Pust – der bunte Karneval der Natisone-Täler

Written by Franz Hlavac. Posted in Aktuelles

Es ist ein ganz besonderer, urtümlicher Karneval, der in San Pietro al Natisone, nur wenige Kilometer nordöstlich von Cividale, gefeiert wird. Pust heißt dieser „Carnevale delle Valli del Natisone“ (des Natisone-Tals und der Seitentäler).  An diesem Sonntag haben sich hier 20 Maskengruppen aus der Gegend und aus anderen Teilen Friauls, aber auch eine Gruppe aus den Abruzzen / Mittelitalien zu einem großen Faschingsumzug, der „Pustna Parada“, zusammengefunden.

              

Die klassische Maske heißt so wie der Karneval: Pust. Ihre Kleidung ist mit vielen bunten Stoffstreifen benäht, das Gesicht wird rot und/oder schwarz bemalt. Der Pust trägt ausziehbare, hölzerne Zangen, mit denen er die Zuschauer erschreckt oder sie einzufangen vorgibt. Mit seinem unberechenbaren Verhalten symbolisiert der Pust den Teufel. 

Den Teufel gibt es auch in klassischer Form dargestellt. Er wird an einer Kette geführt, oft vom einem Engel, dem Erzengel Michael. Auch hier: das Böse und das Gute miteinander. Aber gar so böse ist der Teufel nicht. Er verteilt an verschreckte Kinder auch gerne mal Bonbons. 

Die Maske des Bischofs macht sich symbolisch über die Vergangenheit lustig, als Kirche und Priester mit dem Pust nichts anfangen konnten. Aber alle vertragen sich hier, auch die kleinen Engelchen und Teufelchen, von Kindern dargestellt, und die Frauen in ihren prächtigen, mit Papierblumen geschmückten Hüten (auch sie übrigens ähnlich denen im Resiatal), oder die hässlichen Masken, die es mit ihren Astbüscheln besonders darauf abgesehen haben, hübschen Mädchen eins auszuwischen.

Zur Tradition des Pust gehört auch die Maskengruppe von Azzida, einem Ortsteil von San Pietro al Natisone: Eine überdimensionale Kuh (in der zwei Männer stecken) wird da von einem lustigen Bauernvölkchen beim Faschingsumzug durch den Ort getrieben.

Die Karnevalsgruppen aus anderen Teilen Friauls ergänzen die Maskenvielfalt der „Parada“, von der karnischen Hexe bis zum Wichtel ist da vielerlei an Figuren unterwegs.

Für zusätzliche Stimmung sorgt die Gruppe mit Ziehharmonikas und Tamburin.

Dass dann hinten im Umzug von San Pietro al Natisone auch noch ein Bär getapst kommt und ein ‚Principe‘, ein Fürst, mit (pseudo-)weiblicher Begleitung und bärtigem ‚Chauffeur‘ auf einer Fahrradkonstruktion daher rollt, mag wohl auch der Vergangenheit der Gegend Tribut zollen.

Die traditionellen hölzernen Masken, für die das friulanische Bergland bekannt ist, gab es diesmal zwar beim Umzug nur wenige, aber im slowenischen Kulturhaus des Ortes ist (noch bis zum 3.März) eine Ausstellung geschnitzter Masken des Künstlers Antonio Trinco zu sehen.



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