Archiv für Februar, 2017

Confetti & Coriandoli

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

In unseren Kindertagen waren Konfetti die kleinen Papierschnipsel, mit denen man im Fasching herumwerfen durfte. Und Koriandoli wurden die bunten Papierschlangen genannt, ohne die wir bei Maskenfesten oder -umzügen auch nie auskamen. In Italien lernten wir nach anfänglicher Verwirrung anderes: Hier laufen unter dem Namen Coriandoli die bei uns Konfetti genannten Papierschnipsel! Und ihr „Erfinder“ stammt aus Triest!

Ursprünglich, soll heißen schon im 18.Jahrhundert, waren sowohl Confetti als auch Coriandoli bekannte Süßigkeiten: Confetti abgeleitet vom Wort Confetto, also Konfekt, die süßen Coriandoli bekamen ihren Namen, weil sie mit Koriander gewürzt waren. Beide süßen Kleinigkeiten wurde von den Maskierten im Carnevale unters Volk geworfen.

Die Geschichte, wie daraus Papierschnitzel wurden, zählt zu den Triestiner Kuriositäten: Bei den Karnevalsumzügen in Triest war es üblich, süße Coriandoli und Rosenblätter aus den Fenstern zu werfen. 1876 ist es gewesen, dass ein 14jähriger Junge, der kein Geld hatte für solche Süßigkeiten, die Idee entwickelte, als Ersatz buntes Papier klein zu schneiden. Er streute diese Papierschnipsel vom Fenster der Wohnung seiner Familie in einem kleinen Haus an der Piazza della Borsa (neben dem Gebäude des Architekten Max Fabiani kann man es nach wie vor entdecken) auf die vorbeiziehenden Maskierten. Es heißt, bald seien Polizisten an der Tür gestanden und hätten eine Erklärung für diese zuvor nie gesehenen, bunten Schnipsel verlangt. Jedenfalls verbreitete sich die Idee der Papier-Coriandoli rasch – bis nach Wien (schließlich war Triest damals eine wichtige Stadt der Habsburger Monarchie), dann auch nach Venedig und in die ganze Welt. Der erfinderische Junge hieß Ettore Fenderl. Aus ihm wurde übrigens ein renommierter Forscher, 1926 war er in Rom ein Mitbegründer des ersten Laboratoriums für Nuklearforschung. 1957 hat Fenderl auch selbst die Geschichte ‚seiner’ Coriandoli in einem Radiointerview für die RAI erzählt. Er starb 1966 im Alter von 104 Jahren.

Doch zurück zu den Confetti und Coriandoli. Die Zeiten, wo man im Fasching wie wir einst die runden Schnipsel aus dem elterlichen Papier-Lochstanzer entnahm, sind offenbar lang vorbei – wer heftet heute noch Unterlagen in Ordnern ab?! In kleineren und größeren Säckchen sind jedenfalls zu Zeiten des Carnevale auch im Friaul die Coriandoli in Geschäften zu kaufen. Mit Begeisterung werden sie von jung und alt bei Umzügen und Festen verstreut. Und die bunten Papier-Luftschlangen werden ‚stelle filanti’ genannt. In Österreich weiß man mit dem Wort Koriandoli heute offenbar nicht mehr viel anzufangen. Nur reifere Jahrgänge wie wir erinnern sich noch, dass die bunten Papierschlangen so genannt wurden.

Süße Confetti gibt’s dagegen nach wie vor bei italienischen Hochzeiten und anderen Familienfeiern wie Erstkommunion, Firmung etc. Die mit weißem Zuckerguss überzogenen Mandeln werden so genannt, die die Gäste nach alter Tradition in kleinen Säckchen geschenkt bekommen. Diese Confetti sollen Glück bringen.

Friaul in Vorchdorf und Laakirchen

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Das waren unsere Lesungen

Es hat sich wieder einmal bewiesen: In Oberösterreich ist die Dichte an Friaul-Fans besonders hoch. Bei unseren Friaul-Abenden gemeinsam mit dem Winzerpaar Ferrin in Vorchdorf und Laakirchen gab es übervolle Säle und viel Freude!

Mittwoch Abend füllt sich der große Saal im Hotel Restaurant Ziegelböck in Vorchdorf rasch und bis 19.30 h müssen noch zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt werden. Das freut uns genauso wie die Organisatoren, Felix Lenzeder, den Obmann des Siedlervereins Vorchdorf und das Team der Öffentlichen Bibliothek mit Schriftführerin Gertraud Ausserhuber und Obmann Bernhard Ablinger.

Letzterer begrüßt und eröffnet den Abend. Und dann ist es an uns, die Schönheiten Friaul Julisch Venetiens in Bild und Text den über 100 Gästen nahezubringen. Wir lesen aus den Büchern „Unser Friaul“, „Friaul erleben“, und „Unsere Friaul-Rezepte“, aber auch aus der von uns geschriebenen, umfangreichen Zeitschrift „Terra friulana“ und zeigen dazu viele Fotos. Die Region als Schnittpunkt der Völker und einziger Landstrich Europas, in dem der romanische, der deutsche und der slawische Kulturkreis aufeinander treffen, rückt ganz nahe. Wir spüren es gleich: da entsteht beste Stimmung.

Daran haben nach der Lesung auch Paolo und Fabiola Ferrin mit ihren Weinen großen Anteil. Die Weine werden von den Gästen heftig verkostet und lösen Begeisterung aus. Je ein Gmundner Keramikteller mit schokoladenen „Schwanenküssen“ für Gisela und Fabiola und je eine Riesenflasche Starkbier aus der Vorchdorfer Schlossbrauerei Eggenberg für Franz und Paolo sind ein wunderbares Danke, überreicht von Felix Lenzeder. Unter den Gästen übrigens auch das Ehepaar Gillesberger aus Ebensee, auf dessen Initiative wir ja in den vergangenen Jahren dort auch schon Friaul-Abende gestalten durften. Ein rundum feiner Abend!

Am Donnerstag Vormittag erforschen wir gemeinsam mit Paolo und Fabiola noch ein wenig Vorchdorf. Rudi Hüttner, der Obmannstellvertreter des örtlichen Heimat- und Kulturvereins, hat sich Zeit genommen, um uns durch das Heimatmuseum im Schloss Hochhaus zu führen. So erfahren wir noch vielerlei über den Ort. Wir haben Glück, denn in den kommenden Tagen werden die vielen Schaustücke verpackt und das Museum wird geschlossen und abgesiedelt. Hoffentlich öffnet es bald an anderer Stelle wieder die Pforten, alles andere wäre ein Verlust! Die Sonne strahlt vom Himmel, da bietet sich ein Mittagsausflug ins nahe Gmunden an. Der Traunsee leuchtet in dunklem Blau und ein Spaziergang auf der Promenade wärmt das Herz.

Unser Friaul-Vortragsabend in Laakirchen ist dann eine ebenso tolle Sache wie der zuvor in Vorchdorf. Laakirchen ist ja Partnergemeinde des friulanischen Gemona, also sind hier die Beziehungen dorthin besonders eng. Georg Brenda, Leiter der Kulturabteilung der Stadtgemeinde Laakirchen, hat – wie schon bei unserer Friaul-Lesung vor zwei Jahren – wieder alles wunderbar vorbereitet. Johann Lackerbauer, der diesen Abend mitinitiiert hat, begrüßt uns und die Ferrins auch gleich überschwänglich. Lackerbauer ist ja wie sein Freund Josef Thallinger Ehrenbürger von Gemona, denn beide haben in Laakirchen nach den furchtbaren Erdbeben in Friaul vor 40 Jahren viel Hilfe für Gemona organisiert.

Der für Kultur zuständige Stadtrat Heinz Stadlmayr begrüßt die Gäste, auch hier sind an die 100 Zuhörer gekommen. Bürgermeister Fritz Feichtinger hat sich auch nicht nehmen lassen, dabei zu sein, genauso Vizebürgermeister Simon Kreischer. Wir stellen an diesem Abend unsere deutschsprachige Ausgabe der Zeitschrift „Terra friulana“ näher vor und ziehen erzählend und lesend den Bogen von Triest bis Gemona. Das umfangreiche Kapitel, das wir über die Erdbeben des Jahres 1976 und ihre Folgen geschrieben haben, ist für die Laakirchner natürlich besonders interessant, weil die Stadt ja – wie erwähnt – in Hilfsaktionen stark engagiert war und sich daraus in der Folge eine Gemeindepartnerschaft mit Gemona entwickelt hat. So rücken die beiden Orte ja mit vielfältigen Aktivitäten nahe aneinander. Mit Blumen und Birnenschnaps sagen Bürgermeister Feichtinger und Stadtrat Stadlmayr nach dem Vortrag uns und den Ferrins ein großes Danke.

Nun liegt die önologische Gestaltung des Abends wieder in den Händen von Paolo und Fabiola Ferrin. Ihre Weine sind hier natürlich auch ungemein beliebt. Aber es ist diesmal noch ein friulanischer „Kulinarik-Botschafter“ mit dabei: Beppo Rugo und sein Sohn Mattia erfreuen mit ihren hausgemachten Köstlichkeiten die Gaumen der Gäste. Prosciutto crudo, Salame, verschiedensten Käse haben sie mitgebracht, alles wirklich fein, wir haben natürlich auch gekostet. Rugo ist übrigens Stammgast am Laakirchner Markt, wo er regelmäßig seine Produkte anbietet.

Wir sagen ganz herzlich danke an alle, die diese beiden genussvollen Abende in Laakirchen und Vorchdorf möglich gemacht haben!