Archiv für April, 2016

Mai-Feiertage: Austellungstipps für Friaul

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Frühling im Friaul ist auch Ausstellungszeit! Zwei Beispiele, die Sie sich keinesfalls entgehen lassen sollten: Im Weingut Ferrin sind die Schwemmholz-Keramik-Skulpturen von Herbert Steiner zu sehen, ergänzt von einigen unserer schönsten Fotos vom Tagliamento. In der Villa Manin wird in der großen Schau „Memorie“ (Erinnerungen) an die schweren Erdbeben im Friaul vor 40 Jahren erinnert.

Herbert Steiners Skulpturen erwecken Holz zu neuem Leben. Es sind Hölzer, die von ihrer Geschichte erzählen und von der Geschichte der Gewässer, von denen sie mitgetragen und dann angeschwemmt wurden. Im Tagliamento, am Strand der Adria, an der Donau hat Herbert Steiner diese Hölzer gefunden und ihnen mittels Keramik zu einer Wiedergeburt verholfen. „Rinascita“, Wiedergeburt, heißt deshalb auch die Ausstellung in der Azienda Ferrin in Camino al Tagliamento. Seit der Eröffnung der Schau haben schon etliche Skulpturen neue Besitzer gefunden; lauter Menschen haben sie erworben, die sich in den Dialog mit Holz und Keramik hineinfühlen und die Themen erspüren, denen Steiner sensibel ein Gesicht gibt: ‚Freude’, ‚Im Wind’, ‚Standhaft’, ‚Aufschwung’, aber auch ‚Fanatismus’, ‚Höllenhund’, ‚Wächter’, um nur einige Beispiele zu nennen. Und nicht zu vergessen die Stelen, die trotz ihrer statischen Vertikalität so lebendig wirken. Die Ausstellung ist bis 26.Juni zu sehen (www.ferrin.it)

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„Memorie“ ist der Titel der Ausstellung in der Villa Manin, die an die Erdbebenkatastrophe des Jahres 1976 erinnert. Vom 6.Mai 1976 an bebte im Friaul die Erde täglich, die größte zerstörerische Kraft entwickelten die Beben von 6.Mai, 11. und 15.September, bis zur Stärke 10 nach der Mercalli-Skala. Gemona, Venzone, aber auch Buja, Osoppo, die Gegend von Tolmezzo am Tagliamento und das Kanaltal waren am stärksten betroffen.

1000 Tote, etwa 3000 Verletzte, mehr als 100.000 obdachlose Menschen, 18.000 zerstörte und 75.000 beschädigte Gebäude – das war die furchtbare Bilanz. Tausende Helfer aus dem In- und Ausland, vor allem auch aus Österreich, standen damals den Bebenopfern zur Seite.

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Kunstschätze von unbeschreiblichem Wert gingen verloren oder wurden schwer beschädigt. Die berühmten Stadtzentren und Dome von Gemona und Venzone konnten in jahrzehntelanger Arbeit wieder rekonstruiert und aufgebaut werden.

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Ein Herzstück der Ausstellung in der Villa Manin sind jene 36 Tafelbilder, die von einer Kassettendecke der zerstörten Kirche San Giovanni Battista in Gemona stammen. Pomponio Amalteo, einer der berühmtesten Maler im Friaul des 16.Jahrhunderts, hatte diese Tafeln gemalt, ursprünglich 42 an der Zahl. Sechs wurden beim Beben des 6.Mai unwiederbringlich zerstört. Erstmals seit 40 Jahren ist in der Villa Manin nun diese herrliche Kassettendecke in der Gesamtheit der 36 erhaltenen Tafeln wieder zu sehen. Zuletzt waren sie in einem Depot in Gemona gelagert. Im großen Mittelsaal der Villa wurden die Tafeln als Zwischendecke in der ursprünglichen Form von San Giovanni zusammengestellt. Gleich daneben ist auf Fotos von den Tagen nach dem Beben die zerstörte Kirche San Giovanni mit Teilen der Decke zu sehen.

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Dieses und viele andere Beispiele der Ausstellung beweisen, welch enorme Leistung auch die Restauratoren der Kunstwerke in den vergangenen 40 Jahren erbracht haben. In den Nebengebäuden der Villa Manin ist ja seit der Zeit nach den Beben ein Zentrum der Restaurierung untergebracht mit einer Restauratorenschule, das „Istituto Regionale per il Patrimonio Culturale“.

Gezeigt werden auch Beispiele moderner Architektur in Friaul, die seit dem Beben entstanden sind, weil Rathäuser, Kirchen, Schulen etc. neu errichtet werden mussten. Aber auch moderne künstlerische Reflexionen auf die Bebenkatastrophe ziehen den Besucher in ihren Bann. Diese Ausstellung „Memorie“ ist in der Villa Manin bis zum 3.Juli zu sehen.

Friaul: Botanischer Garten im Karst

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Der Triestiner Karst hat seinen besonderen Reiz. Er ist nämlich nicht nur steinig und karg, der Frühling ziert auch ihn mit Blüten. In der Carsiana, dem Botanischen Garten des Karstes, lässt sich das auf’s Feinste erforschen.

Es ist ein Erlebnis, nicht nur für uns. Auf 5000 Quadratmetern wachsen über 600 Pflanzenarten. Francesca, die diensthabende Biologin, führt uns ein in die Basisdaten dieses Botanischen Gartens, der zur Karst-Gemeinde Sgonico gehört. Seit 1964 gibt es ihn. Er liegt in einer Doline, also einer jener Senken, die einst durch Einbrechen der Karst-Gesteins entstanden sind. Und so wie die Karst-Region verschiedene Zonen hat, so sind auch in dem Carsiana-Garten unterschiedliche Bereiche geschaffen: Man kann die Pflanzenwelt der Schotterzonen ebenso erforschen wie der Karst-Wälder mit Hainbuche, Esche, Felsenkirsche und Ginster, die der Heide mit Wacholder und Rosmarin ebenso wie die der Küstenzone, die Flora bei den Karstseen ebenso wie die der Hochebene.

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Wir spazieren auf schmalen Wegen durch diese Zonen, erfreuen uns an der Kombination aus dem so typisch schroff ausgewaschenen Karstgestein und der erwachenden Blütenwelt dazwischen. Wie schon öfter im Friaul entdecken wir einen gelb blühenden Hartriegel-Strauch, im niederösterreichischen Pielachtal ist er unter dem Namen „Dirndlstrauch“ bekannt.

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Ein düsteres Schluckloch fasziniert uns, eine Karstöffnung, in die ein Bach abfließt, um unterirdisch weiter seinen Weg zu suchen. Die Wasserläufer im kleinen Teich nebenan lassen sich durch uns nicht stören. Ein übermütiges Buchfinken-Paar jagt zwischen den Bäumen herum. Dann zeigt uns Francesca noch uralte Fotos, wie im 19.Jahrhundert der damals völlig kahle Karst aufgeforstet wurde. „In zwei Wochen ist dann hier noch viel mehr in voller Blüte“, motiviert uns die Biologin am Schluss noch zum Wiederkommen.

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