Archiv für August, 2017

Die schwarzen Feigen von Caneva

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Küche

Sie sind eine wenig bekannte, aber besonders köstliche Spezialität des Friaul: die schwarzen Feigen, die es nur in der Gegend von Caneva gibt, einem kleinen Ort nahe Sacile, knapp an der Grenze zum Veneto. ‚Figo Moro’ ist ein Markenzeichen, das den Gaumen erfreut – ob frisch gegessen oder in der Küche verarbeitet. Wir durften bei einer Degustation in Caneva dabei sein.

Ort des Geschehens ist die Villa Frova in Caneva, einst das herrschaftliche Haus einer Unternehmerfamilie, heute im Besitz der Gemeinde und als Veranstaltungsort genützt. Und da liegen sie schon, die schwarzen Feigen. Eine ganz besondere Feigenart ist das, klein, dunkel, mit besonders intensivem Geschmack, besonders reich an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen. Schon im 14.Jahrhundert ist diese schwarze Feige von Caneva in Dokumenten erwähnt, auf venezianischen Schiffen wurde sie bereits getrocknet als Nahrungsmittel mitgeführt, die frischen Früchte erfreuten den Adel.

Die Degustation in der Villa Frova wird von der Camera di Commercio /Handelskammer Pordenone gemeinsam mit dem Consorzio durchgeführt, das sich um Pflege und Vermarktung der schwarzen Feige bemüht. Der Präsident der Camera di Commercio Luca Penna, den wir ja schon von anderen Veranstaltungen kennen, stellt uns dem Präsidenten des Consorzio Sandro Mutton vor. Der lässt uns nicht nur die frischen Feigen gleich kosten, sondern auch die karamellisierten Früchte, schon einmal eine köstliche Einstimmung auf die folgende Degustation. Der Vizepräsident der Region Friaul Julisch Venetien Sergio Bolzonello (den wir kennen, weil er ja unsere deutschsprachige ‚Terra Friulana’-Zeitschrift in Wien mit uns präsentiert hat) ist ebenso gekommen wie natürlich der Bürgermeister von Caneva Andrea Gava und der Direktor der ERSA, der Agentur für die ländliche Entwicklung, Paolo Stefanelli.

Jetzt sind die Küchenchefs an der Reihe, die nicht minder prominent sind: Manlio Signora, der in seinem Ristorante Il Rifugio in Budoia ebenso Erfolge feiert wie als Show-Koch und als Lehrer für den Kochnachwuchs, sowie Marco Talamini, international mit Hauben und Sternen seit Jahren ausgezeichnet, vom Ristorante La Torre in Spilimbergo. Die Degustation spielt alle Stückerln: Feige mit Forellenkaviar und Ziegenkäse, karamellisierte Feige mit Entenleber-Schaum, Entenbrust mit karamellisierter Feige und Rosmarinkartoffeln, Joghurt-Mascarponecreme mit Feige – jeder Gang ein Genuss. Mit nach Hause nehmen wir uns frische ‚schwarze Feigen von Canova’ (eine Querverkostung mit den Feigen in unserem Garten muss sein) und ein Glas mit den köstlich karamellisierten, die besonders auch zu Käse eine Delikatesse sind. FigoMoro di Caneva hat in uns zwei Fans mehr!

Varmo: Unsere Weinlese 2017

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Wein

Besonders früh im Jahr, besonders schöne Trauben, zwei besonders nette Tage – das zeichnet unsere Weinlese 2017 aus. Jetzt gärt der Most bereits in den ‚damigiane’ genannten Glasballons. Und wir hoffen auf einen guten Wein.

Noch selten hat unsere Weinlese bei so heißem Wetter stattgefunden. Die x-te Hitzewelle in diesem Sommer! Also wird am Samstag, dem 26.August, besonders früh in diesem Jahr mit der Lese begonnen, schon um kurz nach 7 Uhr sind wir in unserem Weingarten. Kurz danach kommen unsere Freunde Daniela und Rosano wie immer zum Helfen. Diesmal wollen erstmals auch Lucia und Armando dabei sein. Das Abschneiden der Trauben (erst die rosa Pinot Grigio-Trauben, dann die weißen von Friulano, Verduzzo etc.) geht schnell, denn sie sind wunderbar gesund und nichts muss weggezwickt werden. Eine Freude! Wie immer muss nun jeder eine Schätzung abgeben, wieviele Liter Most am Ende herauskommen. Die Schwankungsbreite unserer Schätzungen heuer: zwischen 350 und 420 Liter!

Die nächste Neuerung: wir haben uns für unseren Rasenmähertraktor einen Anhänger zugelegt, so können die schweren Eimer voller Trauben weniger mühsam als bisher zum Haus gebracht werden. Das macht richtig Spaß! Die Trauben dann durch die Obstmühle zu drehen, ist schweißtreibend. Aber schon gegen 11 Uhr sind alle derart ‚aufgebrochenen’ Trauben in den Bottichen. Diese Maische kühlen wir mit Mineralwasserflaschen, die die Nacht davor – befüllt mit Wasser – im Kühlschrank zugebracht haben und jetzt eben in die Maische gesteckt werden. Denn die Kühle fördert die Fruchtigkeit. Kühl ist auch das Bier, das es nun nach diesem ersten Teil des Weinlesetages gibt.

Nach dem Mittagessen geht es mit dem Pressen weiter. Das Befüllen der Spindelpresse samt anschließendem Druck-Erzeugen per Hebelwirkung erspart jegliche Form von anderem Fitnesstraining, wird aber mit jeder Menge Heiterkeit absolviert. Das Abpumpen des Seihmostes aus den Bottichen und des Pressmostes aus dem Eimer bei der Presse erfolgt mit der üblichen Routine, ebenso das Entfernen des ‚Presskuchens’ am Ende des Pressens. Jetzt sind sieben ‚damigiane’ mit je 50 Liter befüllt und eine kleinere mit etwa 20 Litern. Das heißt: Rosano hat mit seiner Schätzung von 370 Litern Most gewonnen! Jetzt noch alle Gerätschaften waschen, wegräumen und der Arbeitsnachmittag ist gegen 17 Uhr gelaufen.

Wie üblich haben wir unsere helfenden Freunde am Weinlesetag zum Abendessen eingeladen. Das wird rasch vorbereitet. Und ab 19 Uhr sitzen wir dann schon ‚g’schneuzt und gekampelt’ mit Daniela und Rosano sowie Lucia und Armando gemütlich am Gartentisch (Armando muss natürlich vorher kontrollieren, ob wirklich Rosano die Schätzung gewonnen hat oder nicht doch er mit seinen geschätzten 380 Litern. Aber es bleibt beim Sieger Rosano). Es ist ein warmer, angenehmer Sommerabend, mit dem unser Weinlesetag ausklingt. Doch unsere Muskeln tun einigermaßen weh.

Tags darauf am Sonntag haben sich dann schon viele Trubstoffe im Most abgesenkt. Jetzt wird jede ‚damigiana’ abgepumpt und der Trub weggeschüttet. Dann wird die Hefe zugesetzt, die Gäraufsätze kommen auf die Glasballons (sie gewährleisten, dass zwar das bei der Gärung entstehende Gas raus kann, aber keine andere Luft hinein). Das ist bis mittags geschafft. Und es dauert keine halbe Stunde, da steigen im Most schon die ersten Blasen auf. Die Gärung hat begonnen! Super! Die Weinlese 2017 ist geschafft!

Resiatal: Osteria alla Speranza

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Lokal-Empfehlungen in Friaul

Das Resiatal zählt zu den urtümlichsten Gegenden des Friaul. Auch die Küche hat hier Spezielles zu bieten, besonders in der Osteria Alla Speranza in San Giorgio di Resia. Wir kehren dort bei der Familie Di Biasio gerne ein, auch weil es dort die besten Cjalciune (Teigtaschen) weit und breit gibt.

Wer das Kanaltal auf der Bundesstraße entlang fährt, biegt bei Resiutta in das Resia-Tal ab, dort ist es auch in touristischen Hochsaisonen sehr ruhig. Die Sprache der Bewohner hat sich aus dem Slawischen entwickelt. Einst kamen von hier die „arrotini“, die Scheren- und Messerschleifer, die umherzogen und ihre Dienste quer durchs Land anboten. Im kleinen Ort San Giorgio di Resia findet sich die Osteria Alla Speranza. Gigino Di Biasio kümmert sich hinter der Theke in der Bar um die Gäste und Dorina zaubert in der Küche die Teigtaschen Cjalciune, ähnlich den Cjalsons, die sich in den karnischen Bergen finden und auch ähnlich den Kärntner Kasnudeln, aber eben nur ähnlich, jedenfalls besonders. Besonders gut. Und berühmt ist im Resiatal auch der ‚Aglio di Resia’, eine besonders geschmackvolle Variante des Knoblauch, der aus der hiesigen Küche ebenfalls nicht wegzudenken ist.

Wir haben die Osteria kennengelernt, als wir für unser Buch „Friaul erleben“ den traditionellen Fasching des Resiatals erforscht haben. Der heißt Püst und ist bestimmt von den wunderschönen ‚weißen Masken’ – weiß gekleidete Frauen mit Hüten voller Krepp-Papierblumen – und von der sehr speziellen Musik, die auf der Citira, einer Geige, und der bünkula, einem Cello gespielt wird. Auch dieser Fasching ist sehr urtümlich und immer einen Besuch (am Faschingsonntag und am Aschermittwoch) wert. Da empfiehlt es sich allerdings in der Osteria Alla Speranza (die ein Zentrum des Püst-Feierns ist) einen Tisch zu reservieren. Mehr darüber lesen Sie in unserem Buch „Friaul erleben“ / Styria.

Osteria Alla Speranza, 33030 Resia, San Giorgio, Via Prato 3. Tel.: 0039 0433 53057

Friaul: Montasio-Alm & Illegio
Liebe in den Bergen

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

‚Auf der Alm, da gibt’s ka Sünd’ …. gilt auch für die Montasio-Hochebene beim Sella Nevea südwestlich von Tarvis, jedenfalls kann auf dieser Alm auch gebusselt werden, denn es ist einfach eine Gegend zum Verlieben! Verlieben kann man sich hier auch in den berühmteste Käse Friauls, den Montasio, der von hier stammt. Und weiter westlich in der Nähe von Tolmezzo, im malerischen Bergdorf Illegio ist der Liebe gleich eine ganze Ausstellung gewidmet.

Gleich neben dem Sella Nevea und dem Monte Canin führt eine steile Strasse hinauf zum Altopiano Montasio, eine Hochebene auf etwa 1500 Meter Höhe, zu Füßen des Berges Jof di Montasio (2753 m). Der Berg bekam seinen Namen im 13.Jahrhundert und gehörte zum Grundbesitz des Benediktinerklosters von Moggio im Fella-Tal. Auf der Hochebene haben einst schon die Mönche Käse hergestellt. Ihr Wissen und das der Bauern, die ihren Almkäse (formaggio di malga) erzeugten, fügten sich zusammen zu einem Produkt, das bis heute Montasio heißt. Der wird nach strengen Regeln erzeugt – inzwischen aber schon lange nicht mehr nur auf der Montasio-Hochebene, sondern in ganz Friaul und sogar den angrenzenden Provinzen Venetiens. Jeder echte Montasio ist auf der Rinde mit dem Markenzeichen der Genossenschaft Consorzio per la tutela del Formaggio Montasio gekennzeichnet. Montasio fresco (frisch) ist zwei bis fünf Monate gereift, Montasio mezzano fünf bis zehn Monate, Stagionato mehr als 10 Monate und Stravecchio mindestens 18 Monate. Mit zunehmender Alterung intensiviert sich natürlich der Geschmack.

In der Malga di Montasio auf der Hochebene lässt sich denn auch bester Montasio erwerben, außerdem Caciotto (Ziegenkäse) und Joghurt. Dann sind wir gerüstet für einen schönen Spaziergang über die Hochebene, die so wunderbare Ausblicke bietet, hinauf auf den Montasio, die Kuhherden auf den Weiden, auf den blitzblauen Himmel mit seinen malerischen ‚Wattewolken’. Wie gesagt, einfach zum Verlieben!

Aber wir haben zum Thema Liebe noch ein anderes Ziel an diesem Tag:

Das Bergdorf Illegio liegt nahe Tolmezzo auf 700 Meter Höhe an den Abhängen der Karnischen Alpen und hat eine lange Geschichte. Hier gab es schon Ansiedlungen der Langobarden im 8.Jahrhundert nach Christus, aber auch karolingische und mittelalterliche Reste wurden ausgegraben. Seit einigen Jahren macht sich der kleine Ort mit Kunstausstellungen einen Namen. Die diesjährige trägt den Titel ‚Amanti’, also ‚Liebende’ und zeigt Kunstwerke vom 14. bis zum 20.Jahrhundert, die (Zitat) ‚menschliche und göttliche Leidenschaften’ zum Thema haben, Venus und Amor genauso wie Romeo und Julia oder Salome, Gemälde zum Beispiel von Filippino Lippi über Lucio Massari oder Simon Vouet genauso wie Skulpturen von Antonio Canova, zusammengetragen aus vielen großen Museen. All das verbindet sich mit der Romantik des Bergdorfes, die einen Illegio ins Herz schließen lässt. Die Ausstellung ist noch bis zum 8.Oktober zu sehen.