Archiv für Juni, 2016

Schwimmende Wege
am Lago d’Iseo / Lombardei

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles

So etwas sieht man nur einmal im Leben: der Verpackungskünstler Christo hat am Lago d’Iseo seine „Floating Piers“ (schwimmende Stege) verwirklicht. Mit unseren friulanischen Freunden Daniela und Rosano konnten wir das erleben. Unser Zweitwohnsitz Varmo ist schließlich nicht einmal 300 km von diesem Super-Ereignis entfernt.

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Am 18. Juni wurden die Floating Piers am Lago d’Iseo in der Lombardei eröffnet und kommenden Sonntag, den 3.Juli ist alles wieder vorbei. Verpackungskünstler Christo bereitet seine Kunstprojekte zwar jahrelang vor, lässt sie aber immer nur kurz bestehen. Das war schon so, als er 1995 den Reichstag in Berlin verpackt hat, eine seiner berühmtesten Arbeiten. Christo hat seine Projekt stets gemeinsam mit seiner Frau Jeanne-Claude entwickelt. Beide sind am selben Tag geboren, am 13.Juni 1935, lebten und arbeiteten mehr als 50 Jahre gemeinsam. Jeanne-Claude starb 2009. Das Projekt Floating Piers hatte sie noch mitentwickelt, ihr zu Ehren hat Christo es nun verwirklicht, seine erste ohne sie realisierte Arbeit. Viele Jahre hatten er und seine Frau einen Ort gesucht, der bereit war, ein Projekt ‚Floating Piers’ mitzutragen. Nach etlichen Absagen (Argentinien, Japan, Lago Maggiore) hat sich Christo nun für den bisher verschlafenen Lago d’Iseo entschieden. Finanziert wird das Projekt völlig ohne öffentliche Gelder, ohne Eintrittsgelder, ausschließlich durch Verkauf von Foto- und Filmrechten, von Christos Plänen und Skizzen. Mehr als drei Kilometer lang sind die schwimmenden Stege, vom Ort Sulzano auf die Insel Monte Isola und weiter zu der winzigen Insel San Paolo, die der Familie Beretta (Waffenerzeuger) gehört. Nach zwei Jahren Vorarbeit wurden im Frühjahr die 16 Meter breiten Stege aus 200.000 Schwimmkörpern aus Polyethylen zusammengebaut und mit 70.000 Quadratmetern eines intensiv gelben Nylongewebes überzogen, das je nach Lichteinfall zwischen golden und fast rot schillert. Alle Teile werden nach Abbau des Projektes recycelt.

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„Das müssen wir sehen“, befinden wir nach den ersten Fernsehberichten und fragen unsere Freunde Daniela und Rosano, ob sie Lust haben mitzufahren. Sie haben Lust. Schließlich hat Daniela verwandschaftliche Bande zum Lago d’Iseo. Ihr Cousin Ubaldo Capoferri lebt dort. Und kaum hat sie ihn angerufen, um von unserem Tagesausflug zum Lago zu berichten, da hat er auch schon eine tolle Lösung organisiert, wie wir die langen Wartezeiten vermeiden können, die der Ansturm tausender Menschen seit der Eröffnung auslöst, wenn man a la Christo auf dem Wasser wandeln will. Ubaldo hat einen Bekannten namens Danilo mit einem kleinen Motorboot, der uns auf die Insel Monte Isola bringt. Super-Danke an Ubaldo! Wetterglück haben wir auch. Die Sonne lässt die „Floating Piers“ leuchten, der blaue Himmel intensiviert das Blau des Sees. So spazieren wir auf Christos Wegen über das Wasser und können von dieser gelbblauen Intensität gar nicht genug bekommen. Und wie Christo es vorgesehen hat, spüren wir die sanften Wellen, das Floating der Piers unter unseren Füßen. In der deutschen Wochenzeitschrift „Die Zeit“ stand völlig richtig zu lesen, Christo sei hier kein „Verhüllungskünstler“, sondern ein Enthüllungskünstler, denn er enthüllt für den Besucher Wahrnehmungen unterschiedlichster Art, die anderenfalls kaum möglich wären. Ein tatsächlich einmaliges Erlebnis!

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Unser Tag am Lago d’Iseo wird abgerundet durch weitere, allerdings profanere Genüsse: In der Trattoria Del Muliner in Clusane bei Mauro Begni und seinem kochenden Partner Andrea Martinelli gibt es nicht nur köstliche Fische aus dem Lago, sondern auch ein spezielles, an den Kunstevent angepasstes Gericht namens „Floating Fishes“: Dunkler Reis mit Fisch samt kleinem gelben Steg aus einer Safran-Waffel.

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Und weil die Gegend ja zur berühmten Spumante-Region Franciacorta gehört, besuchen wir auch noch einen Winzer. Der Weinbaubetrieb Bredasole im Ort Paratico erzeugt vorzügliche Spumanti verschiedenster Art, die natürlich auch erworben werden müssen. Daheim gibt es dann zum Abschluss eines fantastischen Tages „Floating Spumante“.

Camino al Tagliamento:
Ein Sonntag mit Chorgesang

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Zehn Chöre und jede Menge Spaß am Singen und Zuhören – das war die Veranstaltung „Canta e Cammina“ vergangenen Sonntag in Camino al Tagliamento. Der Chor von Camino hat das Treffen organisiert. ‚Camminare’, also herumspazieren, gehörte dazu, denn gesungen wurde an sechs verschiedenen Aufführungsorten. Ein Chor aus der Kärntner Gemeinde Bleiburg war auch mit dabei.

„Kommt Ihr mit? Um 11 Uhr singt der Bleiburger Chor im Palazzo Savorgnan-Minciotti?“, fragt uns Fabiola. Sie und ihr Mann Paolo Ferrin haben den Chor schon mit Frühstück gestärkt, ehe es zum Konzert geht. Schon um 10 Uhr haben die ersten Chöre in der Kirche und in der Casa Antico Borgo begonnen. Nun sind wir auch dabei. In den schönen, blauen Kärntner Dirndln mit den roten Schürzen sind die elf Damen des St.Katharina-Chores von St.Michael-Bleiburg samt ihren beiden einzigen Herren in den roten Gilets nicht nur optisch ein Genuss, auch ihre Kärntner Lieder bekommen sehr viel Applaus.

a000 - 1 a02 - 1 (1) a03 - 1 (1) a04 - 1 a05 - 1 a06 - 1Dann sind die Damen des Coro Notis Tal Timp aus Zompicchia bei Cordoipo an der Reihe. Sie haben eine internationale Liedauswahl zusammengestellt. Nach diesem ‚Cantare’, singen, wird spaziert und zwar zum Hof der Casa Liani ein paar Gassen weiter. Dort erfreuen die Damen und Herren des Chors „Cantori del Friuli“ die Zuhörer und nach ihnen der Männerchor „Gruppo Corale Cjastelir“ aus Mereto di Tomba. Bei einigen der Lieder singen auch Zuhörer begeistert mit, auch welche des Bleiburger Chores.

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Mittagessen mit Pasta und gegrilltem Fleisch mit Bohnen und Polenta gibt’s dann für alle unter dem riesigen Dach der Azienda Giavedoni-Stroili. Am Nachmittag wird weiter gesungen, im Gemeindetheater, in der Pfarrkirche und zuletzt in der Azienda Giavedoni-Stroili zum ‚Gran finale’. Kein Zweifel: allen hat es enormen Spaß gemacht.

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Camino al Tagliamento: Viel Spaß
bei Cuccagna am Fluss Varmo

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Kein Zweifel, das Wasser des Flüsschens Varmo ist eiskalt. Aber das macht einen Teil der traditionellen Unterhaltung aus, die im Zuge des Ortsfestes „Festa dal Toro e dal vin“ (Stier- und Weinfest) stattfindet: Cuccagna wird die Belustigung genannt:

Cuccagna bedeutet übersetzt „Klettermast, an dessen oberen Ende Preise hängen“. Bei der Cuccagna von Camino wird allerdings nicht geklettert. Es wird ein Baumstamm waagrecht über dem Varmo befestigt. Zu zwei Dritteln etwa ragt er über den kleinen Fluss. Und er ist mit viel Schweinefett ganz rutschig gemacht. Gegenüber in etwa zwei Metern Entfernung ist der Mast befestigt.

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Es ist später Sonntagnachmittag, als sich vergangenes Wochenende die Camineser und andere Besucher bei der Brücke versammeln, neben der das heitere Geschehen seinen Lauf nimmt. Einige junge Burschen des Ortes nehmen daran teil. Es heißt, sie würden sich zuvor in etlichen Bars schon etwas Mut antrinken, den man offenbar braucht, um den bevorstehenden vielen Kontakt mit dem kalten Wasser zu überstehen. Die Burschen kommen schon zum Auftakt teils im Wasser in Richtung Baumstamm, andere in einem kleinen Boot, nicht ohne zuvor auch schon in den Varmo gepurzelt zu sein.

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Teil eins des Geschehens: die Burschen müssen auf dem Mast Flaschen befestigen, Schnapsflaschen sind das, die es in der Folge gilt, von dort wieder herunter zu holen. Drei Flaschen werden also angebunden.

Teil zwei: jetzt versuchen sie der Reihe nach auf dem fettig rutschigen Baumstamm in Richtung des Mastes zu balancieren, um möglichst mit einem finalen Sprung eine der Flaschen zu erwischen.

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Viele, viele Versuche braucht das, begleitet von vielen malerischen Sprüngen und Stürzen ins Wasser. Das Publikum feuert ordentlich an. „Alex, Alex !!!“ wird der Name des Vorjahressiegers intoniert. Aber es ist Luca, der als erster eine Flasche erwischt. Weiter geht’s, noch sind ja zwei weitere Flaschen auf dem Mast. Aber die hängen noch höher, sind also im Sprung noch schwieriger zu erwischen. Also probieren die Burschen nach einer langen Weile vergeblicher Versuche den Baumstamm ein bisschen zu „entfetten“. Erst mit einem Stofflappen, dann muss einer von ihnen – beziehungsweise das T-Shirt, das er anhat – zum Abwischen herhalten, drei andere ziehen ihn unter großem Gelächter des Publikums den Stamm entlang. Und wieder etliche Versuche, dann schafft es Alex eine Flasche zu erwischen. Mit beiden Händen reisst er sie im Sprung vom Mast und hält sie fest. Einige Zeit später hat Alex wieder Erfolg, diesmal mit einer anderen Methode: er schlägt die letzte Flasche im Sprung vom Mast, sie fällt wie er kopfüber ins Wasser. Das Publikum ist begeistert und spendet reichlich Applaus.

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Die Show ist gelaufen. Und bei der Brücke werden die Sperren wieder geöffnet, die für die Cuccagna den Varmo aufgestaut haben, denn im Normalzustand wäre er wohl zu wenig tief für so eine akrobatischen „Sprungorgie“ ins Wasser. Die Zuschauer strömen zurück in die Gassen, wo das Ortsfest weiter geht, mit ein paar Gläschen wird auf die tapferen Burschen angestoßen, die sich nun trockenlegen und ordentlich wieder aufwärmen müssen. Immerhin haben sie mehr als eine Stunde durchnässt vom kalten Varmo-Wasser zugebracht.

„Tiere Furlane“ in Wien präsentiert

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Das waren unsere Lesungen, Friaul-Tagebuch

„Österreich ist uns nahe, nicht nur geografisch. Deshalb freuen wir uns besonders mit der deutschsprachigen Ausgabe von ‚Tiere Furlane. Terra Friulana’ unsere Region präsentieren zu können“. Das war der Tenor der Vertreter Friaul Julisch Venetiens bei der Präsentation der Zeitschrift im Museumsquartier in Wien. Wir hatten in den vergangenen sechs Monaten die Ehre und Freude, diese Ausgabe von Tiere Furlane schreiben zu dürfen.

„Schreibt was Ihr wollt, Ihr habt alle Freiheit“, hatte der Auftrag an uns gelautet. Ein schöner Vertrauensvorschuss. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, befanden die weit mehr als 100 Gäste der Präsentation.

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Der Vizepräsident der Region Friaul Julisch Venetien Dr. Sergio Bolzonello hatte nicht nur die Idee zu diesem Projekt, er ist auch persönlich zu der Präsentation im Museumsquartier gekommen. Ebenso der Herausgeber der normalerweise auf italienisch erscheinenden Zeitschrift Enos Costantini. Auch der italienische Botschafter in Wien Dr.Giorgio Marrapodi, die Direktorin des Italienischen Kulturinstituts in Wien Dr.Clara Bencivenga und die PR-Chefin der italienischen Tourismusagentur ENIT in Wien Mag.Martha Kammerer ließen sich den Event nicht entgehen. Organisiert hat die Veranstaltung Wolfgang Obermaier (Kommunikationsberatung und Eventmarketing) gemeinsam mit Diana Candusso und ihren Kolleginnen Lara Persello und Elisa Sabot von PromoTurismo Friuli Venezia Giulia.

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Es wurde ein echtes Friaul-Fest im Herzen von Wien! Das Interesse an Friaul Julisch Venetien ist groß, daran ließen die vielen Gäste keinen Zweifel.

Und wir haben in unsere Präsentation, bei der wir mit Bild und Wort „Tiere Furlane“ gleichsam durchgeblättert haben, ebenso all unsere Liebe zu der Region gelegt wie in die 14 Kapitel, die wir geschrieben haben. Die Zeitschrift ging danach weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

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