Sneznik – Berg & Karstfluss Reka

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Ein Berg, ein Fluss, drei Länder – ein Naturphänomen. Den Berg Sneznik und den Fluss Reka haben wir erforscht, ein interessanter Ausflug, den wir gemeinsam mit Daniela, Rosano, Clivia und Giorgio unternommen haben.

Das Karstmassiv des Sneznik ist 1796 Meter hoch und liegt im Südwesten von Slowenien. Die Ausläufer reichen über die Grenze zu Kroatien. Die Italiener nennen den Sneznik „Monte Nevoso“ und einige haben eine spezielle Beziehung zu dem Berg. Denn im Ersten Weltkrieg kamen hier bei heftigen Kämpfen viele Soldaten der Alpini ums Leben. Das wird in dem Lied „Le campane del Monte Nevoso“ besungen, ein noch immer einigermaßen bekanntes Lied. Wir sind neugierig auf die Gegend und fahren über Triest hinüber nach Slowenien und in den Ort Ilirska Bistrica. Der Name geht auf das „Königreich Illyrien“ zurück, das war eine Verwaltungseinheit des Kaiserreiches Österreich zwischen 1816 und 1849. Entsprechend finden sich dort noch etliche Gebäude, die auf die Monarchie hinweisen. Von diesem Ort führen mehrere Strassen und Wege in die Bergwelt des Sneznik. Wir nähern uns dem Berg über Knezek und die malerische Hochebene von Koritnice an. Masun ist dann kaum mehr als ein Gasthaus, einst ein im 1. und im 2.Weltkrieg umkämpfter Ort, heute aber ein für Wanderer wichtiger Ausgangspunkt. Rosano und Franz legen rasch eine Boccia-Partie ein, wohl bewacht von einem riesigen geschnitzten Bären. Wo gibt es hier einen Punkt mit gutem Blick auf den Sneznik? Im Gasthaus bekommen wir Auskunft. Ein paar Kurven geht es eine Staubstrasse entlang und dann noch 10 Minuten zu Fuß durch den Wald, dann ist der Gipfel trotz des dunstigen Mittagslichtes gut zu sehen. Das Stichwort Staubstrasse bleibt uns für die nächsten Kilometer erhalten: Wir fahren – unter Erzeugung riesiger weiße Wolken – viele Kilometer lang rund um den Sneznik auf etwa 1200 Meter Höhe herum. Viel Wald, Felsen, Karstformationen, kaum Wanderer….es ist eine ziemlich einsame Gegend.

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Bei unseren Ausblicken in Richtung Süden klinken wir uns geistig in ein ganz besonders Karstphänomen ein, das hier seinen Anfang nimmt: Nur wenige Kilometer südlich in den Sneznik-Ausläufern auf kroatischem Gebiet entspringt der Fluss Reka. Aber bald nach dem Ursprung ist er auch schon auf der slowenischen Seite gelandet und fließt weiter an Ilirska Bistrica vorbei Richtung Nordwesten. Wir folgen nun dem Flusslauf und treffen so auf schöne Aussichtspunkte, wie etwa die Burg Prem. Der Bau stammt aus dem 11.Jahrhundert, wurde immer wieder erweitert und hatte viele Besitzer (etwa die Grafen von Duino, Habsburg, Porcia, Gorizia, die Republik Venedig). Heute im Staatsbesitz birgt die Burg ein nettes, kleines Museum und einen Saal mit düsteren, aber interessanten Wandmalereien aus den 1920er Jahren. Zu Füßen der Burg zieht der Fluss Reka seine kurvige Bahn weiter. In der Folge wird er fast durchgehend von Bäumen so versteckt, dass wir – auf der Straße unterwegs – meist nur ahnen können, dass er gleich daneben fließt.

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Etwa 25 Kilometer weiter kommt dann ein besonders spannender Abschnitt: Der Fluss verschwindet in einer der in der Gegend häufigen Karstgrotten, in der Skocjan Jama. Ein Besucherzentrum weist uns den Weg. Für eine Grottenwanderung ist an diesem Nachmittag es schon zu spät, aber der Aussichtspunkt ist leicht per 10 Minuten-Spaziergang (begleitet von vielen Dirndl-Bäumen / Cornus mas und ihren roten Früchten) zu erreichen…..und der Blick ist wirklich eindrucksvoll: Ein Dolineneinbruch lässt die Felsen 164 Meter tief abreissen, beim Hinunterschauen ist Gänsehaut vorprogrammiert. Unten die Wasserlöcher und Höhleneingänge, in denen der Fluss Reka verschwindet.

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ABER: damit ist sein Leben als Fluss noch lange nicht vorbei !!!! Über 40 Kilometer lang fließt er unterirdisch weiter und…….erscheint in Italien wieder an der Oberfläche – das dritte Land seines Flusslaufes: Nahe San Giovanni di Duino taucht er wieder auf. Dort beschließen wir unseren Ausflug, bei den Quellen des Timavo. Denn so heißt der Fluss jetzt hier! Seine felsigen Quellen sind diesmal ganz friedlich, es hat lange nicht geregnet, und so lässt nur ein langsam ziehendes gelbes Blatt erkennen, dass das Wasser doch in Bewegung ist.

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Wir kennen die Szenerie auch anders. Nach langem Regen kann das Wasser des Timavo wie gewaltige Fontänen aus dem Felsen schießen und die ganze Umgebung inklusive der Kkeinen Kirche überschwemmen. Wie man herausgefunden hat, dass diese Quellen zu dem in Slowenien verschwindenden Fluss Reka gehören? Forscher haben einst bei der Skocjan-Grotte Farbe in den Flusslauf geschüttet und das gefärbte Wasser ist hier nahe Duino wieder ans Licht gekommen. Ein wahrlich rares Naturphänomen ist also dieser Fluss, der mit zwei Namen in drei Ländern seinen Weg zieht. Kaum mehr als einen Kilometer von seiner „zweiten Geburtsstätte“ weiter mündet er dann nahe Villaggio al pescatore ins Meer.

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