Archiv für September, 2019

Mit der KulTour Villach unterwegs: Versteckte Perlen Friauls

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Ein Ausflugstag, wie man ihn sich nur wünschen kann: Die Sonne strahlt vom Himmel, wenn 60 Friaul-Freunde unterwegs sind. Die KulTour der Kulturabteilung der Stadt Villach mit Leiter Christian Sturm und Nicole Heuberger hat sich aufgemacht ins Friaul. Wir durften ihnen einige ganz besondere Plätze zeigen, die wir beschrieben haben in unserem Buch „111 Orte in Friaul und Julisch Venetien, die man gesehen haben muss“. Ein Bilderbuch-Samstag ist es geworden!

Nicht weit von San Daniele, in San Tomaso di Majano gilt es eine kulturelle Perle der Region zu entdecken: das einstige Pilger-Hospital San Giovanni di Gerusalemme. Auf der Via d‘Alemagna zogen im Mittelalter Kreuzritter und Pilger vom nördlichen Europa nach Süden. Im Abstand einer Tagesreise gab es Hospitale, die meist vom Johanniterorden betrieben wurden und Schutz, Labung, gesundheitliche Versorgung und Nächtigungsmöglichkeiten boten. Das einzige solche in Friaul, Veneto und Trentino erhaltene Hospital ist jenes in San Tomaso. Seit 2004 wird es restauriert und ist mit seiner Kirche San Giovanni nicht nur ein Baujuwel, sondern es nimmt dank der Vereinigung „Amici dell’Hospitale“ nach und nach seine Funktion wieder auf, indem es wandernden Reisenden einen Ruhepunkt bietet. Maria Teresa Garzitto, die Präsidentin der Vereinigung, hat die Villacher Gruppe kundig durch den Gebäudekomplex geführt, besonders auch auf die erhaltenen Dachkonstruktionen aus jahrhundertealten, handbehauenen Kastanienholzbalken aufmerksam gemacht und eine Menge Staunen über die spannende Historie dieses Ortes ausgelöst. Gastfreundlich gab es auch Kaffee und Kekse zur Stärkung. 

Eine gute halbe Stunde Busfahrt entfernt das nächste Ziel: der Parco Turoldo in Coderno bei Sedegliano. Dieser nach dem berühmten friulanischen Dichterpriester Padre David Maria Turoldo benannte Park ist geprägt von Mosaiken, die der Künstler Luciano Petris geschaffen hat, zum Teil nach eigenem Entwurf, zum Teil nach Entwürfen des slowenischen Künstlers Joze Ciuha (+2015). Nicht nur Petris begrüßt uns hier, sondern auch der Pfarrer des Ortes Don Nicola Borgo, auf dessen Initiative hin der Park 2013 geschaffen wurde. Don Borgo bringt den Gästen nicht nur das geistige und literarische Schaffen von Turoldo (der in Coderno geboren wurde, +1992) nahe, sondern auch die Bedeutung der Mosaikarbeiten von Luciano Petris. Der zeigt dann auch Fotos der Mosaike, die er in Österreich in Kooperationen mit und nach Entwürfen von Anton Lehmden (z.B. Mosaik in der Wiener U-Bahnstation Volkstheater) und Christian Ludwig Attersee (z.B. Mosaik am Haus Mariahilferstraße 78 in Wien oder zwei Mosaike am Bahnwanderweg am Semmering) geschaffen hat. Und Petris zeigt, wie er Stück für Stück aus Glasplatten die bunten Mosaiksteinchen per Hand mit dem Hammer passend entstehen lässt. Inzwischen haben seine Frau Ornella, sein Sohn Fabrizio (der auch als Mosaikkünstler arbeitet) sowie einige Helfer und Helferinnen der Pfarre einen Umtrunk mit Spumante des Weingutes Vendrame und Salami-Käse-Häppchen vorbereitet. Die Gastfreundschaft ist auch hier wirklich großartig!

Weiter geht es zum Mittagessen ins Ristorante Da Toni in Gradiscutta di Varmo. Der ‚Padrone‘ Aldo Morassutti, seine Frau Lidia, seine Tochter Elisabetta und das Servier- und Küchenteam haben sowohl einen Umtrunk mit Spumante des Weingutes Forchir vorbereitet als auch ein phantastisches Mittagsmenü: Ricotta mit Feigenkonfitüre, geräucherte Entenbrust, Rigatoni mit Steinpilzen, Schweinswangerln mit Kartoffelpüree und ein Apfeltörtchen. Dazu gibt es Friulano von Forchir und Cabernet von Alturi, danach natürlich einen nicht minder köstlichen Espresso. ‚Da Toni‘ ist einfach immer ein Genuss-Erlebnis!

Aber dieser prächtige Samstag hat für den Nachmittag noch ein Highlight zu bieten: Das Weingut Pittaro, wo das eindrucksvolle Weinmuseum zu bestaunen ist. Piero Pittaro, eine der seit vielen Jahren die Weinkultur in Friaul prägenden Persönlichkeiten, hat seit den 1970er Jahren eine wunderbare Sammlung von historischen Flaschen und Gläsern sowie allem, was mit der Weinerzeugung verbunden ist, zusammengetragen. Mittendrin steht eine Gondel, um die wertvollen Gläser aus Murano in entsprechendem Rahmen präsentieren zu können. Eine kleine Weinprobe gibt dann noch Geschmackseindrücke der Pittaro-Weine, die die Gäste überzeugen, denn es wird noch eine Menge eingekauft, ehe der Bus sich auf die Heimreise nach Villach begibt. Danke an Christian Sturm und Nicole Heuberger von der Villacher Kulturabteilung, dass dieser erlebnisreiche Friaul-Tag auf den Spuren unserer „111 Orte….“ möglich wurde!

Auf Friaul-Ausflug mit Gästen aus Reichenau/NÖ

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Städtepartnerschaften bringen Menschen und Gegenden zusammen – so auch die Partnerschaft zwischen Reichenau an der Rax in Niederösterreich und der friulanischen Stadt Latisana. Ein Autobus mit Reichenauern reiste vergangenes Wochenende zum Stadtfest ‚Latisana-Settembre.doc‘ an. Organisiert hat die Reise Vizebürgermeister Michael Sillar, assistiert von Renate Buchner. Mit dabei auch Bürgermeister Johann Döller sowie der ehemalige Bürgermeister Johann Ledolter, in dessen Amtszeit die Partnerschaft mit Latisana ins Leben gerufen wurde. Und wir durften diesen Gästen bei einem Ausflug am Samstag zusätzlich Duino, Triest und Cormons näherbringen.

Duino, das Schloss auf einem Felsen an der Karstküste nahe Triest, fasziniert jeden: der fantastische Blick aufs Meer, der Garten, die Geschichte, die im 11.Jahrhundert mit dem alten Castello beginnt und bis zur Eigentümerfamilie Torre e Tasso (Thurn und Taxis) reicht, die seit dem 19.Jahrhundert das Schloss zu einem Kulturzentrum gemacht hat. Dass hier der Dichter Rainer Maria Rilke auf Einladung von Maria von Thurn und Taxis weilte und 1910 hier seine Duineser Elegien zu schreiben begann, ist nur ein Teil dieser spannenden Geschichte des an prominenten Gästen so reichen Schlosses: z.B. die Musiker Franz Liszt und Johann Strauss, die Literaten Gabriele d’Annunzio, Mark Twain, Victor Hugo und Hugo von Hoffmannsthal, die Schauspielerin Eleonora Duse, aber auch Kaiserin Elisabeth, Erzherzog Franz Ferdinand, der spätere Kaiser von Mexiko Maximilian – die Liste der hochrangigen Besucher ist lang. Kompetent wurden die Reichenauer durch eine Vorarlbergerin, die in Triest verheiratet ist, durch die Räume geführt, wo derzeit auch noch eine Sammlung barocker Musikinstrumente aus der Sammlung José Vázquez zu bestaunen ist.

Wer auf Pfaden wandelt, die Historie und Traditionen der Gegend darlegen, der nimmt so wie die Reichenauer Gruppe das Mittagessen in Triest in der Antica Trattoria Suban ein. Seit 1865 existiert diese Trattoria, auch als Ergebnis der Tatsache, dass der Gründer Giovanni Suban bei einer Lotterie in Wien fünf Richtige und deshalb eine Menge Geld gewonnen hatte. Heute ist sein Urenkel Mario Suban der Chef, unterstützt von Gattin Claudia und seinen Töchtern Federica und Giovanna. Die Gruppe aus Reichenau wurde mit Spinatpalatschinke (die schon Papst Johannes Paul II. mundete), Nudeln und Fleischstrudel sowie Kalbsbraten und in Brotteig gegarten Schinken erfreut.