Archiv für Januar, 2020

Klagenfurt: Zoran Music in der Stadtgalerie

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles

Zart und doch ungemein kraftvoll präsentieren sich die Bilder des slowenisch-italienischen Malers Zoran Music. Er, der 1909 in der Nähe von Görz/Gorizia/Gorica geboren wurde und in Kärnten aufgewachsen ist, ehe er in Zagreb sein Kunststudium absolvierte, war ein Künstler von internationalem Rang. Gestorben ist er 2005 in Venedig, nach einer beachtlichen künstlerischen Karriere. Sein Geburtsort hat ihn sehr geprägt, er ist einer aus dem Kreis der von Melancholie Geprägten – so beschreibt ihn Sigbert Metelko, Kurator der Ausstellung, die derzeit in der Klagenfurter Stadtgalerie gezeigt wird.  Die größte jemals gezeigte Music-Schau, „best oft he best“ aus privaten Sammlungen, wie Metelko im Gespräch mit Galerieleiterin Beatrix Obernosterer betont, mehr als 170 Bilder von 21 Leihgebern aus. Bei der Eröffnung würdigten die Klagenfurter Bürgermeisterin Maria Luise Mathiaschitz und der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser Zoran Musics künstlerisches Wirken. Ergänzt wird die Ausstellung von einem zugehörigen Teil, der in den Räumen der Galerie Magnet im Palais Fugger gezeigt wird.

Die verschiedenen Phasen der Arbeit Musics habe er nie geplant, sie hätten sich ergeben, schildert Metelko, der auch mit dem Künstler viele Jahre lang befreundet war. An den Bildern der Ausstellung sind diese Phasen ablesbar: Die ‚cavallini‘, die Pferde, die der Künstler seit seiner ersten Reise nach Dalmatien auf unverkennbare Weise immer wieder darstellte, lebendig, aber stilisiert wie die Landschaften, die sie umgeben. Ganz charakteristisch auch die Landschaftsbilder, in denen Music die Hügel in der Gegend von Siena / Toskana festgehalten hat, auch sie auf ganz eigene Art aus der simplen Realität geholt und in reduzierte, starke Formen verwandelt. 

Viele der so typischen Bilder, die in Klagenfurt gezeigt werden, stammen aus der Kollektion des Triestiner Ehepaars Lia und Maurizio Zanei, die eine der größten Music-Sammlungen besitzen. Auch einige Motive aus Venedig sind dabei. Dort hatte sich Music ja vor und nach dem zweiten Weltkrieg niedergelassen. 

Gegen Ende dieses Krieges trat jenes Ereignis ein, das Music für den ganzen folgenden Teil seines Lebens prägte: Er wurde wegen seiner Kontakte zum antideutschen Widerstand Ende 1944 in das Konzentrationslager Dachau deportiert, wo er bis Ende April 1945, also bis zur Befreiung durch die Amerikaner inhaftiert war. Von den etwa 200 Zeichnungen, die Music im Lager anfertigte, konnte er aber nur etwa 35 retten. Die Klagenfurter Ausstellung zeigt nicht nur einige davon, sondern auch Bilder, die in den 1970er Jahren entstanden, als das erlebte Grauen in Music neuerlich aufbrach. Dieser Zyklus mit dramatischen Darstellungen ausgemergelter, todgeweihter oder bereits toter Menschen trägt den Titel „Wir sind nicht die Letzten“ und ist von nicht minder intensiver Wirkung auf den Betrachter als die direkt im KZ entstandenen Zeichnungen.

Die Ausstellung in der Klagenfurter Stadtgalerie und auch die in der nahegelegenen Galerie Magnet sind bis zum 3.Mai 2020 zu sehen.