Ein bunter Sonntag
in San Vito al Tagliamento

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Garten, Küche

Unglaublich, was es in San Vito am Tagliamento alles zu entdecken gibt! Selbst für uns, die wir schon oft in diesem Ort waren! Palazzi, Museen, Ausstellungen und dazu waren an diesem ersten September-Sonntag noch Straßentheater und Flohmarkt angesagt. Was für eine bunte Mischung!

Der Flohmarkt immer am ersten Sonntag im Monat hat auf der Piazza del Popolo einen edlen Rahmen. Die Palazzi rundum und die Kirche San Lorenzo spiegeln die jahrhundertealte Geschichte des Ortes. Der Palazzo Altan Rota ist heute das Rathaus, dahinter öffnet sich ein malerischer Park. Oft haben wir hier im Schatten der Bäume die Kühle gesucht. Jetzt bemerken wir entsetzt, dass der Sturm vom 10.August große Schäden angerichtet und einige der riesigen Bäume entwurzeln oder abgebrochen hat. Es ist zum Weinen!

Einen anderen Garten samt Park wollen wir erstmals erforschen, den des Palazzo Tullio Altan in der nahen Via Antonio Altan. Immer nur am ersten Sonntag des Monats ist er geöffnet. Ein klassischer italienischer Garten mit Buchsbaumhecken und Statuen öffnet sich gleich hinter dem Palazzo, eingefasst von einer halbrunden Mauer mit Resten von Fresken aus dem 18.Jahrhundert. Dahinter ein Park im englischen Stil. Den können wir allerdings nur durch das Gittertor hindurch betrachten, denn wegen der auch hier vom Sturm gefällten Bäume ist der Zutritt derzeit nicht möglich.

In einem Nebengebäude dieses Palazzo ist das ‚Museo della Vita Contadina’ (Museum des bäuerlichen Lebens) untergebracht. Wir hatten ja schon in unserem Buch ‚Friaul erleben’ erwähnt, dass man hier auch vieles über die Seidenraupenzucht erfahren kann, die über Jahrhunderte in Friaul eine zusätzliche Einkommensmöglichkeit für die Bauern war.

In einer Parallelgasse, der Via Marconi, ist diesmal auch das alte Castello mit dem Museo Civico Archeologico geöffnet. Dieses Gebäude ist wie die eben erwähnten Palazzi mit der Geschichte der Adelsfamilie Altan verbunden, war aber zuvor einer der Wohnsitze der Patriarchen von Aquileia. Das Stiegenhaus mit dem riesigen Murano-Luster ist Zeuge einstiger Pracht. Eine Fülle von Freskenresten, von den Wänden abgenommen, restauriert und auf Paneelen wieder aufgezogen, geben Einblicke in das mittelalterliche Leben.

Wir machen uns nun auf zu den Carceri, den alten Kerkern aus dem 18.Jahrhundert, an der Via Filippini. Die sind nur ausnahmeweise zugänglich wegen einer Fotoausstellung. Uns interessieren der massive Bau und die engen Zellen mit den niedrigen Türen, über denen noch der Schriftzug ‚Criminale’ zu lesen ist.

Wegen einer anderen Fotoausstellung ist auch die Kirche San Lorenzo in der Via Amalteo geöffnet. Interessant, wie sich die modernen Schwarz-Weiß-Fotos von Landschaften mit dem Kircheninterieur aus verschiedenen Jahrhunderten optisch verbindet. Hier finden sich einige Fresken des Malers Pomponio Amalteo. Doch berühmter ist sein Freskenzyklus aus dem 16.Jahrhundert in der Kirche Santa Maria dei Battuti in der Via Bellunello. Amalteo, der aus Motta di Livenza stammte und ein Schwiegersohn des berühmten Malers Giovanni Antonio de Sacchis, genannt Pordenone, war, lebte ab 1536 als schon zu Lebzeiten höchst erfolgreicher Maler in San Vito al Tagliamento

Auf den Plätzen von San Vito herrscht an diesem Sonntag besonders reges Leben, denn verschiedene Straßentheater unterhalten Erwachsene und Kinder. Nach so viel Kultur ist nun Stärkung angesagt. Auch da hat San Vito Erfreuliches zu bieten. Zum Beispiel die Osteria al Vecchio Castello in der Via Marconi. So vielfältig genussreich kann ein Sonntag in einem kleinen Ort der friulanischen Ebene sein!

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