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Villenträume – Traumvillen
Entdeckungen südlich von Udine

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Tipps

Es ist bekannt, dass es in Friaul Julisch Venetien sehr viele prächtige Villen gibt. Einige davon stehen in der Aufmerksamkeit etwas im Schatten. Zu unrecht! Wir haben südlich von Udine die Villen Elodia, Gorgo und Iachia besucht.

Die Villa Elodia in Trivignano Udinese ist ein wunderbares Beispiel der ‚Ville Venete’, wie sie im 18.Jahrhundert beim Adel modern waren. Heute ist sie im Besitz der Familie Orgnani. Was diese Villa von anderen unterscheidet, ist der edle Empfangssalon im 1.Stock, ganz im Stil des Klassizismus, wie er sich im Spätbarock in Anlehnung an Andrea Palladio (1508 – 1580), den wohl wichtigsten Architekten des 16.Jahrhunderts in Oberitalien, entwickelte. Die Säulen, der Terrazzoboden und in der Mitte eine Marmorstatue aus der Werkstatt des Bildhauers Antonio Canova (1757-1822) – all das macht den Raum zu einem überaus eleganten Salon. Der Garten der Villa ist als englischer Park gestaltet und lädt mit seinen Wegen und kleinen Wasserläufen zum romantischen Spaziergängen ein. Kein Wunder, dass die Villa gerne für Hochzeiten genutzt wird!

Von Trivignano in Richtung Süden, am Weg zur Villa Gorgo in San Vito al Torre, führt die Strada Triestina vorbei an einem rosa Gebäude. ‚Albergo Dogana Vecchia’ steht darauf zu lesen, eine Zollstation aus den Zeiten der Monarchie. Denn hier war tatsächlich bis 1918 die alte Grenze zwischen dem Königreich Italien und dem von den Habsburgern verwalteten Gebiet Gorizia und Trieste. Ein Grenzstein ist erhalten, ergänzt mit einer neuen Steintafel, auf der zu lesen steht: Einst hat ein Stein uns getrennt, heute vereint uns die Freundschaft.

Die Villa Gorgo in dem nur wenige Kilometer weiter südlich liegenden Ort San Vito al Torre war einst eine Poststation, die erste oder die letzte auf dem Territorium der Monarchie, je nachdem aus welcher Richtung man es betrachtet. Deshalb ist neben der Villa auch eine ‚Scuderia’, ein Pferdestall, erhalten, mit eleganten Fresken auf der Fassade. Nachgewiesenermaßen haben hier Papst Pius VI., Kaiser Josef II. und auch Kaiser Franz Josef I. Station gemacht. Übrigens: geheiratet werden kann auch hier. Ihre Villen für Veranstaltungen zu öffnen ist für viele Besitzer eine Möglichkeit die Erhaltung der Bauten zu finanzieren.

Das gilt auch für die Villa Iachia in Ruda, einem kleinen Ort noch ein Stück weiter südlich. Zu diesem historischen Ambiente mit Gebäuden aus dem 18.Jahrhundert gehört ein riesiger, wunderbar gepflegter Park mit uralten Bäumen. Mit seinen 14 Hektar ist er der größte private Park des Friaul. Er wird durchzogen von einem 300 Meter langen, geraden Weg, auf dem zu besonderen Anlässen auch Fahrten mit der Kutsche locken. In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts hatte die Familie Iachia hier auch mit einem großen Landwirtschaftsbetrieb begonnen, heute sind aus etlichen ehemaligen Wirtschaftgebäuden edle Ferienunterkünfte geworden.

Villa Elodia, Via Roma 74, 33050 Triignano Udinese, Tel.: +39 338 7578606, Email: info@villaelodia.it, www.villaelodia.it

Villa Gorgo, Via Julia 30, 33050 San Vito al Torre, Tel.: +39 0432 998245, Email: villagorgo@villagorgo.com, www.villagorgo.com

Villa Iachia, Via Aquileia 2, 33050 Ruda, Tel.: +39 0431 99250, Email: info@villaiachia.it, www.villaiachia.it

Zwei Künstlerfreunde in Friaul:
Luciano Petris & Angelo Toppazzini

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Menschen

„Habt Ihr schon Luciano Petris, den Mosaikkünstler, kennengelernt?“ Das fragt uns Angelo Toppazzini bei der Eröffnung seiner eigenen Ausstellung im Weingut Ferrin in Camino al Tagliamento. „Nein? Dann fahren wir demnächst gemeinsam zu ihm.“ Gesagt, getan. Nur ein paar Tage später stehen wir mit Toppazzini in Luciano Petris’ Werkstatt in Codroipo und kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Luciano Petris und Angelo Toppazzini sind seid ihrer Jugendzeit befreundet. Beide haben in Spilimbergo die berühmte Mosaikschule absolviert. Petris ist künstlerisch beim Mosaik geblieben und lebt in Codroipo, Toppazzini hat sich für seine Arbeiten anderen Materialien wie etwa dem Zement zugewandt, er wohnt in Castions di Zoppola nahe Pordenone.

Petris und seine Mosaik-Werkstatt haben für uns etliche Überraschungen parat: Denn Luciano Petris entwirft nicht nur selbst interessante Mosaike aus Glas und Stein, wie etwa eine Säule vor dem Rathaus in Codroipo. Er arbeitet auch seit mehr als 20 Jahren gemeinsam mit Christian Ludwig Attersee, einem der international renommiertesten österreichischen Künstler. Einige Beispiele dieser Kooperation: Nach Attersees Entwürfen entstand 1996 das 210 Quadratmeter große Glasmosaik „Wetterhändler“ am Haus in der Mariahilferstrasse 78 in Wien, 2007 das 220 Quadratmeter große Mosaik ‚Reichtum Erde’ in der Geologischen Bundesanstalt in Wien, für ein Bad in einer Privatvilla ein 50 Quadratmeter großes Mosaik. Für das Foyer des Dorfzentrums von Steinbach am Attersee wurde 2012 ein ‚Gustav Mahler’-Mosaik fertiggestellt, für den Semmering am Bahnwanderweg 2015 die Mosaike ‚Kalte Rinne’ und ‚Pollereswandrunde’. An beiden Orten – Steinbach und Semmering – hat der Künstler Attersee Wohnsitze.

Stolz zeigt uns Luciano Petri Fotos von all diesen Kooperationen mit Christian Ludwig Attersee und auch von jenen Mosaiken, die er in Zusammenarbeit mit dem bekannten slowenischen Künstler Joze Ciuha (1924 – 2015) nach dessen Entwürfen geschaffen hat. „Kennt Ihr den Turoldo-Park in Coderno?“, fragt Luciano Petris. Wir schütteln den Kopf. Zwar haben wir das Haus des Dichter-Priesters Padre David Maria Turoldo (1916 – 1992) in seinem Heimatort Coderno schon besucht, aber ein Park? Petris führt uns hin, es sind ja von Codroipo nur ein paar Kilometer. Der Park entpuppt sich als eine mit Rosen und Büschen bepflanzte, große Wiesenfläche schräg gegenüber dem Friedhof von Coderno, auf der etliche große Mosaike stehen, die Petris und Ciuha als Urheber haben und in die Texte von David Maria Turoldo eingearbeitet sind. Ein Ort, der viel von der Atmosphäre der literarischen Arbeiten Turoldos widerspiegelt, eines Mannes, der sich so intensiv mit dem ländlichen Leben und der Armut in Friaul auseinandergesetzt hatte.

Gemeinsam mit uns vertieft sich auch Angelo Toppazzini in die Arbeiten seines Freundes. Die Thematik ist Toppazzini nicht fremd. In seinen Zementbildern, auf die Fotofragmente von Motiven ländlichen Lebens collagiert sind, ist dies unschwer zu erkennen. Bei den im Weingut Ferrin in Camino al Tagliamento noch bis Ende Juni ausgestellten Arbeiten Toppazzinis spielt auch die Farbe eine große Rolle. Die abstrakte Umsetzung von Emotion und Erleben erzeugt viel kompositorische Spannung. Das ist auch bei der Skulptur aus einer Flaschengruppe der Fall, die in ihrer Reduktion Erinnerungen an die Stilleben-Bilder des Malers Giorgio Morandi aufkeimen lassen. Aber auch die Kugelform in all ihrer Symbolik ist in Toppazzinis Werk ein dauerndes Motiv.

Zwei friulanische Künstler, zwei Freunde, die bei ähnlichem Start in die Künstlerkarriere auf unterschiedliche Weise ihre Ausdrucksformen entwickelt haben und noch immer entwickeln. Petris und Toppazzini – die Arbeiten von allen beiden verdienen intensive Aufmerksamkeit.