Ein perfekter Tag im Karst

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Lokal-Empfehlungen in Friaul

Auch der Karst blüht jetzt im Frühjahr! Die Blüten der Ebereschen, der Schlehdorn- und Hartriegelgewächse malen weiße Flecken in das frische Grün, das sich über dem felsigen Gestein ausbreitet. Ein perfekter Zeitpunkt für eine Wanderung, besonders wenn auch das Wetter perfekt ist. Monika Kircher, die ehemalige Infineon-Chefin, hatte Freunde und Familie zu so einem Karst-Erleben eingeladen, mit Gerhard Pilgram und Emil Kristov vom Universitätskulturzentrum Klagenfurt UNIKUM als kundigen Wanderführern.

Vom Bahnhof Bivio Aurisina über Santa Croce bis nach Prosecco ist die Route geplant. 12 Kilometer über Stock und Stein, wie es so schön heißt. Wobei es zunächst die Cava Romana, den ältesten Karst-Marmor-Steinbruch, der schon in der Römerzeit betrieben wurde, zu umrunden gilt. Dann hinein in dem lichten Wald, in dem es auf schmalen Steigen bis zu den ersten Ausblicken aufs Meer geht. Andere Wege sind gemütlich und breiter. Der Turm ‚Vedetta Liburnia’ steht nach etwa eineinhalb Stunden Wegzeit unvermutet zwischen den Bäumen, ein ehemaliger Wasserturm aus der Monarchie, der heute einen 360-Grad-Ausblick über die Landschaft bietet (für Menschen, die Vertrauen in die völlig verrostete Eisenstiege entwickeln, die hinauf auf die Turmplattform führt). Von hier ist es im Schatten der Bäume ein gemütlicher Weg bis Santa Croce. Dort wartet in der Trattoria La Lampara ein Salami-Mortadella-Käse-Wein-Imbiss zur Stärkung.

Weiter führt der Weg zunächst zum Friedhof von Santa Croce, der mit seinem Blick aus Meer besonders malerisch gelegen ist. Wieder weiter öffnen sich immer neue Ausblicke, in der Nähe auf die kantigen Gesteinsformationen, in der Ferne auf Silhouetten, die sich am Meereshorizont abzeichnen. Der nächste Turm ist die ‚Vedetta Slataper’ (benannt nach dem Triestiner Dichter), wo die Aussicht zeigt, wie das Schloss Miramare näher rückt. Als musikalische Überraschung spielt bald danach mitten im Wald das Trio Etnoploc auf, Monika Kircher wagt mit ihrem Bruder dazu ein Tänzchen. Nun noch eine gute halbe Stunde, und der Zielpunkt Prosecco ist erreicht (der Ort, der dem Perlwein den Namen gab, den die Venezianer dann berühmt gemacht haben. Von hier stammt nämlich ursprünglich die Rebsorte Prosecco).

Nun bringt der Autobus die Wanderer samt ihren doch schon etwas müden Muskeln ans Meer, in den Ort Villaggio del Pescatore. Eine der schönsten Möglichkeiten zum Abendessen ist dort das ‚Al Pescaturismo’, nicht nur, weil es direkt am Meer in der Zona Cava liegt, sondern auch weil vom Aperitiv bis zum Fischmenü einfach alles stimmt. Ein perfekter Ausklang für einen perfekten Tag! Grazie mille, Monika, für die Einladung zu diesem Ausflugstag!

Triest – eine Stadt, die überrascht!
Olivenöl und andere Köstlichkeiten

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Lokal-Empfehlungen in Friaul

Kein Zweifel: Die Stadt Triest überrascht immer wieder, mit ihrer Eleganz und ihrer Vielfalt. Noch bis morgen Dienstag, 6.März 2018, präsentiert sich der Salon des Olivenöls ‚OlioCapitale’ als Erlebniswelt für Gaumen und Nase. Die Genüsse der Triestiner Küche gehören unbedingt dazu. Wenn dann noch Meer und Himmel blitzblau leuchten, ist ein Tag perfekt.

Auf der Suche nach dem besten Olivenöl heißt es kosten, kosten, kosten. Zum Beispiel die Produkte, die bei Wettbewerb der ‚OlioCapitale’ Auszeichnungen bekommen haben. Fruchtig, bitter, pikant – all das muss ein gutes Öl sein, es soll nach Gräsern oder den Blättern von Tomaten duften, nach Kräutern, grünen Mandeln oder Artischoken schmecken. All das in unterschiedlicher Intensität. In der Kategorie der leichten Öle hat heuer das Öl ‚Fruttato Fois’, der ‚Accademia Olearia’ aus Sardinien das Rennen gemacht, bei den mittelstarken Ölen das ‚Luna Vera Nera di Oliena’ der Azienda Sebastiano Fadda, ebenfalls aus Sardinien. Die Kategorie der intensiven Öle hat ein Produzent aus Slowenien gewonnen: Vanja Dujc mit seinem ‚Olio Extravergine d’Oliva Itrana’. Lauter Juryentscheidungen, denen wir uns – nach entsprechender Verkostung – durchaus anschließen können.

Aber auch an den Ständen der anderen Aussteller gibt es viel Feines zu probieren. Besonders stark vertreten die Regionen Apulien, Kalabrien und Sizilien. Aber auch die Toskana und die Marken stehen an Qualität nicht nach. Immer ins Auge stechen die riesigen Zitrusfrüchte, die Cedri, die die Azienda Barbara Pacioni zusätzlich zu ihrem feinen Öl mitbringt. Griechische Olivenölproduzenten sind auch erfolgreich vertreten.

Deutlich bemerkbar in der Welt der Olivenöle macht sich auch die Region Friaul Julisch Venetien. Glauco Petaros / Dolina, die Familie Starec oder die Azienda Parovel, beide aus S.Dorligo della Valle, sind bekannte und geschätzte Größen aus der Gegend von Triest. Tergeste (der alte Name für Triest) ist die einzige Olivenöl-DOP-Zone in Friaul Julisch Venetien, bietet also Olivenöl von ‚denominazione di origine protetta’, von geschützter Herkunft, eine wichtige Qualitätsmarke. Diese Öle müssen mindestens 50% der Oliven-Sorte Bianchera enthalten (eine autochtone, sehr kälteresistente Sorte). Übrigens: Elena Parovel und ihre Familie freuen sich heuer das 120-Jahr-Jubiläum des Betriebes zu feiern.

Bestes Olivenöl ist natürlich eine wichtige Basis für die Triestiner Küche. Die vereint italienische, österreichische (aus Monarchiezeiten) und slawische Elemente. In der ‚Antica Trattoria Suban’ in Triest lässt sich das aufs Feinste ausprobieren. Ein Abend dort gemeinsam mit Bürgermeister Roberto Dipiazza, dem Präsidenten der Camera di Commercio (Handelskammer) von Triest Antonio Paoletti, italienischen Journalistenkollegen, u.a. dem aus der RAI bekannten Journalisten und Fernsehkoch Fabrizio Nonis sowie dem Moderator und Journalisten Giuseppe Cordioli, macht uns das mehr als deutlich. Der Padrone der Trattoria, Mario Suban, liefert die Erläuterungen zu den als Appetizer gereichten ‚krapfen’ gefüllt mit gekochtem Schinken, zur Vorspeise mit den verschiedenen Prosciutto-Arten samt Käsestrudel, dann zu der in einer Mokka-Tasse servierten ‚jota’ (eine Art Krautsuppe mit Bohnen), zur ‚palacinka’ mit Fleischfülle, zum ‚spezzatino’ (eine Art Gulasch) und zu den köstlichen süßen ‚rigo jancsi’ ungarischen Ursprungs. Und Bürgermeister Dipiazza erzählt begeistert, dass österreichische Unternehmer jetzt in Triest viele Millionen investieren, um die Gebäude des ‚Porto Vecchio’, des alten Hafens, zu sanieren und wiederzubeleben.

Wer in Triest Lust bekommt auf einen Fisch-Imbiss so zwischendurch, der geht übrigens ins EATALY direkt am Kai, einem El-Dorado zum Einkaufen und Schlemmen von Spezialitäten. Dort betreiben Livio Amato und seine Frau Cristina die ‚pescheria’, die Fischabteilung. Was nicht nur heißt, dass man dort vorzüglich frischen Fisch einkaufen, sondern auch zwischen vielen fertig zubereiteten Fischgerichten wählen kann, um sie an Ort und Stelle zu essen.

Und was den Triest-Genuss vollends abrunden kann, ist die edle Wohlfühl-Atmosphäre des Hotel Savoia Excelsior mit Blick aufs Meer.



www.oliocapitale.it

www.suban.it

www.eataly.it

Resiatal: Osteria alla Speranza

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Lokal-Empfehlungen in Friaul

Das Resiatal zählt zu den urtümlichsten Gegenden des Friaul. Auch die Küche hat hier Spezielles zu bieten, besonders in der Osteria Alla Speranza in San Giorgio di Resia. Wir kehren dort bei der Familie Di Biasio gerne ein, auch weil es dort die besten Cjalciune (Teigtaschen) weit und breit gibt.

Wer das Kanaltal auf der Bundesstraße entlang fährt, biegt bei Resiutta in das Resia-Tal ab, dort ist es auch in touristischen Hochsaisonen sehr ruhig. Die Sprache der Bewohner hat sich aus dem Slawischen entwickelt. Einst kamen von hier die „arrotini“, die Scheren- und Messerschleifer, die umherzogen und ihre Dienste quer durchs Land anboten. Im kleinen Ort San Giorgio di Resia findet sich die Osteria Alla Speranza. Gigino Di Biasio kümmert sich hinter der Theke in der Bar um die Gäste und Dorina zaubert in der Küche die Teigtaschen Cjalciune, ähnlich den Cjalsons, die sich in den karnischen Bergen finden und auch ähnlich den Kärntner Kasnudeln, aber eben nur ähnlich, jedenfalls besonders. Besonders gut. Und berühmt ist im Resiatal auch der ‚Aglio di Resia’, eine besonders geschmackvolle Variante des Knoblauch, der aus der hiesigen Küche ebenfalls nicht wegzudenken ist.

Wir haben die Osteria kennengelernt, als wir für unser Buch „Friaul erleben“ den traditionellen Fasching des Resiatals erforscht haben. Der heißt Püst und ist bestimmt von den wunderschönen ‚weißen Masken’ – weiß gekleidete Frauen mit Hüten voller Krepp-Papierblumen – und von der sehr speziellen Musik, die auf der Citira, einer Geige, und der bünkula, einem Cello gespielt wird. Auch dieser Fasching ist sehr urtümlich und immer einen Besuch (am Faschingsonntag und am Aschermittwoch) wert. Da empfiehlt es sich allerdings in der Osteria Alla Speranza (die ein Zentrum des Püst-Feierns ist) einen Tisch zu reservieren. Mehr darüber lesen Sie in unserem Buch „Friaul erleben“ / Styria.

Osteria Alla Speranza, 33030 Resia, San Giorgio, Via Prato 3. Tel.: 0039 0433 53057

Ristorante Da Toni / Gradiscutta:
Fixstern am Gourmethimmel

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Küche, Lokal-Empfehlungen in Friaul

„Das Restaurant ‚Trattoria Da Toni’ und die ‚Unione Ristoranti del Buon Ricordo’ beehren sich zur Präsentation einer neuen Spezialität einzuladen: ‚Guancia di vitello al Refosco’, also Kalbswange in Refosco-Sauce. Wem – wie uns – die Ehre solch einer Einladung widerfährt, weiß, dass er einen wunderbaren, höchst genussvollen Abend vor sich hat. Genau so war es auch!

Der Padrone des Ristorante ‚Da Toni’ in Gradiscutta di Varmo Aldo Morasutti steht für perfekte Gastlichkeit und begrüßt herzlich die zahlreichen Gäste des Abends, darunter der extra aus Mailand angereiste Präsident der ‚Unione Ristoranti del Buon Ricordo’ Ovidio Mugnai. Der Bürgermeister der Gemeinde Varmo, zu der der Ort Gradiscutta gehört, Sergio Michelin, ist mit seiner Gattin ebenfalls gekommen, außerdem andere Prominenz der Gegend und etliche Journalisten. Die einzigen nicht-friulanischen Journalisten sind wir. An den großen, edel gedeckten Tischen herrscht von Beginn an gute Laune, nicht nur, weil die Speisekarte jede Menge Köstliches verspricht.

Das Ristorante ‚Da Toni’ ist seit Jahrzehnten ein Fixstern am Gourmethimmel und über Friaul hinaus bekannt. Als Mitglied der ‚Unione Ristoranti del Buon Ricordo’ ist es Teil einer Gruppe von Top-Restaurants, die sich der Pflege der traditionellen, regionalen Küche auf höchstem Niveau verschrieben haben. Gegründet wurde diese italienweit agierende Vereinigung 1964. Die Mitglieder verpflichten sich die typische Küche der Region anzubieten und das ganze Jahr über eine besondere Spezialität mit Tradition auf der Speisekarte zu haben. In Friaul Julisch Venetien sind lediglich 10 Restaurants Mitglieder dieser Union. Das Ristorante Da Toni in Gradiscutta ist eines der traditionsreichsten.

Und schon geht es los mit den Gaumenschmeichlern: Als Vorspeise werden Spargelspitzen mit einer hauchdünnen Scheibe Gänseleber und Wachtelei serviert. Padrone Morasutti weist darauf hin: diese Spargelspitzen sind die ersten der Saison und im Nachbarort Belgrado di Varmo in der Azienda ‚Tenuta Dibelgrado’ gewachsen. Wir wundern uns: Jetzt schon Spargel? Nachdem die Besitzerin des Betriebes Serena Governo und ihr Mann bei uns am Tisch sitzen, ist diese Frage rasch beantwortet. Es sei eine besonders frühe Sorte und da seien wirklich die allerersten Spitzen für diesen Abend gestochen worden. An sich – so erläutert uns Signora Governo – geht die Verkaufssaison erst in zwei, drei Wochen los.

Der nächste Gang ist eine ‚Mignestre misturade’, also eine ‚gemischte Suppe’ mit Gemüse und verschiedenstem Fleisch drinnen – bis hin zu feinen Kuttelstreifen. Solche Suppen, so erläutert uns die Gattin des Bürgermeisters, seien in der Vergangenheit als nahrhafter Eintopf in den Familien auf den Tisch gekommen. Die jetzt servierte Variante ist natürlich eine modernisierte, aber sehr geschmackvolle.

Womit das Menü nun bei jener Hauptspeise angekommen ist, die als neue Spezialität des Hauses ‚Da Toni’ präsentiert wird: Guancia (auch Guanciale) di Vitello, also die Kalbswange, ist butterzart und die Sauce mit Refosco, einem typischen Rotwein des Friaul, zubereitet. Dazu fein gesäuerte weiße Rüben in kleinen Würfeln, eine edle Variante der im Friaul so beliebten ‚Brovada’. Alles zusammen ein Gedicht! Doch Padrone Aldo Morasutti ist es an diesem Abend ein Anliegen, auch noch jene Spezialität zu servieren, für die das ‚Da Toni’ seit vielen Jahren berühmt ist und die seine erste ‚Buon Ricordo’-Spezialität war: Am Spieß gebratene ‚Germano reale’, also Wildente, hier ‚Masurin’ genannt.

Zu all diesen Köstlichkeiten werden feine, friulanische Weine eingeschenkt: Vom Spumante Brut Riserva von Vigneti Pittaro bei Codroipo als Aperitiv über einen Chardonnay 2015 von Benincasa aus Spessa di Cividale, einen Refosco 2013 von Gori aus Nimis, ein Rosso (aus Merlot-, Cabernet Franc- und Cabernet Sauvignon-Trauben) von Picech aus Pradis bei Cormons und als Süßwein zum Dessert ein Verduzzo 2015 vom Weingut Luisa aus Mariano del Friuli.

Apropos Dessert: Das ist ein kleines Kunstwerk für Augen und Gaumen aus zartestem Apfelkuchen und Vanilleeis. Padrone Morasutti bittet seine Küchenmannschaft mit Küchenchef Marco Liani sowie Alex und Alessio vor den Vorhang, ebenso die Service-Crew. Er kann stolz sein auf seine Mannschaft. Alle haben sich den großen Applaus der Gäste mehr als verdient.

Ab nun ist also die Speisekarte des Ristorante ‚Da Toni’ um die Spezialität „Guancia di vitello al Refosco“ reicher. Derlei Neuerung wird traditionellerweise in der ‚Unione Ristoranti del Bel Ricordo’ mit einem bunten Teller dokumentiert. Den bekommen am Schluss noch alle Gäste mit nach Hause.