Archiv für Januar, 2016

Bergamotten – ein wahrer Genuss !

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles, Küche, Rezepte

Bei einem Italiener und einer Österreicherin in Wien über Friaul, Kalabrien und Bergamotten zu plaudern, bringt Sonne in den Winter. Der Kalabrier Domenico Pugliese und die Salzburgerin Brigitte Schmidhuber verkaufen in ihrem Geschäft „Casa Caria“ (Wien 7., Schottenfeldgasse 48A) vielerlei Zitrusfrüchte und seit kurzem Bergamotten. Die beiden wissen unheimlich viele Details über diese Frucht zu erzählen.

Der Name Bergamotte klingt irgendwie nach sonnigem Süden, und genau aus Kalabrien kommt die bei uns fast unbekannte Zitrusfrucht auch. Als Bergamotte bezeichnet man eine Gruppe von Sorten aus der Gattung der Zitruspflanzen, die als Hybride aus Zitronatzitrone und Bitterorange entstanden sein könnten.

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Zwei Jahre hat Domenico Pugliese gebraucht, um in Kalabrien einen Produzenten zu finden, der auch nach Wien liefert. Seit Samstag hat er mit seiner Frau zum Bergamottentest in die Casa Caria eingeladen. Gekostet werden können Bergamottenscheiben im Vergleich zu andern Zitrusfrüchten, Bergamottensaft mit Prosecco oder auch Bergamottenmarmelade auf Parmesan. Vielfältige Genüsse!

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Das Rezept für „Konzentrierte Bergamotte“ für 3 bis 4 Gläser funktioniert nach Brigitte Schmidhuber so:

Zutaten: Etwa 8 Bergamotten, 500 g Gelierzucker 2:1.

Die Bergamotten fein schälen, die aromatischen Schalen mit ein wenig Bergamottensaft für fünf Minuten im Topf dünsten, mit dem Pürierstab zerkleinern, etwas auskühlen lassen. Den Saft der Bergamotte zugießen, bis etwa ein Liter zusammenkommt. In einem Topf mit 500g Gelierzucker vermischen, einige Minuten aufkochen lassen. Heiß in saubere Gläser abfüllen.

https://www.CasaCaria.com

Der Monte Lussari bei Tarvis:
Wallfahrtsort und Erholungsraum

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Sie sind über die Grenzen hinaus bekannt: die Wallfahrtsorte in Friaul Julisch Venetien. Einer der berühmtesten ist der Monte Lussari gleich nach der österreichisch-italienischen Grenze bei Tarvis. Bis heute ist das Santuario Madonna del Lussari ein Zielpunkt für Pilger aus Friaul Julisch Venetien ebenso wie aus Slowenien und Österreich. Aber auch Wanderer und Schifahrer lieben den Berg mit der Kirche und ein paar Gasthäusern.

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Das Santuario Madonna del Lussari auf dem Monte Lussari auf 1789 m ist als Madonnenwallfahrtsort seit je den drei Völkern gewidmet, dem romanischen, slawischen und deutschen. Seit 1360 gibt es auf dem Monte Lussari eine Kirche, errichtet der Legende nach an einer Stelle, wo ein Hirte immer wieder seine Schafe kniend vor einer Madonnenstatue in einem Wacholderbusch vorgefunden hatte. Über die wirklichen Anfänge des Wallfahrtsortes gibt es kaum Informationen. Mag sein, dass die erste einfach bäuerliche Kultstätte im Zusammenhang mit den Einfällen der Türken ins Kanaltal Ende des 15.Jahrhunderts zu tun hat. Aus dem 17.Jahrhundert gibt es dann schon Zeugnisse, dass der Wallfahrtsort bereits einige Bedeutung hatte. Im 18.Jahrhundert taucht Maria Luschari erstmals auf Landkarten auf. Es gab Trägerinnen und Träger, die die Lasten der Pilger auf den Berg trugen.

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Unter Joseph II. wurde die Wallfahrtskirche 1786 aufgehoben und das Gnadenbild, eine mit einem Velum aus Seide bekleidete Statue aus Lindenholz, kam hinunter nach Seifnitz/Camporosso. Die Kirche begann zu verfallen. Allerdings schon 1790 wurde nach Joseph II. Tod die Wallfahrt wieder zugelassen. Im Jahr 1860 soll es über 150.000 Besucher gegeben haben.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Kirche und die Pilgerhäuser davor zerstört. Schon kurz nach der Kriegserklärung italiens an Österreich-Ungarn am 23.Mai 1915 erfolgte heftiger Beschuss durch die italienische Artillerie. Das Gnadenbild hatte man aber vorher in Sicherheit gebracht, erst nach Saifnitz, dann zu den Franziskanern nach Villach. 1925 konnte es in der wieder aufgebauten Kirche neu aufgestellt werden. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Kirche geschossen, das Gnadenbild fand wieder Schutz im Pfarrhaus von Saifnitz. 1945 kehrte es wieder zurück auf den Berg.

1960 zum 600-Jahr-Jubiläum wurde die Kirche renoviert. Von der Kapelle des 16.Jahrhunderts ist das heutige Presbyterium erhalten geblieben. Die Häuser rund um die Kirche wurden für das Jubiläumsjahr 2000 hergerichtet. Wer jetzt, also 2016, auf den Monte Lussari kommt, schreitet anlässlich des von Papst Franziskus initiierten Heiligen Jahres der Barmherzigkeit auch hier durch eine Heilige Pforte in die Kirche. Die Wandmalereien im Inneren sind vom slowenischen Maler Tone Kralj. Sie stellen die Madonna als Zuflucht der Leidenden und Betrübten, Maria Verkündigung, die Flucht nach Ägypten, Jesus in der Synagoge, Maria betend unter dem Kreuz und die Krönung Mariae dar.

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Heute ist der Zustrom aus beiden Ländern wieder groß. Gottesdienste werden oft in deutsch, slowenisch und italienisch gehalten. Selbst wenn an strahlenden Wintertagen der Monte Lussari hauptsächlich den Schifahrern gehört, so finden sich doch täglich auch Menschen, die ohne Schi mit der Seilbahn / Telecabina hinauffahren zum Santuario.

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Bis zum 29.März 2016 kann man das täglich von 9 bis 16 Uhr tun. Nachtschilauf gibt es Dienstag und Freitag, dann fährt die Seilbahn auch von 19 bis 22.45 Uhr.

https://www.promotur.org/tarvisio/infoneve

Cedro-Salat – eine köstliche Vitaminbombe

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles, Küche

Diese Frucht hat uns schon schon immer fasziniert: Der Cedro, also die Zedratzitrone. Cedro heißt zwar auf italienisch auch der Baum Zeder, aber damit haben diese Zitrusfrüchte gar nichts zu tun. Der lateinische Name lautet Citrus medica – eine Frucht mit viel warziger Schale, aber wenig Fruchtfleisch und Saft. Zedratzitronen waren – so lesen wir – das erste in Europa bekannte Zitrusgewächs, es soll schon im 2.Jahrhundert vor Christus mit der Wanderung der Juden aus dem Iran (dem Land der Meder, deshalb Citrus medica) nach Italien gekommen sein.

In Sizilien wird aus der dicken Schale der Cedri Zitronat kandiert oder auch – entsprechend dem Zitronenlikör Limoncino – der Likör Cedrino erzeugt. Der fahrende sizilianische Händler, bei dem wir unlängst im friulanischen Gorizia ein paar Cedri erworben haben, legte uns jedenfalls ans Herz Cedro-Salat zu machen. Was wir ausprobiert und sehr genossen haben!

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Rezept (Cedro-Salat für 3 – 4 Personen):

Einen Cedro (in der Größe von etwa zwei Fäusten) quer halbieren, den Saft auspressen, dann die Hälften der Länge nach nochmals halbieren und das ausgepresste Fruchtfleisch mit einem kleinen Löffel entfernen. Jetzt die Cedro-Viertel in möglichst feine Scheiben schneiden. Eine Marinade aus dem Cedro-Saft, 1/10 l Olivenöl, Salz, Pfeffer und 2 Esslöffel gehackter Petersilie anrühren und mit den Cedro-Scheiben vermischen. Ein paar Stunden durchziehen lassen!

Als Vorspeise zum Beispiel auf Rucolablättern oder als Beilage zu Fleisch (besonders gut passt unserer Meinung nach ein rasch abgebratenes, mit Salz, Pfeffer und Kräutern gewürztes Putenschnitzel) servieren.

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So viele Vitamine auf so köstliche Weise zu sich zu nehmen macht wirklich Spaß!

Friaul-Weintag 2016 in Wien

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Küche, Weinempfehlungen aus Friaul

Eine tolle Veranstaltung war der Friaul-Weintag 2016 in Wien! Trotz des Ortswechsels vom Museumsquartier in das Marriott Courtyard Hotel Wien Messe war der Andrang mindestens so groß wie immer. Friulanische Winzer, die Stammgäste sind bei der Veranstaltung, aber auch neue und solche, die schon länger nicht da waren, erfreuten nicht nur den Veranstalter Wolfgang Obermaier mit seiner Partnerin Rosa Yoselin, sondern auch die vielen Weinfreunde. Auf großes Interesse stießen auch wieder unsere Friaul-Bücher und wir konnten manchem mit Ratschlägen in Sachen Friaul behilflich sein.

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Gleich neben uns bot das Weingut Ferruccio Sgubin aus Dolegna del Collio seine Weine an. Gianni Sgubin mit seinem Sohn Marco, seine Schwester Lucia Sgubin begeisterten – assistiert von Elena und Silvano – mit ihren Weinen ebenso wie mit den angebotenen Teigtaschen mit Schioppettino. Sie betreiben ja auch ein Ristorante in Dolegna mit dem Namen „Al Cjant das Rusignul“ (Gesang der Nachtigal). Wir haben rasch unsere Wein-Favoriten gefunden: Der Sgubin’sche Sauvignon Petruss 2014 und auch der Merlot Redmont 2012!

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Aus der Gegend Prepotto und Umgebung gab es bewährte Qualität zu kosten. Erstmals seit 15 Jahren wieder beim Weintag dabei das Weingut Petrussa von Gianni und Paolo Petrussa, nicht zu verwechseln mit Vigna Petrussa von Hilde Petrussa. Da wie dort und auch bei Anna Muzzolini, der Chefin des Weingutes Grillo, bei Valerio Marinig sowie Colli di Poianis, Denis Pizzulin und den Brüden Stanig ist der jeweilige Schioppettino immer ein Genuss. Und nicht nur der! Erfolgreich wieder dabei auch das Weingut Castello Sant’Anna / Cividale.

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Welche Überraschung, dass wir beim Stand des Winzers Flavio Pontoni unseren Bekannten Giovanni Munisso entdeckten, der im Friaul mit seinen Kenntnissen als Weintechniker moderierend immer wieder Weinveranstaltungen begleitet! Neu dabei auch die Azienda Tarlao Sabino aus Aquileia. Einer unserer Lieblingsweine dieses Weintages war der aus Schioppettino-Trauben mit Charmat-Methode erzeugte Spumante Millebolle Rosè Extra Dry des Weingutes La Magnolia.

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Stark vertreten diesmal die Zone von San Floriano del Collio. Da lösten sowohl die Azienda Korsic als auch die Azienda Humar bei den Degustierenden besondere Freude aus. Delikatessen aus dem Karst mitgebracht hatte Andrej Skerlj von der Fattoria Bajta aus Sgonico bei Trieste. Feiner Vitovska, Terrano und Malvasia und auch der in einer Karsthöhle gereifte Prosciutto waren überzeugende Botschafter der Karstregion.

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Wie immer haben wir unter den Besuchern nette Bekannte entdeckt, wie z.B. Erich Hempfling, Gerhard Hörr und Beatrix Sinwel, aber auch überraschende neue Bekanntschaften gemacht: Da stand plötzlich vor uns Nicola Pizzutti, der Bruder der Chefin der Libreria Dante in Grado Carol Pizzutti. Und besonders nett auch folgende Begebenheit: ein junges Besucherpaar erkundigt sich auf italienisch, woher der Name Hlavac kommt. Aus dem Tschechischen, teilen wir mit. Die junge Frau outet sich nun als Tschechin. Sie heißt Jana Vaskova. Und nun im Gespräch mit ihrem Begleiter stellt sich heraus: es handelt sich um Daniele Grossutti aus Bertiolo, das zu den Nachbarorten unserer friulanischen Zweitheimat Varmo zählt! Die Familie Grossutti betreibt einen erfolgreichen Weinbaubetrieb, dessen Wein wir öfter verkostet haben, und eine nette Trattoria in Bertiolo! Und schon ist vereinbart: demnächst kommen wir dorthin. Die Welt ist wirklich klein!

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