Archiv für Juli, 2015

Das Val Resia und sein Knoblauch

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Friaul-Tagebuch, Küche, Tipps

Romantisch, urtümlich, weniger bekannt, aber von Wanderern geschätzt – das ist das Val Resia im Friaul. Eingeweihte kennen es wegen der Scherenschleifer, der ganz speziellen Faschingsbräuche und – um diese Jahreszeit – wegen des Knoblauchs.

Zu finden ist das Val Resia einfach: Wer auf der Bundesstrasse von Tarvis in Richtung Süden fährt, trifft etwa auf der Höhe von Moggio Udinese den Ort Resiutta und die Abzweigung nach links ins Val Resia. Einst lebten hier viele arottini, Scherenschleifer, die durch die ganze Region zogen und Messer und Scheren schärften. Im Ort Stolvizza ist ein kleines Museum dieser Tradition der arottini gewidmet.

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Doch im Sommer steht das Tal im Zeichen des Knoblauchs, der hier gezogen wird und sich durch besonderes Aroma von anderen Arten abhebt. In dem einschichtigen Tal haben sich viele sonst kaum noch zu findende Pflanzenarten erhalten, so auch diese spezielle Variante des Knoblauchs. L’aglio di Resia ist eine Spezialität mit Tradition. Ein Slow-food-Presidio, also ein Netzwerk von engagierten Landwirten, Händlern, Köchen und qualitätsbewussten Verbrauchern bemüht sich um den Erhalt des aglio di Resia. Italienisch heißt Knoblauch bekanntlich „aglio“, im resianischen Dialekt wird er „Strok“ genannt. Das Resianische ist eine Sprache, die viel slawischen Einschlag hat, denn die ursprünglichen Bewohner waren Slawen. Von deren Kultur hat sich viel erhalten. Jeden Sommer, wenn die Knoblauchernte beendet ist, wird im Val Resia die „festa dell’aglio“, das Knoblauch-Fest gefeiert. So war es auch heuer Verschiedenste Produzenten boten frischen Knoblauch in Zöpfen, Büscheln und Ringen an. Als Creme oder eingelegt im Glas, als Gewürz in Grissini fand auch mancherlei Knoblauch seinen Käufer. Im Haus der Alpini in Stolvizza wurde von Ennio Furlan und Claudio Cucina ein Knoblauch-Degustationsmenü aufgekocht. Klassiker wie geröstetes Brot mit Öl und Knoblauch sowie Spaghetti aglio, olio e peperoncini gab es da ebenso zu probieren wie moderne Mischungen mit Ingwer oder aromatisierter Käse, das alles begleitet von Weinen der Azienda Petrucco aus Buttrio. Und in allen Gasthäusern des ganzen Tals gibt es immer zu diesem Fest ebenso Speisen mit dem ‚aglio di Resia’ im Angebot. Aber auch wenn man nicht gerade zur festa ins Val Resia kommt, findet man Landwirtschaften, bei denen der Knoblauch zu erwerben ist.

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Mehr über das Val Resia in unserem Buch „Friaul erleben“, Styria Verlag.

Stella, Boschi e Laguna–Konvention

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Küche, Wein

Die Schönheit der Landschaft, die Artenvielfalt von Flora und Fauna, das abwechslungsreiche Angebot an typischen landwirtschaftlichen Produkten – all das zeichnet die Gegend rund um den Fluss Stella in der friulanischen Ebene aus. Elf Gemeinden haben sich nun für das Projekt „Stella, Boschi e Laguna“ (Stella, Wälder und Lagune) zusammengeschlossen, um dieses ihr Territorium auf vielfältige Weise zu fördern und bekannter zu machen.

Die Stella ist ein Risorgive-Fluss, das heißt, sie bildet sich aus etlichen kleinen Rinnsalen, die westlich von Bertiolo als Quellen aus dem Boden auftauchen. Wiesen und Waldstücke begleiten ihren Lauf bis zur Lagune von Marano Lagunare. Ganz nahe unseres Ortes Varmo, in Ariis (Gemeinde Rivignano), zieht die Stella eine Schlinge rund um die Villa Savorgnan Ottelio. Der Park vor dem heute leerstehenden, verfallenden, aber noch immer eindrucksvollen Gebäude sollte heute Schauplatz der Unterzeichnung der Konvention „Stella, Boschi e Laguna“ durch die 11 Bürgermeister und die zuständige Assessorin der Region Friaul-Julisch Venetien sein. Aber ein heftiges Unwetter zwingt zur Verlegung der Veranstaltung. Und so übersiedeln die Gemeindechefs und all jene, die ihre Köstlichkeiten zum Probieren mitgebracht haben, sowie die Journalisten und andere Gäste in den Gemeinderatssaal des nahen Rivignano. Bürgermeister Mario Anzil ist stolz darauf, dass Rivignano massgeblich zur Ausarbeitung des Textes der Vereinbarung zwischen den Gemeinden beigetragen hat. Auch unser Ort Varmo mit Sindaco Sergio Michelin ist mit dabei, ausserdem Bertiolo, Talmassons, Castions di Strada, Pocenia, Palazzolo dello Stella, Precenicco, Muzzana, Carlino und Marano Lagunare. So wird der Event heute ein hübscher Aufmarsch der Herren Bürgermeister mit ihren grün-weiss-roten-Schärpen. Die Region (Bundesland) Friaul Julisch Venetien ist in Person von Assessorin ( Landesrätin) Mariagrazia Santoro (zuständig für Infrastruktur, Raumplanung etc.) mit dabei.

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Die Initialzündung für das Kooperationsprojekt kam von den Universitäten Udine, Triest, Padua und Venedig, die die Politik auf die ökologische und kulturelle Bedeutung des Stella-Gebietes hingewiesen haben (die Gegend ist ja auch teilweise Natura 2000-Schutzgebiet). Professor Pierluigi Grandinetti von der Universität Venedig weist auf die vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten des Landstrichs rund um die Stella hin und lacht: „Schauen Sie, was die Übersiedlung der Veranstaltung hierher in den Gemeinderatssaal sichtbar macht: die Bürgermeister und die Assessorin werden eingerahmt von den Produzenten, von denen die die Gegend mit ihrer Arbeit, mit ihren Produkten auch prägen. Die ‚ruralità’ (der ländliche Raum) ist die Basis unseres Lebens.“

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Assessorin Santoro läßt indessen wissen, dass die Region die Villa Savorgnan Ottelio nun der Gemeinde Rivignano schenkt, samt einer Förderung von etwa 2 Millionen Euro zur Restaurierung, um einen attraktiven Veranstaltungsort daraus zu machen. Die Villa war ja in vergangenen Jahrhunderten einer der Wohnsitze eines Teils der Familie Savorgnan, einst eines der mächtigsten Adelsgeschlechter im Friaul. Die wahre Geschichte von Romeo und Julia stammt aus dieser Familie, es ist die Geschichte von Lucina und Luigi (wie wir ja in unserem Buch „Friaul erleben“ ausführlich beschrieben haben). Weshalb auch die an der Villa vorbeiführende Strasse Via Lucina Sarvorgnan Giulietta heißt.

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Nun ist aber das Kosten der Spezialitäten angesagt: vom Fisch und Fasolari-Muscheln aus der Lagune von Marano bis zum Kaninchenbraten aus Castions di Strada, von Gemüse aus Varmo bis zu Aufschnitt und Käse der verschiedensten Produzenten, von den ersten Früh-Äpfeln bis zur geräucherten Forelle. Die Enoteca di Bertiolo bietet Weine der Region zur Verkostung an, vom Ribolla Gialla Spumante von Pitars über Friulano von Grossutti bis zum Refosco von Baccichetto.

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Kein Zweifel, rund um die Stella gibt es viel zu entdecken! Die Aktivitäten zum Projekt „Stella, Boschi e Laguna“ sind für die 11 Gemeinden zweifellos eine schöne Herausforderung!