Rund um die Wachau

Entdeckungen beiderseits der Donau

Torviscosa am ‚Befreiungstag’

Geschrieben von Gisela & Franz. Geposted in Aktuelles, Friaul-Tagebuch

Ein Grabstein nahe der alten Kirche von Torviscosa trägt die Aufschrift: „Am 15.10.1944 wurde die blühende Jugend des Patrioten Primo Villa De Pol im Alter von 24 Jahren vom Hass der Nazifaschisten ausgelöscht.“ Ganz still ist es heute in dem Ort. Es ist Feiertag. Am 25.April, dem ‚Giorno della Liberazione’, wird in Italien der Befreiung vom Faschismus gedacht. Ein guter Tag, um sich mit der Geschichte von Torviscosa zu befassen, begleitet von Mareno Settimo, dem Kulturstadtrat, und seiner Gattin Lorena Zuccolo.

Der Ort ist eine am Reißbrett geplante Stadt, ein Produkt faschistischer Industriearchitektur, in den 1930er Jahren errichtet von einer Gesellschaft namens SNIA (Società Nazionale Industria Applicazioni). Eine riesige Fabrik samt landwirtschaftlichen Betriebsstätten, Direktoren-, Angestellten- und Arbeiterwohnhäusern, Mensa, Theater und Sportanlagen. Die Firma hatte mit Mussolini im Zuge der faschistischen Autarkiepolitik vereinbart, die Erzeugung von Zellulose und der Kunstfaser Viscose zu garantieren. Der alte Ort Torre di Zuino wurde zu Torviscosa (der Name wurde konstruiert aus Torre und dem Namen der hier erzeugten Faser Viscose). Heute ist Torviscosa ein architekturgeschichtlich interessanter Ort mit einem Dokumentationszentrum in einem in den 1960er Jahren errichteten ehemaligen Gästegebäude. Die Firma SNIA ist längst geschlossen, verschiedene Firmen haben sich auf dem Gelände angesiedelt.

Der neben der Kirche begrabene, junge Partisan Villa De Pol war einer derjenigen, die im Zuge der ‚Liberazione’, des Freiheitskampfes gegen den Faschismus, ihr Leben ließen. Nach ihm ist auch der Viale Villa, eine der Hauptachsen von Torviscosa, benannt, die vom Piazzale Marinotti (wo das Informationszentrum, das Theater und die Mensa stehen, benannt nach Franco Marinotti, dem Gründer von Torviscosa und SNIA-Generaldirektor) zum Sportgelände führt.

Gegenüber der Kirche wurde ein Park nach dem Carabinieri-Chef von Torviscosa Guglielmo Costanzo benannt. Dieser hatte sich 1943 nach dem Sturz Mussolinis um die Folgen wie die Flucht eines Großteils der Häftlinge aus dem zu Torviscosa gehörenden Arbeitslager des Villaggio Roma bemüht und sich 1944 den Partisanen angeschlossen. Er wurde verraten und von den Nazis nach Mauthausen gebracht, wo er im März 1945 umkam. Das Villaggio Roma liegt etwas nördlich von Torviscosa und der SS 14. Nur noch eine kleine Kirche ist aus jener Zeit erhalten, als hier das erste Arbeitslager für Kriegsgefangene in Italien eingerichtet war. In dem 1942 von SNIA Viscosa errichteten Lager waren etwa 1000 britische Soldaten aus Neuseeland und Südafrika interniert, die von den Italienern während des Afrikafeldzuges in El Alamein gefangen genommen worden waren. Sie mussten bis 1943 auf den Pfahlrohr-Feldern für die Viscose-Erzeugung arbeiten.

Torviscosa präsentiert sich als sehr spezieller Teil friulanischer Geschichte.

Zu Gast in TeleFriuli:
Bei Pietro Pittaro zum Interview

Geschrieben von Franz Hlavac. Geposted in Friaul-Tagebuch, Wir sind on air

Es ist jedes Mal ein wirklich schönes Gefühl, wenn wir merken, wie unsere Arbeit an Büchern über Friaul Julisch Venetien auch in dieser unserer zweiten Heimat geschätzt wird. Als uns dieser Tage der Grandseigneur der friulanischen Weinwelt Pietro Pittaro zu einem TV-Interview für den regionalen Sender TeleFriuli bat, fühlten wir uns besonders geehrt.

In Weingut Vigneti Pittaro in Rivolto bei Codroipo wurde das Interview aufgezeichnet. Piero Pittaro hat bei TeleFriuli eine wöchentliche, 25minütige Gesprächssendung mit dem Titel ‚Friuli Cultura & Attualità’, in der er neben Politik und Wirtschaft auch Literarisches und Enogastronomie als Themen behandelt. Wir kennen Pittaro seit einigen Jahren und haben unsererseits für unsere Bücher immer wieder mit ihm gesprochen. Dass er nun umgekehrt uns zum Interview über unsere Arbeit als Autoren gebeten hat, die sich darum bemühen ihre Liebe zu Friaul Julisch Venetien an die Leser weiterzugeben, ist schon etwas Spezielles.

Bei einer Vorbesprechung ein paar Tage vor der Aufzeichnung präsentiert sich das Weingut Pittaro von seiner besten Seite und der ‚Padrone’ findet auch Zeit, uns ein paar besondere Stücke aus seiner Sammlung schöner Gläser zu zeigen. Das Weinmuseum, das zu seinem Weingut gehört, ist ja auch immer wieder sehenswert. Und Pittaros Weine – besonders auch seine vielprämierten Spumanti – muss man einfach immer wieder verkosten.

Das Interview wurde dann von dem Kollegen von TeleFriuli (Paolo ist ein Redakteur-Kameramann-Einmann-Team) aufgezeichnet, alles sehr professionell. Und am Dienstag, dem 17.April, abends zur besten Sendezeit um 20 Uhr ging es auf Sendung, mit – so Pittaro – etwa 70.000 Zusehern. Ausführlich konnten wir über unsere Bücher erzählen, sie herzeigen und auch darauf hinweisen, dass die nächsten Projekte bereits in Arbeit sind. Ein paar Tage danach sind wir dann unserem Bürgermeister von Varmo Sergio Michelin begegnet, der uns ganz begeistert gelobt und sich gefreut hat, was für eine ‚buona figura’ seine Gemeindebürger aus Österreich bei dem Fernsehauftritt gemacht haben. Dieses und anderes Lob war nun für uns wieder eine echte Freude und zeigt, dass wir mit unserer Vermittlung der kulturellen und enogastronomischen Schätze des Friaul und seiner so überaus reizvollen Natur auf dem goldrichtigen Weg sind!

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    A-1210 Wien

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Franz Hlavac

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