mit seinem Kochkollegen Claudio Cucina hat Ennio die ersten Sprossen des wilden Hopfens, des luppolo, in eine köstliche Frittata verarbeitet, ergänzt von eingelegtem wilden Radicchio. Und den ersten Sclopit, das Leimkraut, hat Ennio auch schon auf den Wiesen gefunden. Daraus haben er und Claudio ein wunderbar frühlingshaftes Risotto gezaubert. Der Baccalà, der Stockfisch, als Hauptspeise findet auch großen Anklang. All das begleitet vom feinen Wein, den Roberto Komjanc auftischt – so lassen wir uns den Vorfrühling gefallen.

a13 a14 a15 a16 a17 a18

Unser nächtlicher Weg heim nach Varmo ist hell erleuchtet: Vom wolkenlosen Himmel strahlt der Vollmond.