Archiv für Februar, 2019

Pust – der bunte Karneval der Natisone-Täler

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

              

Es ist ein ganz besonderer, urtümlicher Karneval, der in San Pietro al Natisone, nur wenige Kilometer nordöstlich von Cividale, gefeiert wird. Pust heißt dieser „Carnevale delle Valli del Natisone“ (des Natisone-Tals und der Seitentäler).  An diesem Sonntag haben sich hier 20 Maskengruppen aus der Gegend und aus anderen Teilen Friauls, aber auch eine Gruppe aus den Abruzzen / Mittelitalien zu einem großen Faschingsumzug, der „Pustna Parada“, zusammengefunden.

Das Tal des Flusses Natisone und seine Umgebung sind seit jeher von slawisch-sprachigen Menschen bewohnt, ähnlich dem Resiatal, einem Seitental des Val Canale, wo der Karneval ganz ähnlich, nämlich Püst, genannt wird.  Die Tradition des Karnevals am Natisone geht auf heidnische Zeiten zurück. Doch die Maskenparaden sind auch nach Einzug des Christentums erhalten geblieben. Die Maskentypen aber haben sich verändert, sind in schöne und hässliche unterteilt, nach wie vor ein Ausdruck des Wechselspiels von Gut und Böse, alt und neu, Winter und Frühling. 

Die klassische Maske heißt so wie der Karneval: Pust. Ihre Kleidung ist mit vielen bunten Stoffstreifen benäht, das Gesicht wird rot und/oder schwarz bemalt. Der Pust trägt ausziehbare, hölzerne Zangen, mit denen er die Zuschauer erschreckt oder sie einzufangen vorgibt. Mit seinem unberechenbaren Verhalten symbolisiert der Pust den Teufel. 

Den Teufel gibt es auch in klassischer Form dargestellt. Er wird an einer Kette geführt, oft vom einem Engel, dem Erzengel Michael. Auch hier: das Böse und das Gute miteinander. Aber gar so böse ist der Teufel nicht. Er verteilt an verschreckte Kinder auch gerne mal Bonbons. 

Die Maske des Bischofs macht sich symbolisch über die Vergangenheit lustig, als Kirche und Priester mit dem Pust nichts anfangen konnten. Aber alle vertragen sich hier, auch die kleinen Engelchen und Teufelchen, von Kindern dargestellt, und die Frauen in ihren prächtigen, mit Papierblumen geschmückten Hüten (auch sie übrigens ähnlich denen im Resiatal), oder die hässlichen Masken, die es mit ihren Astbüscheln besonders darauf abgesehen haben, hübschen Mädchen eins auszuwischen.

Zur Tradition des Pust gehört auch die Maskengruppe von Azzida, einem Ortsteil von San Pietro al Natisone: Eine überdimensionale Kuh (in der zwei Männer stecken) wird da von einem lustigen Bauernvölkchen beim Faschingsumzug durch den Ort getrieben.

Die Karnevalsgruppen aus anderen Teilen Friauls ergänzen die Maskenvielfalt der „Parada“, von der karnischen Hexe bis zum Wichtel ist da vielerlei an Figuren unterwegs.

In weißen Gewändern, behängt mit Glocken, und mit hohen, bunten Hüten präsentieren sich die Gäste aus dem Ort Castiglione Messer Marino in den Abruzzen. „I Pulcinella“ heißt die Gruppe. Wer je in Neapel war, der weiß, dass der Pulcinella eine schlaue, listige Figur des Volkstheaters im italienischen Süden ist. Im Karneval der Abbruzzen ist Pulcinella eine Zentralfigur, ein Zeremonienmeister. Die weißen Gewänder in Kombination mit den bunten, spitzen Hüten symbolisieren das Wechselspiel der Unterwelt mit der Welt der Lebenden.

Für zusätzliche Stimmung sorgt die Gruppe mit Ziehharmonikas und Tamburin.

Dass dann hinten im Umzug von San Pietro al Natisone auch noch ein Bär getapst kommt und ein ‚Principe‘, ein Fürst, mit (pseudo-)weiblicher Begleitung und bärtigem ‚Chauffeur‘ auf einer Fahrradkonstruktion daher rollt, mag wohl auch der Vergangenheit der Gegend Tribut zollen.

Die traditionellen hölzernen Masken, für die das friulanische Bergland bekannt ist, gab es diesmal zwar beim Umzug nur wenige, aber im slowenischen Kulturhaus des Ortes ist (noch bis zum 3.März) eine Ausstellung geschnitzter Masken des Künstlers Antonio Trinco zu sehen.



Am Rande der Magredi: Buchpräsentation in Cordenons

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Es war Bepo Brun, der Präsident der Associazione Naturalistica Cordenonese, der uns viel in den Magredi, der Steppenlandschaft nahe Pordenone entlang der Schotterbetten der Flüsse Cellina und Meduna, gezeigt hat. Eine Menge haben wir von ihm gelernt und in unserem Buch „Friaul für alle Jahreszeiten“ darüber geschrieben. Nun durften wir auf Einladung Bepo Bruns unser Buch in Cordenons im Centro Culturale Aldo Moro präsentieren.

Die Magredi im Friaul zu besuchen ist immer noch ein Geheimtipp. Dabei hat diese Steppenlandschaft so unglaublich viel Interessantes zu bieten. Das wissen die Cordenoneser natürlich, aber sonst nicht sehr viele. Weshalb auf besonderes Interesse stieß, dass wir über die Magredi im jüngsten Buch ausführlich erzählt haben. Bepo Brun hat unsere Präsentation kompetent und charmant eingeleitet. Wir haben in der Folge auf italienisch erzählt, was in „Friaul für alle Jahreszeiten“ auf deutsch zu lesen steht, nicht nur über die Magredi, sondern auch in den anderen Kapiteln über die Provinzen Pordenone und Udine. Viele interessierte Fragen stellte uns das Publikum, etwa, wer denn unser Zielpublikum für dieses Buch und auch unsere anderen Bücher sei. Leicht zu beantworten: Alle, die sich nicht nur am friulanischen Meeresstrand im Liegestuhl aufhalten mögen, sondern sich neugierig machen lassen auf die Menschen, die kulturellen Schönheiten, die Geschichte und die Traditionen sowie die Enogastronomie, auch des Hinterlandes. Dass für genau solche Gäste die Magredi ein besonders interessantes Gebiet sind, ist klar. Speziell im Frühjahr, wenn ganz rare Pflanzenarten zwischen den Steinen sprießen und die Einheimischen zurecht sagen: Es ist, als ob die Steine Blüten tragen.

Nach unserer Präsentation im Centro Culturale Aldo Moro gab’s für uns und einige andere Mitglieder der Associazione Naturalistica Cordenonese noch ein gemütliches Abendessen in der charmanten Osteria Al Curtif (das ist friulanisch und bedeutet: al cortile, also im Hof) mit typischer friulanischer Küche. Danke an Bepo Brun (und auch seine Frau Meri) für den gelungenen Abend in Cordenons!!!!