Corona: Unerreichbares Friaul !!!

Written by Franz Hlavac. Posted in Aktuelles

Seit neun Wochen waren wir nicht mehr in Varmo! Kein Wunder, dass wir unter schweren Friaul-Entzugserscheinungen leiden! Das Corona-Virus hat auch unser Leben heftig verändert. Keine netten Treffen mit friulanischen Freunden, kein blühender Frühling in unserem Garten dort, kein Anlegen der Gemüsebeete, kein Rasenmähen, kein gemütliches Sitzen auf den Bänken im Garten, keine Besuche in den umliegenden Trattorie – niente!!  Dabei ist Friaul Julisch Venetien im Vergleich zu anderen Regionen viel weniger von Infektionen betroffen, Gott sei Dank! Trotzdem sind die Beschränkungen noch viel härter, als sie bei uns in Österreich waren. Langsam gibt es aber nun auch in Friaul Lockerungen. Aber wir werden noch länger nicht hindürfen! 

Wir haben recherchiert, wann Österreicher wieder in ihre Zweitwohnsitze in Friaul Julisch Venetien fahren können. Folgende Antwort von kompetenter politischer Stelle in Friaul hat uns erreicht:„Al momento non è consentito il rientro nelle seconde case, e pertanto anche voi non potete tornare in Friuli. Temo che questo divieto sarà confermato anche nel prossimo Decreto legge del governo italiano che è in uscita a breve. Ci vorrà ancora del tempo purtroppo.” 

Also: „Im Moment ist die Rückkehr in die Zweitwohnsitze nicht erlaubt, also könnt auch ihr nicht nach Friaul zurückkehren. Ich fürchte, dass dieses Verbot im nächsten Dekret der italienischen Regierung bestätigt wird, das in Kürze verlautbart wird. Leider wird es noch Zeit brauchen!“

Geduld ist also noch immer angesagt bei uns allen, die schon ganz dringend wieder zu unseren südlichen Nachbarn wollen!

Zeit für einen Rückblick: Von 8. bis 15.Februar haben wir in Varmo unseren Weingarten geschnitten und die Triebe angebunden. Dem Himmel sei Dank haben wir das noch rechtzeitig erledigt. Etliches an Baumschnitt fand auch noch statt. Mit Daniela und Rosano Asquini sowie mit Fabiola und Paolo Ferrin waren wir noch nett beisammen – Gisela alkoholfrei, wie jedes Jahr um diese Zeit. Am 16.Februar sind wir nach Wien gefahren, dann war in Klagenfurt einiges zu erledigen. 

Und am 10.März wollten wir wieder in unsere südliche zweite Heimat aufbrechen. Doch am Abend davor der Schock: da verkündete der italienische Premierminister Conte im TV: Ganz Italien ist ab sofort eine Sperrzone! Ab da war‘s nix mehr für uns mit Friaul, die Grenzen wurden für Reisende wie uns gesperrt. Den Rest kennen wir alle: Ausgangs- und sonstige Beschränkungen, „Wir bleiben zu Hause“ etc.

In Italien inklusive Friaul waren die Regeln, die per Regierungsdekreten fixiert wurden noch viel strenger: Blocco totale und geschlossene Schulen bereits ab 9.März (in Österreich ab 16.März). 

Die tragischen Geschehnisse in der Lombardei, dem Piemont und der Emilia Romagna müssen hier nicht wiederholt werden. Die Ausgangsbeschränkungen sind viel strenger: Aufenthalt nur im eigenen Haus und Garten bzw. der eigenen Wohnung erlaubt. Spazierengehen verboten!!!! Einmal pro Woche durfte eine Person pro Familie einkaufen gehen, doch nur in der eigenen Gemeinde, nur mit Maske und Handschuhen. Was – wie unsere Freunde aus Varmo berichteten – in einem kleinen Ort mit nur einem Lebensmittelgeschäft zu langen Warteschlangen geführt hat. Ein Ausweichen in den großen Supermarkt im Nachbarort: Verboten!!!

Doch die Infektionszahlen in Friaul Julisch Venetien (1,2 Millionen Einwohner) war stets deutlich niedriger als in den anderen norditalienischen Regionen. Das gilt bis heute. Stand 22.April gab‘s 1308 aktuell positiv Getestete (insgesamt sei Beginn 2817), 134 Kranke im Spital, davon 20 auf der Intensivstation, 1263 Genesene und seit Beginn, also Anfang März, 246 Verstorbene. Ab Anfang Mai sind erste Lockerungen der Regeln angekündigt, z.B. dass die Friulaner innerhalb ihrer Region/Bundesland wieder unterwegs sein dürfen, mit allen üblichen Auflagen wie Abstand, Maske, Handschuhe etc.

Übrigens: Das angrenzende Kärnten (560.000 Einwohner) hat noch viel bessere Zahlen: 44 Kranke (inkl.Spital), 402 positiv Getestete, 346 Genesene, 12 Verstorbene.

Zurück nach Varmo: Die Gemeindeverwaltung rund um den beliebten Bürgermeister Sergio Michelin informiert gemeinsam mit der ortseigenen Protezione Civile die Bürger vorbildlich über den Stand der Dinge, erklärt Regeln, organisiert Einkaufsgutscheine für die, die nun ohne Job und Einkommen sind, bietet Einkaufshilfe für betagte Mitbürger etc., etc. Der Zusammenhalt ist auch hier sehr groß. Einige wenige Corona- und Corona-Verdachtsfälle gab es auch in Varmo. Jüngster Stand: 5 Personen sind in Quarantäne, 24 sind geheilt. In den vergangenen Tagen hat die Gemeinde an die Bürger Schutzmasken verteilt.

Aus den Telefonaten mit unseren Freunden ist unschwer zu entnehmen, dass die wochenlangen Einschränkungen sie belasten. Daniela und Rosano haben seit 10 Wochen ihre Enkel nicht mehr gesehen (die wohnen in anderen Gemeinden der Gegend).

Ihren eigenen Garten haben sie schon superschön gemacht und alles Gemüse gepflanzt. Und dann erreichten uns vor Ostern ein paar Bilder unseres Gartens, der ja fast an ihren grenzt, nur ein paar Meter sind über den Garten von Nachbar Roberto zu gehen. Die Bilder zeigten: „Vorher – nachher“. Unser Garten erst mit enorm hoch gewachsenem Gras und dann gemäht.  Wir waren richtig gerührt!!!!

Und dann am Karsamstag gleich noch einmal: ein Teil unseres Grundstücks gegenüber des Hauses grenzt an den Garten der De Giusti. Und plötzlich schickt uns Adriano auch Fotos „Vorher-Nachher“, er hat dort gemäht! Sie sind wirklich alle zum Umarmen, unsere Friulaner.

Und da nun unser Winzerfreund Paolo Ferrin versprochen hat, sich mit Rosano um unseren kleinen Weingarten zu kümmern, da ist uns wirklich ein großer Stein von der Seele gefallen. Paolo und Fabiola Ferrin haben ja als Winzer auch sehr unter den Einschränkungen zu leiden, wenigstens durfte Paolo Wein an Klienten in der Region ausliefern. Doch all die Kulturveranstaltungen, die Fabiola normalerweise organisiert, dürfen natürlich nicht stattfinden. Und sie schreibt eben auf Facebook: „Von den vielen Dingen, die mir in dieser Zeit fehlen, ist eines der wichtigsten die Abwesenheit der Freunde. ….Ihr seid alle, wirklich alle eingeladen, wenn man dann wieder sich frei bewegen kann! Ich erwarte Euch!“

Auch sonst ist vieles wie bei uns. Zum Beispiel: Es wird aufgerufen, Produkte der heimischen Landwirte zu kaufen, heuer Urlaub im eigenen Land zu machen, um den darniederliegenden Tourismusbetriebe zu helfen, es wird über eine Corona-Handy-App diskutiert. Langsam geht das Land mit ersten Lockerungen in die Phase 2 über.

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