Zwei Künstlerfreunde in Friaul:
Luciano Petris & Angelo Toppazzini

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Menschen

„Habt Ihr schon Luciano Petris, den Mosaikkünstler, kennengelernt?“ Das fragt uns Angelo Toppazzini bei der Eröffnung seiner eigenen Ausstellung im Weingut Ferrin in Camino al Tagliamento. „Nein? Dann fahren wir demnächst gemeinsam zu ihm.“ Gesagt, getan. Nur ein paar Tage später stehen wir mit Toppazzini in Luciano Petris’ Werkstatt in Codroipo und kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Luciano Petris und Angelo Toppazzini sind seid ihrer Jugendzeit befreundet. Beide haben in Spilimbergo die berühmte Mosaikschule absolviert. Petris ist künstlerisch beim Mosaik geblieben und lebt in Codroipo, Toppazzini hat sich für seine Arbeiten anderen Materialien wie etwa dem Zement zugewandt, er wohnt in Castions di Zoppola nahe Pordenone.

Petris und seine Mosaik-Werkstatt haben für uns etliche Überraschungen parat: Denn Luciano Petris entwirft nicht nur selbst interessante Mosaike aus Glas und Stein, wie etwa eine Säule vor dem Rathaus in Codroipo. Er arbeitet auch seit mehr als 20 Jahren gemeinsam mit Christian Ludwig Attersee, einem der international renommiertesten österreichischen Künstler. Einige Beispiele dieser Kooperation: Nach Attersees Entwürfen entstand 1996 das 210 Quadratmeter große Glasmosaik „Wetterhändler“ am Haus in der Mariahilferstrasse 78 in Wien, 2007 das 220 Quadratmeter große Mosaik ‚Reichtum Erde’ in der Geologischen Bundesanstalt in Wien, für ein Bad in einer Privatvilla ein 50 Quadratmeter großes Mosaik. Für das Foyer des Dorfzentrums von Steinbach am Attersee wurde 2012 ein ‚Gustav Mahler’-Mosaik fertiggestellt, für den Semmering am Bahnwanderweg 2015 die Mosaike ‚Kalte Rinne’ und ‚Pollereswandrunde’. An beiden Orten – Steinbach und Semmering – hat der Künstler Attersee Wohnsitze.

Stolz zeigt uns Luciano Petri Fotos von all diesen Kooperationen mit Christian Ludwig Attersee und auch von jenen Mosaiken, die er in Zusammenarbeit mit dem bekannten slowenischen Künstler Joze Ciuha (1924 – 2015) nach dessen Entwürfen geschaffen hat. „Kennt Ihr den Turoldo-Park in Coderno?“, fragt Luciano Petris. Wir schütteln den Kopf. Zwar haben wir das Haus des Dichter-Priesters Padre David Maria Turoldo (1916 – 1992) in seinem Heimatort Coderno schon besucht, aber ein Park? Petris führt uns hin, es sind ja von Codroipo nur ein paar Kilometer. Der Park entpuppt sich als eine mit Rosen und Büschen bepflanzte, große Wiesenfläche schräg gegenüber dem Friedhof von Coderno, auf der etliche große Mosaike stehen, die Petris und Ciuha als Urheber haben und in die Texte von David Maria Turoldo eingearbeitet sind. Ein Ort, der viel von der Atmosphäre der literarischen Arbeiten Turoldos widerspiegelt, eines Mannes, der sich so intensiv mit dem ländlichen Leben und der Armut in Friaul auseinandergesetzt hatte.

Gemeinsam mit uns vertieft sich auch Angelo Toppazzini in die Arbeiten seines Freundes. Die Thematik ist Toppazzini nicht fremd. In seinen Zementbildern, auf die Fotofragmente von Motiven ländlichen Lebens collagiert sind, ist dies unschwer zu erkennen. Bei den im Weingut Ferrin in Camino al Tagliamento noch bis Ende Juni ausgestellten Arbeiten Toppazzinis spielt auch die Farbe eine große Rolle. Die abstrakte Umsetzung von Emotion und Erleben erzeugt viel kompositorische Spannung. Das ist auch bei der Skulptur aus einer Flaschengruppe der Fall, die in ihrer Reduktion Erinnerungen an die Stilleben-Bilder des Malers Giorgio Morandi aufkeimen lassen. Aber auch die Kugelform in all ihrer Symbolik ist in Toppazzinis Werk ein dauerndes Motiv.

Zwei friulanische Künstler, zwei Freunde, die bei ähnlichem Start in die Künstlerkarriere auf unterschiedliche Weise ihre Ausdrucksformen entwickelt haben und noch immer entwickeln. Petris und Toppazzini – die Arbeiten von allen beiden verdienen intensive Aufmerksamkeit.

Ebensee: Von Kripperln und Glöcklern

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Menschen

Die ‚Kripperlroas’, das von Haus zu Haus Gehen, um Krippen anzusehen, hat in Ebensee in Oberösterreich eine lange Tradition. Da wir dort einen Vortrag über Friauler Krippen halten durften, muss die Gelegenheit genützt werden: Am Tag danach begeben wir uns auf die ‚Krippenreise’. Es darf aber auch ein ausgiebiger Blick auf den Brauch des ‚Glöcklerlaufes’ nicht fehlen. Dank der kundigen Führung von Dr.Franz Gillesberger und seiner Gattin Renate ein unglaublicher Tag voller großartiger Eindrücke!

Privathäuser in Ebensee öffnen bis zum 2.Februar, Maria Lichtmess, den Gästen ihre Pforten, um die raumfüllenden, wunderschönen Landschaftskrippen zu zeigen. Ein Prospekt hilft dem Besucher bei der ‚Kripperlroas’ und Franz Gillesberger ist als Führer durch die Ebenseer Krippenwelt überaus gefragt. Schon die Ebenseer Pfarrkirche wartet mit der ersten außergewöhnlichen Krippe auf. Sie stammt aus der Schnitzschule der berühmten Barock-Bildhauerfamilie Schwanthaler. Deshalb sind die Figuren von besonderer Qualität und wir finden im Zug der Könige gleich unseren Lieblingselefanten.

Jetzt führen uns die Gillesbergers von Haus zu Haus. Zum Beispiel zu Günther Neuhuber, der wegen seiner Liebe zur Krippe extra das Schnitzen lernt. Die Krippe der Familie Scheck hat als Besonderheit nicht nur ungarische Soldaten zu bieten – weil ein Vorfahre dort selbst als Soldat war – sondern der kleine Kohlenmeiler kann auch tatsächlich zum Rauchen gebracht werden.

Die Krippe von Sepp Zehentleitner hat die wohl außergewöhnlichste Szene einer ‚Flucht nach Ägypten’ zu bieten, mit den Räubern Desmas und Gesmas und einer unglaublichen Fülle wilder Tiere. Franz Vogl ist der Spezialist für den Bau von Krippenhäusern, die sich so vielfältig in allen Krippen hier finden. Er bestückt nicht nur seine eigene Krippe mit den liebevoll aus Balsaholz gebauten Häuschen, sondern auch die vieler anderer im Ort.

Rudolf Loidl ist der Vorgänger von Franz Gillesberger als Leiter des Ebenseer Museums. Loidl schnitzt für seine Krippe ebenfalls selbst und fertigt auch die für die Region typischen Masken. Er und seine Gattin Hilda stärken uns mit einen Schnapserl für unsere weitere ‚Kripperlroas’. Derlei Stärkung erfährt Fortsetzung sowohl bei Toni Putz, bei dem wir eine aus Südtirol stammende Schnitzkirche bewundern dürfen, als auch bei Gerhard Preiner. Auch er schnitzt selbst, nicht nur für die eigene Krippe, sondern auch für andere. Aus der Fülle der hübschen Figuren erwerben wir einen schlafenden Hirten und einen kleinen Wolf mit Lamm im Maul.

In Ebensee wird aber nicht nur der Krippen-Brauch liebevoll gepflegt, sondern auch der des Glöcklerlaufes. Deshalb steht bei Max Höllmoser nicht nur eine schöne, alte Krippe, sondern er ist auch ein leidenschaftlicher Glöckler. Beim Glöcklerlauf ziehen immer am 5.Jänner die Glöckler verschiedener Gruppen – Passen genannt – mit ihren meist riesigen, durch Kerzen von innen beleuchteten Kappen durch den Ort, große Kuhglocken tragen die Glöckler an einem Gürtel um die Taille. So sollen – so sagt die Tradition – die bösen Geister vertrieben und die guten geweckt werden. Dieser Brauch hat in Ebensee seinen Ursprung, hat sich von hier aus über das Salzkammergut verbreitet und ist inzwischen sogar UNESCO-Kulturerbe.

Max Höllmoser ist ein Meister des Bauens von Glöcklerkappen. Eine aufwendige Arbeit ist es, die nötigen Holzgestelle zu konstruieren und dann mit buntem Papier die Ornamente und die figuralen Szenen zu kleben. Dutzende solcher Kappen hat Höllmoser in einem großen Raum stehen, von Kindergröße bis zu ganz großen, die schon gut 15 Kilogramm wiegen können, in jeder von denen stecken etwa 600 Arbeitsstunden.

Für heuer ist ja der Ebenseer Glöcklerlauf schon Geschichte, aber im Museum sind die Glöckler das ganze Jahr zu bestaunen. Und bei Höllmoser ist wohl das ganze Jahr Glöcklersaison. Und das weckt in Franz die Lust, auch einmal so einen Kappe zu probieren, fürs Erste eine in Kindergröße. Sieht wirklich toll aus! Und als Erinnerung erwerben wir eine kleine Glöckler-Lampe. Die wird auf jeden Fall dazu beitragen, dass unsere Erinnerung an diesen wundervollen Tag, den wir dank Franz und Renate Gillesberger in Ebensee erleben durften, ganz lebendig bleibt!