Archiv für September, 2019

Auf Friaul-Ausflug mit Gästen aus Reichenau/NÖ

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Städtepartnerschaften bringen Menschen und Gegenden zusammen – so auch die Partnerschaft zwischen Reichenau an der Rax in Niederösterreich und der friulanischen Stadt Latisana. Ein Autobus mit Reichenauern reiste vergangenes Wochenende zum Stadtfest ‚Latisana-Settembre.doc‘ an. Organisiert hat die Reise Vizebürgermeister Michael Sillar, assistiert von Renate Buchner. Mit dabei auch Bürgermeister Johann Döller sowie der ehemalige Bürgermeister Johann Ledolter, in dessen Amtszeit die Partnerschaft mit Latisana ins Leben gerufen wurde. Und wir durften diesen Gästen bei einem Ausflug am Samstag zusätzlich Duino, Triest und Cormons näherbringen.

Duino, das Schloss auf einem Felsen an der Karstküste nahe Triest, fasziniert jeden: der fantastische Blick aufs Meer, der Garten, die Geschichte, die im 11.Jahrhundert mit dem alten Castello beginnt und bis zur Eigentümerfamilie Torre e Tasso (Thurn und Taxis) reicht, die seit dem 19.Jahrhundert das Schloss zu einem Kulturzentrum gemacht hat. Dass hier der Dichter Rainer Maria Rilke auf Einladung von Maria von Thurn und Taxis weilte und 1910 hier seine Duineser Elegien zu schreiben begann, ist nur ein Teil dieser spannenden Geschichte des an prominenten Gästen so reichen Schlosses: z.B. die Musiker Franz Liszt und Johann Strauss, die Literaten Gabriele d’Annunzio, Mark Twain, Victor Hugo und Hugo von Hoffmannsthal, die Schauspielerin Eleonora Duse, aber auch Kaiserin Elisabeth, Erzherzog Franz Ferdinand, der spätere Kaiser von Mexiko Maximilian – die Liste der hochrangigen Besucher ist lang. Kompetent wurden die Reichenauer durch eine Vorarlbergerin, die in Triest verheiratet ist, durch die Räume geführt, wo derzeit auch noch eine Sammlung barocker Musikinstrumente aus der Sammlung José Vázquez zu bestaunen ist.

Wer auf Pfaden wandelt, die Historie und Traditionen der Gegend darlegen, der nimmt so wie die Reichenauer Gruppe das Mittagessen in Triest in der Antica Trattoria Suban ein. Seit 1865 existiert diese Trattoria, auch als Ergebnis der Tatsache, dass der Gründer Giovanni Suban bei einer Lotterie in Wien fünf Richtige und deshalb eine Menge Geld gewonnen hatte. Heute ist sein Urenkel Mario Suban der Chef, unterstützt von Gattin Claudia und seinen Töchtern Federica und Giovanna. Die Gruppe aus Reichenau wurde mit Spinatpalatschinke (die schon Papst Johannes Paul II. mundete), Nudeln und Fleischstrudel sowie Kalbsbraten und in Brotteig gegarten Schinken erfreut.

So waren alle gestärkt für die kleine Stadtführung. Gisela begleitete die Gäste zum Molo Audace, wo die berühmte bronzene Windrose darauf hinweist, dass Wind – vor allem die kalte Bora – in Triest ein großes Thema ist. Über die Piazza Unità d’Italia, für viele der schönste Platz Italiens direkt am Meer, mit den historistischen Bauten aus der Zeit der Habsburgermonarchie, die Piazza della Borsa mit dem Haus, wo einst ein 14jähriger Junge die bunten Papierschnitzel, hier coriandoli genannt, erfand und sie als Ersatz für die für ihn unerschwinglichen Süßigkeiten aus dem Fenster auf den Faschingsumzug hinunter streute; weiter in die Via San Nicolò zur alten Buchhandlung, wo der Schriftsteller Umberto Saba tätig war und darüber der irische Dichter James Joyce einige Zeit wohnte,   bis hin zum Canal Grande, wo der Stadtteil Borgo Teresiano liegt, den Kaiserin Maria Theresia errichten ließ, und wo einst große Segelschiffe ihre Waren entluden.

Ein Ausflugstag endet optimaler Weise mit einer guten Weinverkostung. Also führte unser Weg mit den Reichenauern noch nach Cormons, der Weinhauptstadt der Region, zur Cantina Produttori, einer Kooperative, in der mehr als 100 Weinbauern ihre Trauben gemeinsam zu einer Fülle köstlicher Weine verarbeiten lassen. Berühmt ist hier besonders der ‚Vino della Pace‘,  der Friedenswein. Eine Idee, die in den 1980er Jahren entstand, als dieser Wein – versehen mit von namhaften Künstlern entworfenen Etiketten – als Friedensbotschaft an viele Staatschefs und auch an den Papst gesandt wurde. Diese Tradition des ‚Vino della Pace‘ wurde bis 2012 fortgeführt und nun 2019 wieder aufgenommen, wie unser Begleiter durch den Weinkeller berichtete.  Aber auch die Spumante-Weine sowie der Friulano und der Cabernet, die von den Reichenauern im Restaurant der Cantina verkostet wurden (begleitet von einem köstlichen Aufschnittteller) können sich sehen, besser: sie können sich schmecken lassen. Und so hat sich wieder einmal gezeigt: Plätze, die in unserem Buch „111 Orte in Friaul und Julisch Venetien, die man gesehen haben muss“ Eingang gefunden haben, können die Besucher wahrhaft erfreuen. Salute! Cin cin! Auf bald wieder in Friaul Julisch Venetien! Oder bei einer Lesung aus unserem Buch in Reichenau!!!