Codroipo: Der ‚Parco delle Risorgive’
Wo Quellen aus dem Boden sprudeln

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Pflanzen

Es ist eines der spannenden Phänomene der friulanischen Ebene, dass in vielen Gegenden Grundwasserquellen aus dem Boden dringen – diese Quellen werden ‚risorgive’ genannt. Der Parco delle Risorgive im Süden der Stadt Codroipo zeigt, wie faszinierend so eine wasserdurchzogene Landschaft sein kann. Wir haben haben dort wieder einmal einen ausgiebigen Spaziergang gemacht. Eine Erholungslandschaft mit Lernfaktor.

Die ‚risorgive’ entstehen, weil in einer (gedachten) Linie von Pordenone bis in den Osten nach Monfalcone die Bodenbeschaffenheit wechselt. Von den Bergen rinnt das Grundwasser nämlich zunächst durch Schotterböden, doch dann trifft es auf lehmige, schwer zu durchdringende Schichten und wird so an die Oberfläche gedrückt. Im Parco delle Risorgive ist das schön zu beobachten: in den hier ‚olle’ genannten Quellteichen ist das Aufsteigen von Luftbläschen deutlich zu sehen, wo das Wasser aus dem Boden quillt. In Bächen und Rinnsalen sucht sich das glasklare Wasser im Park seine Wege. Für Spaziergänger führen Pfade an den Wasserläufen entlang, Stege führen darüber hinweg, in malerischen Schlingen. Viel junges Baum- und Buschwerk wächst rundum, aber auch uralte, zum Teil abgestorbene Bäume bilden den Wald. Der Sturm im August des vergangenen Jahres hat viele der Baumriesen das Leben gekostet, doch es wird zügig aufgeforstet. Jetzt im Frühling ist die Vielfalt der Grüntöne unendlich, jeder Baum, jede Pflanze entlang der Bäche, und auch die Gewächse im Wasser selbst haben ihre eigene, lebendige Färbung. Dazwischen drängen sich Farbkleckse wie die der gelben Wasserlilien (Iris pseudacorus).

Der Park hat auch Trockenrasenflächen, die wiederum eine ganz andere Flora aufweisen. Wo im Sommer steppenartige Gräser wachsen, drängen sich jetzt zum Beispiel wilde Orchideen hervor, wie etwa das intensiv lilafarbene Kleine Knabenkraut (Orchis morio). Und wer ein bisschen Glück hat wie wir, der kann auch einen Eichelhäher im Tiefflug beim angrenzenden Kinderspielplatz entdecken.

„Meine Freizeit“-Leser im Friaul

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Friaul-Tagebuch, Küche, Pflanzen, Wein

Wieder einmal kommt eine Kärntner Reisegruppe zu Besuch zu uns ins Friaul! Iris und Andreas Lanner geben in Hermagor das Magazin „Meine Freizeit“ heraus und haben diesmal eine Leserreise zu uns gemacht. Das Magazin „Meine Freizeit“ bietet ja regelmäßig jede Menge News in Sachen Wohnen & Leben für Kärnten und den Alpe-Adria-Raum.

Varmo: Gabriella, die Königin der Rosen

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Garten, Pflanzen

„Kennt Ihr Gabriella und ihre Rosen? Nein? Dann muss ich Euch zu Ihr führen“, sagt Winzerin Fabiola Ferrin und begleitet uns nach Belgrado, einem Nachbarort unseres Wohnortes Varmo, zur Azienda „Profumo di Rose“, Duft der Rosen, wo sich Gabriella Pascutti einen Traum verwirklicht hat.

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Gabriella strahlt die Zufriedenheit eines Menschen aus, der mit seiner Arbeit glücklich ist. Bis vor 10 Jahren war sie Porzellanmalerin, dann hat sie geheiratet und sich einen Traum erfüllt: eine eigene kleine Azienda, wo sie Rosen zieht und als Schnittblumen verkauft. In zwei riesigen Folientunneln wachsen die verschiedensten Rosensorten. „Insgesamt sind es 5000 Pflanzen“, erzählt sie uns. Jeden Morgen ab 5 Uhr früh arbeitet sie hier. Das verlangt viel Einfühlungsvermögen in die Bedürfnisse der schönen Gewächse. „Man darf zum Beispiel nicht alle verblühten Rosen gleich tief unten am Trieb abschneiden. Bei einigen knipse ich nur die Blüte weg, die bekommen dann erst später jenen Schnitt, der sie neu austreiben lässt, mit neuen Knospen. Durch diese Staffelung habe ich immer gleichmäßig blühende Rosen.“ Wässern, Ungeziefer bekämpfen oder auch Mehltau – Gabriellas Rosenkinder nehmen sie ganz in Anspruch. Von April bis November kann sie ihren Kunden Rosen in Buketts und Gestecken anbieten. Nicht nur Private kaufen diese begeistert, auch Restaurants lassen sich von ihr prächtige Dekorationen aus Rosen anfertigen. Im Winterhalbjahr hält sie Kurse an der „Università della terza età“, also der Volkshochschule, zuletzt zum Beispiel im Korbflechten.

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Gabriellas Rosensträuße und Gestecke sind Ausdruck ihrer wunderbaren Kreativität. Immer lässt sie sich Neues einfallen, aus Materialien, die die Natur rundum eben gerade bietet. Sie befestigt zum Beispiel Gestecke in Rindenstücken oder in kleinen Körben, fügt Kräuter ein oder ein paar andere Blumen, die am Rande ihres Gartens wachsen, zieht auf ganz spezielle, dekorative Art Bast oder Tüll durch das Zellophan, das sie rund um die Sträuße bindet, und setzt – wie als ihr Markenzeichen – überall einen kleinen Marienkäfer dazu. Auf die Tür zu ihrem Rosengarten hat Gabriella ein paar Sätze aus ‚Alice im Wunderland’ geschrieben, die vom Gnom der Träume erzählen, der den Kindern Blumen bringt. Wenn Gabriella lacht, muss man einfach mitlachen und ihre Freude teilen über die Königinnen der Blumen. Und sie ist auch selbst eine Königin, die Königin ihrer Rosen.

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Azienda Agricola „Profumo di Rose“ von Gabriella Pascutti,Via Savorgnan 7, 33030 Belgrado di Varmo, Tel.: 0039 0432 778294

Friaul für Aug’ und Ohr: Abbazia di Rosazzo & Valvasone

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch, Garten, Pflanzen

Selten haben wir einen Sonntag erlebt mit so wunderbar dichten und unterschiedlichen Eindrücken: Erst der Rosengarten der Abbazia di Rosazzo in voller Blüte, dann ein Blick ins meist nicht zugängliche Schloss von Valvasone und anschließend ein Konzert in der Kirche des Ortes mit Italiens einziger erhaltener, venezianischer Orgel aus dem 16.Jahrhundert.

Die Abbazia di Rosazzo, in den Colli Orientali malerisch gelegen in den Weinhügeln, stammt aus dem 11.Jahrhundert, war lange von Benediktinermönchen aus dem kärntnernischen Millstatt besiedelt. Die Abtei wurde schon im Mittelalter als ‚Monasterium Rosarum’, Kloster der Rosen bezeichnet. Denn die Mönche hatten viele Rosenstöcke in die Weingärten des Klosters gepflanzt. Denn Rosen sind ja früher als „Zeigepflanzen“ eingesetzt worden, eine Art biologische Alarmanlage. Denn bei drohenden Schädlingen wurden sie schon vor den Weinstöcken befallen und der Winzer konnte noch rechtzeitig eingreifen. Heute wachsen rund um die Abtei über 1000 Rosenstöcke, an die 100 davon sind sehr alt und selten. Wenn sich also die Gelegenheit bietet, den Rosenpfad der Abbazia im Mai, der Zeit der schönsten Rosenblüte, entlang zu wandern, dann müssen wir das natürlich tun. An diesem Wochenende gab es nun wieder einmal diese Veranstaltung „Rosazzo da Rosa“. Die Rosen bewundern, auch natürlich die bestens restaurierten Gebäude der Abbazia, kleine Konzerte in einem der Höfe, und ein Blumenmarkt im Kreuzgang und auf einer der Terrassen – all das zählt zu den genussreichsten Möglichkeiten der Sonntagsgestaltung. Den Rosenweg entlang zu wandern und die unzähligen Rosenarten zu bewundern, das machen an diesem Sonntag außer uns noch viele andere. Auch die Rosazzo-Rose blüht schon. Es ist eine Weiße Rose, von der es heißt, die Sorte habe es immer nur hier gegeben – bis 1929 ein schwerer Frost fast alle Rosen vernichtet hat. Zum Glück hatte aber vorher ein Soldat ein Pflänzchen davon nach Frankreich mitgenommen und dort aufgezogen. So konnte die Rosazzo-Rose wieder an ihrem Ursprungsort wieder gezogen werden. Auf dem Blumenmarkt entdecken wir eine ganz ausgefallene Sorte, eine Pejbigeye-Rose namens „Eyes for You“, die aussieht wie eine Paeonie. Natürlich muß die für unseren Garten in Varmo erworben werden. Dazu gibt es noch ein Schluck Wein vom berühmten Winzer Livio Felluga, der die historischen Weingärten hier bewirtschaftet. Strahlende Sonne, ein phantastischer Blick übers Land, da lacht das Herz.

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Genuss-Sonntage bei prächtigstem Wetter müssen bekanntlich bis zum Abend hin voll genützt werden. Und so steht auch das Nachmittagsprogramm fest: Es geht hinüber in den Westen der friulanischen Ebene über den Tagliamento in den Ort Valvasone. Das ist ein mittelalterliches Städtchen, das zu den schönsten Dörfern Italiens gezählt wird. Wir spazieren dort immer wieder gerne durch die Gassen mit ihren mittelalterlichen Gebäuden, den Kanälen, der Mühle. In das Castello der Grafen von Valvasone gibt es nicht immer zutritt. An diesem Sonntag schon. Jedenfalls können wir mit einer Führung einen kleinen Teil des Schlosses aus dem 13.Jahrhundert sehen. In einen Raum mit prächtigen mittelalterlichen Fresken fällt uns die Darstellung eines Wolfes vor einem Esel auf dem Thron auf. Die Führerin erklärt: Der Wolf steht für die Grafen von Valvasone, die dieses Tier im Wappen trugen. Und der Esel, der damals noch ein Symbol für Treue und Beständigkeit war, symbolisiert die Patriarchen. Mit denen hatten die Grafen von Valvasone so ihre Probleme, weshalb auch der Wolf auf dem Fresko den Kopf abwendet. Jetzt werden wir noch in ein winziges Theater aus dem 18.Jahrhundert geführt. „Das ist das kleinste Theater Italiens, nur etwa 40 Personen haben Platz“, erklärt unsere Führerin. Auch hier sind rundum Fresken zu finden, mit vielen Putten. „Alle männlich, bis auf eine! Finden Sie sie?“ Der einzige weibliche Putto wird in einer Ecke über der Bühne entdeckt. Die prüde Zeit der Gegenreformation erlaubte das Zeigen eines nackten weiblichen Körper nicht, nur hier, als Wiedergabe griechischer Mythologie ging das durch. Und Graf Erasmus von Valvasone liebte eben die alten Griechen.

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Die Führung endet rasch, denn es wird Zeit für das Orgelkonzert um 17 Uhr in der Pfarrkirche von Valvasone. Wenn dort die Orgel erklingt, ist das wirklich etwas Besonderes, denn die Orgel ist (außer dem kleinsten Theater Italiens im Castello) das zweite Superlativ, das Valvasone zu bieten hat. Wie eingangs erwähnt ist es die einzige erhaltene venezianische Orgel Italiens aus dem 16.Jahrhundert.

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Die Grafenfamilie Valvasone bestellte die Orgel 1532 beim Orgelbauer Vincenzo Colombo aus Casale Monferrato, der in Venedig tätig war. Von 1533 bis 1552 wurde die Orgel gebaut, inklusive des reich verzierten und bemalten Orgelkastens. Mit den Malereien wurde einer der berühmtesten friulanischen Künstler Giovanni Antonio de Sacchis, genannt Pordenone, beauftragt. Dieser starb 1539 ohne seine Arbeit zu vollenden. Und so war es an seinem Schüler und Schwiegersohn Pomponio Amalteo, die meisten Bilder bis 1544 fertigzustellen. Amalteo, der aus Motta di Livenza stammte und ab 1536 in San Vito al Tagliamento lebte, hatte sich schon weit über die Region hinaus einen hervorragenden Namen gemacht. Die Orgel in Valvasone selbst lässt heute noch das Herz jedes Organisten jubeln. Restauriert von Francesco Zanin entwickelt sie regelmäßig in Konzerten ihre wunderbaren Klänge. Übrigens: die Orgelbauerfamilie Zanin, in Codroipo und Camino al Tagliamento tätig, ist international bekannt. Unter anderem war sie 1995 beteiligt an der Wiedererrichtung der Vierungsorgeln des Salzburger Doms. An diesem Sonntag hören wir Musik des 16. und 17.Jahrhunderts. Organist Gabriele Catalucci wird phasenweise von Trompetern begleitet. Wir fühlen uns in die Vergangenheit zurückversetzt und lassen die Toccate, die Canzoni und Sonate auf uns wirken. Die nächsten Orgelkonzerte folgen am 15.,22.und 29.Mai: Beginn um 17 Uhr.