Confetti & Coriandoli

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

In unseren Kindertagen waren Konfetti die kleinen Papierschnipsel, mit denen man im Fasching herumwerfen durfte. Und Koriandoli wurden die bunten Papierschlangen genannt, ohne die wir bei Maskenfesten oder -umzügen auch nie auskamen. In Italien lernten wir nach anfänglicher Verwirrung anderes: Hier laufen unter dem Namen Coriandoli die bei uns Konfetti genannten Papierschnipsel! Und ihr „Erfinder“ stammt aus Triest!

Ursprünglich, soll heißen schon im 18.Jahrhundert, waren sowohl Confetti als auch Coriandoli bekannte Süßigkeiten: Confetti abgeleitet vom Wort Confetto, also Konfekt, die süßen Coriandoli bekamen ihren Namen, weil sie mit Koriander gewürzt waren. Beide süßen Kleinigkeiten wurde von den Maskierten im Carnevale unters Volk geworfen.

Die Geschichte, wie daraus Papierschnitzel wurden, zählt zu den Triestiner Kuriositäten: Bei den Karnevalsumzügen in Triest war es üblich, süße Coriandoli und Rosenblätter aus den Fenstern zu werfen. 1876 ist es gewesen, dass ein 14jähriger Junge, der kein Geld hatte für solche Süßigkeiten, die Idee entwickelte, als Ersatz buntes Papier klein zu schneiden. Er streute diese Papierschnipsel vom Fenster der Wohnung seiner Familie in einem kleinen Haus an der Piazza della Borsa (neben dem Gebäude des Architekten Max Fabiani kann man es nach wie vor entdecken) auf die vorbeiziehenden Maskierten. Es heißt, bald seien Polizisten an der Tür gestanden und hätten eine Erklärung für diese zuvor nie gesehenen, bunten Schnipsel verlangt. Jedenfalls verbreitete sich die Idee der Papier-Coriandoli rasch – bis nach Wien (schließlich war Triest damals eine wichtige Stadt der Habsburger Monarchie), dann auch nach Venedig und in die ganze Welt. Der erfinderische Junge hieß Ettore Fenderl. Aus ihm wurde übrigens ein renommierter Forscher, 1926 war er in Rom ein Mitbegründer des ersten Laboratoriums für Nuklearforschung. 1957 hat Fenderl auch selbst die Geschichte ‚seiner’ Coriandoli in einem Radiointerview für die RAI erzählt. Er starb 1966 im Alter von 104 Jahren.

Doch zurück zu den Confetti und Coriandoli. Die Zeiten, wo man im Fasching wie wir einst die runden Schnipsel aus dem elterlichen Papier-Lochstanzer entnahm, sind offenbar lang vorbei – wer heftet heute noch Unterlagen in Ordnern ab?! In kleineren und größeren Säckchen sind jedenfalls zu Zeiten des Carnevale auch im Friaul die Coriandoli in Geschäften zu kaufen. Mit Begeisterung werden sie von jung und alt bei Umzügen und Festen verstreut. Und die bunten Papier-Luftschlangen werden ‚stelle filanti’ genannt. In Österreich weiß man mit dem Wort Koriandoli heute offenbar nicht mehr viel anzufangen. Nur reifere Jahrgänge wie wir erinnern sich noch, dass die bunten Papierschlangen so genannt wurden.

Süße Confetti gibt’s dagegen nach wie vor bei italienischen Hochzeiten und anderen Familienfeiern wie Erstkommunion, Firmung etc. Die mit weißem Zuckerguss überzogenen Mandeln werden so genannt, die die Gäste nach alter Tradition in kleinen Säckchen geschenkt bekommen. Diese Confetti sollen Glück bringen.

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