Geheimtipp: Grappa & Kunst

Written by Gisela & Franz. Posted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Es ist kein Geheimnis, dass in Friaul ausgezeichneter Grappa gebrannt wird. Firmen wie Nonino sind ja wohlbekannt. Dass es aber in der Nähe von Casarsa, in Castions di Zoppola, eine kleine, exquisite Destillerie gibt, ist für die meisten, die nicht in der Gegend wohnen, ein Geheimtipp. Unser Winzerfreund Paolo Ferrin hat uns zu dieser ‚Premiata Distilleria Pagura’ gebracht. Wir haben auf diese Weise einen beeindruckenden Betrieb kennengelernt.

Die Destillerie wird von Lindo Pagura und seiner Familie betrieben, und zwar bereits in der vierten Generation. 1879 gründete Domenico Campagna eine kleine Brennerei, eine ‚Sgnaperie’. Weil er und seine Frau keine Kinder hatten, vererbte er den Betrieb an einen vielversprechenden jungen Mann der Verwandtschaft, das war Lindo Pagura, der Großvater des heutigen Chefs, der auch Lindo heißt. Dessen Vater Domenico führte nach dem zweiten Weltkrieg den Betrieb gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Frau. Und heute ist Lindo für die Destillerie verantwortlich, seine zwei Schwestern Dora und Gianna kümmern sich um die Buchhaltung und die Administration. Doras Mann Angelo Topazzini ergänzt das Familienteam und bringt seine künstlerische Ader ein.

Lindo Pagura und Angelo Topazzini begrüßen uns bei unserem Besuch und führen uns erst in einen Raum, der einer besonderen Idee gewidmet ist: seit 20 Jahren gibt es Spezialabfüllungen, einen ‚Grappa d’Artista’: Jedes Jahr entwirft ein Künstler dafür eine Flasche. Etwa Giorgio Celiberti, der zu den renommiertesten Künstlern des Friaul zählt und die allererste sowie die Jubiläumsflasche nach 20 Jahren gestaltete. In der Sammlung findet sich aber auch eine Flasche des österreichischen Malers Christian Ludwig Attersee, des aus dem Veneto stammenden Bildhauers und Keramikkünstlers Pino Castagna oder – für das heurige Jahr 2018 – ein Gebinde, das auf Basis von Fotos des aus Casarsa stammenden Fotografen Elio Ciol entworfen wurde. Natürlich hat auch der Künstler der Familie Angelo Toppazzini einen Entwurf beigesteuert, eine aufwendig gestaltete Kugelform. Bester Grappa in künstlerischen Flaschen – eine tolle Kombination!

In der Destillerie zeigt uns Lindo Pagura die kupfernen Brenner, die älteste, noch in Funktion befindliche Anlage in Friaul und wohl eine der ältesten in Italien. „Das Geheimnis des Grappa von höchster Qualität ist die Einfachheit dieses Systems“, schmunzelt Lindo Pagura. Mit einer Gradation von 70 Volumsprozent Alkohol kommt der Grappa aus der Anlage. „So bleiben am besten die Aromen erhalten, die aus dem Trester kommen.“ (Trester, also die Traubenreste nach dem Pressen, bekommt Pagura übrigens jeweils ganz frisch von Paolo Ferrin geliefert.) Verkauft werden die verschiedenen Grappa-Sorten (unterschiedlich nach Traubensorte und Alterung) mit einer Gradation von 40 bis 45 Volumsprozent Alkohol. Das heißt: zu dem, was mit 70 Volumsprozent aus den Brennern kommt, wird Wasser zugemischt, und zwar nicht, wie sonst in Brennereien üblich, destilliertes Wasser, sondern ein ganz besonderes: glasklares, frisches Grundwasser, das in dieser Gegend der ‚risorgive’ in einem artesischen Brunnen an die Oberfläche drängt. Denn Castions di Zoppola liegt am Rande des Schotterbettes des Flusses Cellina. Das unterirdisch von den Bergen durch den Schotter kommende Wasser trifft hier auf eine Lehmschicht und wird in den Quellen, den sogenannten ‚risorgive’ nach oben gedrückt. „Wir kontrollieren das Wasser dauernd, die Qualität ist hervorragend“, erzählt Lindo Pagura. Alle diese Produktionsbedingungen führen zu insgesamt 70.000 Litern besten Grappas pro Jahr, in 20 verschiedenen Grappa-Sorten und daraus erzeugten Likören. Die sind alle nur direkt bei oder über Pagura zu bekommen. Die Verkostung hat uns jedenfalls begeistert.

Während des Plauderns mit Angelo Toppazzini hat sich auch herausgestellt, dass vor vielen Jahren der Kärntner Künstler Valentin Oman bereits hier war. Angelo zeigt uns von Oman entworfene Flaschenkartons. Wir rufen Oman an und drücken Toppazzini das Handy in die Hand, so frischen die beiden ihre Bekanntschaft begeistert auf. In einem Raum hinter dem Grappa-Verkaufsbereich werfen wir noch einen Blick auf künstlerische Arbeiten von Toppazzini, die er erfolgreich in Ausstellungen nicht nur in Friaul zeigt. Mit seiner ungemein dekorativen Schrift werden auch Grappaflaschen mit Widmungen für Kunden veredelt.

www.distilleriapagura.com

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